Solothurn/Zuchwil
Alle Liebesschlösser entsorgt: «Wo ist das Problem? Die stören doch niemanden!»

Seit Jahren wurden an der Roten Brücke zwischen Solothurn und Zuchwil kleine Schlösser mit eingravierten Namen angebracht. Nun sind die Liebesschlösser allesamt verschwunden.

Lea Durrer
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Am Gitter der Roten Brücke unterhalb von Solothurn hingen bis vor Kurzem zahlreiche
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Einige wenige haben überlebt – oder wurden wohl nach der Räumungsaktion erst aufgehängt
Liebesschlösser an der Roten Brücke
Ein Liebesschloss in Herzform

Am Gitter der Roten Brücke unterhalb von Solothurn hingen bis vor Kurzem zahlreiche

Lea Durrer

In Hamburg, Köln, Basel und auch im Zürcher Niederdorf ist es Tradition, seine Liebe mit einem Vorhängeschloss an einer Brücke zu besiegeln und den Schlüssel in den Fluss zu werfen. Auch in Solothurn sammelten sich seit einigen Jahren an der Roten Brücke solche Liebesbeweise. Nun sind sie aber verschwunden.

Die Aktion sorgt in der Region für Diskussionen. «Traurig, dämlich und Schweinerei» sind nur wenige der Wörter, mit denen die Kommentatoren auf die News in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Solothurn wenn...» reagieren.

Sie können nicht verstehen, weshalb die Schlösser und damit «der letzte Spass in Solothurn» verschwinden mussten. «Wo ist das Problem? Die Schlösser stören doch niemanden», so Nicole M.

Dieser Meinung ist auch Facebook-Nutzerin Chrigi. «Alle hatten immer Freude an diesen Schlössern.» Genau diese Schlösser hätten die Brücke so faszinierend gemacht. «Traurig so etwas.»

Auf der roten Brücke schwörten sich verliebte Pärchen die ewige Liebe. (Archiv)

Auf der roten Brücke schwörten sich verliebte Pärchen die ewige Liebe. (Archiv)

Zur Verfügung gestellt

«Jetzt ist sie nur noch eine langweilige und unbedeutende Brücke, von denen wir Tausende haben in der Schweiz», so Joel K.

Viele brachten die Rote Brücke mit Erinnerungen und Liebe in Verbindung. So auch Theresa B. «Auch das Liebesschloss von meinem verstorbenen Schatz und mir ist jetzt entsorgt 😢 Danke den freudlosen ‹Bünzlis› in unserer Gegend! Ihr tut mir von Herzen Leid.»

Es gibt aber auch diejenigen, die die Räumungsaktion nicht so übel nehmen. «Hat auch hässlich ausgesehen», findet Nicolas J.

In Paris auf der Fussgängerbrücke Pont des Arts waren so viele Liebesschlösser angebracht...
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..., dass Angestellte der Stadt die Gitter sowie die daran angebrachten Liebesschlösser entfernen mussten.
Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke in Köln
Liebesschlösser beim Seoul Tower
Hunderte Ja-Wörter in Form von Schlössern zieren in Basel das Gittertor des Käppelijochs auf der Mittleren Brücke.
Hunderte von Schlössern hängen an einer Brücke über der Limmat in der Zürcher Innenstadt.
Einige wenige Schlösser an einer Brücke im Aargau

In Paris auf der Fussgängerbrücke Pont des Arts waren so viele Liebesschlösser angebracht...

Keystone

Wer ist verantwortlich?

Wer sind denn diese «freudlosen ‹Bünzlis›», die den Verknallten einen Streich spielten?

In Zuchwil ist man äusserst überrascht ob der Neuigkeiten. «Wir sind gar nicht glücklich damit», sagt ein zerknirschter Peter Baumann, Leiter der Abteilung Bau und Planung, auf Anfrage. Er habe sich die Schlösser immer gern angeschaut. Wäre die Aktion bekannt gewesen, hätte sich die Gemeinde gewehrt. Im Zürcher Niederdorf würden weitaus mehr Schlösser hängen und das sei dort gar kein Problem. Auch in Solothurn hat man keine Kenntnis von der Räumung.

Wäre die Brücke durchgerostet, eingestürzt, oder sind es ganz einfach ästhetische Gründe, die zu diesem Entscheid geführt haben?

«Wir wollen das einfach nicht», sagt Simon Amsler, Abteilungsleiter Kunstbauten im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau. Er und seine Kollegen haben vor fünf Jahren die ersten Schlösser an der Roten Brücke entdeckt. Seither wurden es immer mehr. Er vergleicht die Liebesschlösser mit Graffitis – «entweder sie gefallen oder stören einem».

Dem Kanton gefallen sie nicht. Dass nun Ende September zwischen 250 und 300 solcher Schlösser entfernt wurden, hat für die Abteilung Kunstbauten auch einen präventiven Charakter. Die Brücke sei in der Vergangenheit mehrfach beschädigt worden durch Personen, die ihre Schlösser nach dem Liebes-Aus wieder entfernen wollten, berichtet Amsler. «Weil der Schlüssel fehlte, wurde ein Bolzenschneider eingesetzt und so auch der Korrosionsschutz der Brücke beschädigt». Zudem würden kaputte und scharfkantige Drähte eine Verletzungsgefahr bergen. Die Entwicklungen auf der Brücke werden in Zukunft weiter beobachtet.

Die ersten Liebenden haben bereits angefangen, neue Erinnerungen zu schaffen – mit neuen Liebesschlössern.