Solothurn
Akustisch und optisch opulent wirkendes Richard-Flury-Gedenkonzert faszinierte

Zu Ehren des berühmten Komponisten und Musikpädagogen Richard Flury (1896-1967) veranstaltete der Konzertchor der Stadt Solothurn ein Gedenkkonzert.

Gundi Klemm
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Der Komponist Richard Flury, wie ihn sein Freund, der Maler Cuno Amiet, sah. zvg

Der Komponist Richard Flury, wie ihn sein Freund, der Maler Cuno Amiet, sah. zvg

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Vor 50 Jahren starb der Komponist und Musikpädagoge Richard Flury (1896-1967). Ihm zu Ehren fanden dieses Jahr mehrere Veranstaltungen statt. Zu diesem nun als Höhepunkt und das Gedenkjahr abschliessendem Konzert luden der Konzertchor der Stadt Solothurn, das Sinfonieorchester Biel-Solothurn, der Solothurner Mädchenchor und natürlich Urs Joseph Flury, bekannter Musiker und Sohn des Komponisten, ein. Als Musikhistoriker und Verfasser der 2017 erschienen Richard-Flury-Biografie eröffnete Chris Walton das Programm. Mit spürbarer Sympathie für den schon frühzeitig ins Komponieren verliebten Künstler zeichnete er dessen Lebensweg nach. Flury habe in einer Zeit des Umbruchs und unter Einflüssen zeitgenössischer Musiker komponiert, dabei aber ein Lebenswerk mit ganz eigenem Stil geschaffen, würdigte Walton. Die in diesem Konzertrahmen nach 86 Jahren zum zweiten Mal aufgeführte D-Moll Messe spiegelt charakteristisch, wie Flury Formen der Spätromantik in der Musik zu einem neuen, vielschichtigen Klangbild veränderte, indem er die überlieferten Einzelakkorde der Harmonik mit chromatischen Passagen, rhythmischen Einschüben und teils atonalen Akzenten erweiterte. Häufig aber erfolgte auch der Rückgriff auf barocke Chorfugen. Das Hören dieser Messe in d-Moll mit den bekannten lateinischen Texten aus der kirchlichen Messordnung forderte vom Publikum viel geistige Mitarbeit.

Bewunderte Leistung

Die Gesamtleitung dieses akustisch und optisch opulent wirkenden Konzerts lag bei Adalbert Roetschi. Der seit 1996 tätige Dirigent des Konzertchors hatte mit den Chormitgliedern und dem Orchester Biel Solothurn dieses in der Aufführung anspruchsvolle Flury-Werk erarbeitet. Das breit besetzte Instrumentalensemble gefiel in Präzision und reichen Farben. Das symbolische «Wir» der Chorstimmen ergänzte mit individuellem Vortrag das in seiner Klanglichkeit ideal ausgesuchte Solisten-Quartett mit Maya Boog (Sopran), Stephanie Szanto (Alt), Nino Aurelio Gmünder (Tenor) und Yves Brühwiler (Bass). Der gleiche Chor, damals unter dem Namen Cäcilienverein, hatte 1931 diese D-Moll Messe im Rahmen des Schweizerischen Tonkünstlerfestes in Solothurn uraufgeführt. Vielleicht sorgten jetzt Kinder und Enkel der damaligen Chorangehörigen für die Wiederbelebung dieser Komposition. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall und vereinzelten Jubelrufen.

Requiem für Mignon

Klug war die Konzertregie beraten, die sechs Teile der Messe mit der kurzen Aufführung von Robert Schumanns «Requiem für Mignon» zu unterbrechen. So konnte sich das Publikum bei dieser lyrischen Miniatur für den zweiten Teil wieder sammeln. Mignon ist eine Figur aus Goethes «Wilhelm Meisters Lehrjahre», für deren Tod Schumann ein romantisches Werk für Chor, Soli und Orchester schrieb. Auf dem Seitenbalkon platziert schilderte der von Lea Scherrer geleitete Solothurner Mädchenchor mit seinen frischen Stimmen im Wechsel mit dem Chor und mit dem überzeugenden Bassisten Yves Brühwiler zur Orchesterbegleitung Trauer und Grablegung. Im fein ausgestalteten Begleitheft zum Konzert hatte Urs Joseph Flury seine Vorfreude auf das erstmalige Hören des Werks formuliert. Nach dem Konzert meinte er: «Für mich war das Erlebnis grossartig.»

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