Seit 22 Jahren schreibt er Bücher. Mittlerweile ist er ein Bestsellerautor – in der Schweiz. Man kann Alex Capus ruhig als Star bezeichnen. Menschen strömten am Mittwochabend in die Buchhandlung Lüthy in Solothurn, obwohl schon fast alle Plätze belegt waren.

Gegen 130 Personen warteten im sommerwarmen Geschäft auf den Oltner Autor. Capus neuster, vor drei Wochen erschienener Roman «Das Leben ist gut» figuriert bereits auf Platz Nummer 1 der Schweizer Belletristik-Charts. Keine Minute zu früh zeigte er sich dem gespannten Publikum.

Nach der Mikrofon-Verkabelung trat er nach vorne. Und suchte das Licht. Denn es hatte zwar da und dort schon eine Lampe und auch indirektes, grellgrünes Licht von hinten, doch kein Spot beleuchtete sein Gesicht. «Ich will keine Umstände machen», meinte er schliesslich, nachdem man verschiedene Spots mit mässigem Erfolg ein- und wieder ausgeschaltet hatte.

Capus Grösse leuchtete auch so, er hatte die Anwesenden sofort in seinem Bann. Er las mehrere Passagen aus dem Buch vor. Dazwischen lieferte er Erklärungen und plauderte über Gegebenheiten und reale Menschen, die im Roman nicht vorkommen. Im Buch geht es um einen Barbesitzer einer Provinzstadt und um dessen Frau. Zum ersten Mal in den 25 Ehejahren schläft Tina nicht zu Hause bei Max, da sie sich beruflich in Paris aufhält. «Der Ich-Erzähler hat eine Bar. Ich auch», deutete Capus an. Zwar finde sich manches aus dem Buch auch in seinem eigenen Leben. «Aber das Buch ist kein 1:1-Abbild von mir oder Olten.»

Darauf lege er Wert. «Trotz der Ähnlichkeiten: Es ist eine Fiktion.» Zudem gebe es auch «eindeutige Differenzen», etwa: «Im Buch ist da diese Unruhe, die im beschaulichen Familienleben aufkommt. Die Frau hat plötzlich Pläne.»

Immer wieder bringt Capus die Zuhörer zum Lachen und Schmunzeln. Sein Werk ist gespickt mit viel Amüsantem. Manchmal zeigten sich die Anwesenden auch nachdenklich. Capus warme, breite und tiefe Stimme wirkt intensiv. In seiner ruhigen Art stand er da, seine Löwenmähne für einmal gestutzt. Sein Ernst macht das Witzige erst richtig witzig.

Während viele seiner Bücher historisch sind – Capus studierte Geschichte, Ethnologie und Philosophie -  berichtet das vorliegende über Alltägliches. Gleichwohl zeigen sich auch hier geschichtliche und ethnologische Elemente. Etwa beim «Toro», dem ausgestopften Stierkopf. Oder wenn der Ich-Erzähler von früheren Immigranten erzählt.

Den Spaniern zum Beispiel. Klischees, die auch mal stimmen. Sehr gekonnt schafft es Capus auf den 240 Seiten, das Wesen der Liebe wiederzugeben, ohne wohl auch nur ein einziges Mal direkt davon zu schreiben. Er schafft es, die Phantasie der Leser einzubeziehen. «Das ist ein heikles Thema», meinte Capus, „da muss ich jetzt aber durch.» Und las die Passage vor: «Natürlich wird Tina in Paris auch Männern begegnen, das kann nicht ausbleiben...»

Das andere Thema ist die Spannung zwischen Bleiben und Fortgehen, Verharren und Veränderung. Durch die Zeilen und durch die Worte der Lesung hindurch zieht sich dieser Konflikt. Hinterlässt auch eine Art Sehnsucht. Gerne hätte man Capus, den Menschen, dieses oder jenes noch gefragt. Wie er persönlich zum Stierkampf steht. Oder ob «Das Leben ist gut» (in seinem hellblauen Cover und den luftigen Wolken darauf) nicht eine Art Flucht ins Alltägliche ist inmitten einer grauenhaften Welt.

Der Autor hörte mit der Lesung abrupt auf, entfernte sich von der Zuhörerschaft, um im Parterre seine Position als «Signateur» einzunehmen. Wo sich rasch eine Schlange bildete für eine kurze Begegnung. Capus erwähnte, dass er montags in seiner Bar anzutreffen sei. Und auch, dass  es wichtig sei, Freunden nicht nur virtuell auf Facebook zu begegnen. - Da könnte man ja glatt ein andermal mit ihm philosophieren.