Plötzlich sind sie da. Und wollen etwas von dir. «Die waren ziemlich aggressiv unterwegs», schildert eine Leserin die Begegnung mit drei jüngeren Frauen an einem Montagnachmittag in der Altstadt. «Sie gaben sich als Stumme aus, aber wir haben sie sprechen gehört», vermutet die Angehaltene Rumäninnen «oder sonst etwas Slawisches» bei der Identität des Trios.

Dieses packte ihr Opfer am Arm, hielt ihm ein Papier vor die Nase, worauf ein Spendeneintrag erfolgen könne. «In der Mitte ist dick unterstrichen, dass speziell Kindern geholfen wird. Unten auf dem Blatt steht ‹Handikap International›, was auch immer das sein mag.» Und weiter beobachtet die Leserin: «Wenn jemand gespendet und sich eingetragen hat, wird kurz nachher das Blatt abgerissen und weggesteckt.»

Fragen, um welche Organisation es sich da handle, seien zwecklos: «Sie stellen sich stumm und zeigen mit Gesten, dass sie nicht reden können.» Die Leserin rief darauf hin die Polizei an, die offenbar vom Auftauchen der «stummen» Spendensammlerinnen nicht sonderlich überrascht war.

Ein seltsames Zertifikat

«In der Weihnachtszeit rechnen wir mit dem vermehrten Auftreten von solchen Gruppen», findet Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei, es richtig, in solchen Fällen anzurufen. Er bestätigt auch die Beobachtungen der belästigten Altstadt-Passantin. «Vor allem über die Mittagszeit halten sich Personen osteuropäischer Herkunft in der Altstadt auf und bedrängen Passanten mit einem Bettelblatt zu Spenden.»

Dieses sollte allein schon aufgrund des seltsamen Deutschs mehr als nur stutzig machen. Der Wisch ist nämlich bedruckt als «Zertifikat Des Regionalen Verbundes Fur Taubstumme Und Korperlich Behindertes Personen Und Fur Die Armen Kinder Wollen Wir Ein Internationales Zentrum Erschaffen Um baulichen Anlagen zu Bauen Danke».

Doch laut Peter Fedeli werden «oftmals gezielt ältere Personen angegangen, wobei die Bettler vorgeben, taubstumm zu sein». Tatsächlich ziert das Spenden- oder vielmehr Bettelblatt unten das Logo «Handicap international», komplettiert durch eine krakelige, unidentifizierbare Unterschrift.

Was die Polizei tun kann

Damit man «dem Übel frühzeitig begegnen kann», seien die Fusspatrouillen in der Innenstadt zu intensivieren, so Fedeli. Und: «Nach Möglichkeit werden gezielte Kontrollen über die Mittagszeit angeordnet.» Da es sich von Gesetzes wegen um Bettelei handle, könnten Bussen und Kosten dafür bei Personen ohne festen Schweizer Wohnsitz nach Weisung der Staatsanwaltschaft ohne Rücksprache mit dieser als Depositum erhoben werden.

Allerdings sei dieses Vorgehen nur möglich, wenn kein weiteres Delikt vorliege. Die Bettelei wird demnach mit 100 Franken Busse und weiteren 200 Franken für die Kosten auch der Polizei-Intervention geahndet. Wenn jedoch kein Bargeld vorhanden sei, «ist eine schriftliche Fernhalteverfügung für das ganze Stadtgebiet, ein sogenanntes Rayon-Verbot, auszustellen», hält der Stapo-Kommandant abschliessend fest.