Verenaschlucht

Ärger in der Einsiedelei – Der Einsiedler sah den Verkauf von Glühwein nicht gern

Friedliche Weihnachten war am Heiligen Abend vor Michael Daums Klause für einen Moment kein Thema mehr.

Friedliche Weihnachten war am Heiligen Abend vor Michael Daums Klause für einen Moment kein Thema mehr.

Der neue Einsiedler Michael Daum hat am Heiligabend den Glühweinausschank eines Ehepaars vor seiner Klause unterbunden.

Heiligabend in der Einsiedelei ist jeweils ein ganz spezielles Erlebnis: Hunderte, ja Tausende von Lichtlein erhellen die Verenaschlucht, durch die ganze Völkerstämme pilgern. Erstmals erlebt hat diese Nacht der Nächte der neue Einsiedler Michael Daum. Der Baden-Württemberger mit seinem mächtigen Bart, seit einigen Monaten in der Klause wohnhaft, sorgte allerdings bei einigen Schluchtbesuchern für Verärgerung und Irritationen. So beim Langendörfer Urs Güdel, der in einer Leserzuschrift seinem Ärger über einen Auftritt von Daum an Heiligabend Luft verschafft.

«Kurz vor dem Haus des Einsiedlers trafen wir auf ein jüngeres Ehepaar, das den frierenden Besuchern Glühwein und Punsch anbot. Eine Bezahlung war freiwillig. Die aufgelegte Broschüre wies auf die Stiftung hin, an die das erhaltene Geld gespendet wird. Eigentlich eine schöne Weihnachtsgeschichte. Ein Ehepaar stellt selbst Glühwein her und verbringt den ganzen Heiligen Abend statt in der warmen Stube in der kalten Einsiedelei, um Geld für kranke Kinder zu sammeln.»

Doch dann kommt es gegen 23 Uhr zu einem Zwischenfall. «Ohne sich vorzustellen», habe der Einsiedler das junge Paar angewiesen, seinen kleinen Tisch unverzüglich zu räumen und den Platz zu verlassen. Güdel weiter: «In seinem «Hoheitsgebiet» gebe es keinen Ausschank von Glühwein. Die Bitte, doch wenigstens noch die letzte Kanne den zahlreichen Besuchern anbieten zu dürfen, schlug er resolut aus. Auch die Proteste der vielen Anwesenden, Glühwein trinkenden Besuchern, konnten ihn in seiner Haltung nicht umstimmen.»

Richtig gehandelt

Den Vorfall bestätigt auch Daums Arbeitgeber, die Bürgergemeinde Solothurn. Ihr Präsident Sergio Wyniger hat Kenntnis von Güdels Leserbrief, aber auch der Einsiedler habe ihm tags darauf die nächtliche Episode geschildert. «Er sei zwar bestimmt, aber ruhig aufgetreten», so Wyniger, «danach kam es zu verbalen Attacken gegenüber Daum, die unter der Gürtellinie lagen.»

Daran beteiligt habe sich auch der Leserbriefschreiber. «Tatsache ist, dass der Ausschank von Glühwein und sonstigen Getränken in der Schlucht nicht erlaubt ist, auch nicht für wohltätige Zwecke», betont der Bürgergemeindepräsident. «Wir möchten den Heiligabend dort in einem Rahmen behalten, der für alle verträglich ist.»

So wäre es absolut möglich, mit Glühweinausschank und Sandwich-Verkauf hinten bei der Klause «einen Riesen-Event zu machen. Doch das wollen wir nicht», verweist Wyniger auf den vor einigen Jahren aus dem gleichen Grund gestoppten Glühweinverkauf der Einsiedelei-Gesellschaft.

«Wir haben vorgängig alles besprochen, was an diesem Abend vorkommen könnte», verweist Sergio Wyniger auf ein eigentliches Briefing des Einsiedlers, der deshalb nur seine Aufgabe korrekt erfüllt habe. So wie er Daum kenne und kennen gelernt habe, entspreche seine Schilderung der Wahrheit, glaubt der Bürgergemeindepräsident, der an Heiligabend nicht vor Ort gewesen war.

Und zum Verhalten des ehemaligen Polizeibeamten ergänzt er: «Michael Daum hat halt ein bestimmtes Auftreten, anders als seine Vorgängerin. Aber er macht seinen Job tipptopp und wir haben bisher auch noch keine einzige negative Rückmeldung erhalten.» Es sei richtig gewesen, dass der Einsiedler eingegriffen habe, wiederholt Wyniger. «Denn schliesslich ist die Einsiedelei kein rechtsfreier Raum.»

Die Kerzenplage

Trotz der Vorbereitung durch seinen Arbeitgeber sei Michael Daum dann beeindruckt gewesen, wie viele Leute an Heiligabend die Einsiedelei besuchten. «Und es werden immer mehr», so die Erkenntnis von Sergio Wyniger. Unterbinden wolle die Bürgergemeinde diese Tradition nicht, doch müsse der Auflauf an Heiligabend ein stimmungsvoller Anlass bleiben.

Obwohl der neue Einsiedler im Vorfeld appelliert hatte, nur Rechaud-Kerzen und keine anderen Wachslichter wie Stumpenkerzen aufzustellen, fand der Bürgergemeindepräsident anderntags in der Schlucht «alles Mögliche». Zweimal zweieinhalb Stunden habe er mitgeholfen, die Wachsreste zu beseitigen, «am schlimmsten waren diejenigen auf den Felsen, die ich mit dem Spachtel wegkratzen musste».

Daum übrigens sei die ganze Nacht in der Einsiedelei präsent gewesen. Nicht primär, um Glühwein-Anbieter wegzuweisen. Sergio Wyniger: «Nur wer nachts in der Schlucht unterwegs ist, weiss, wo überall Lichter gebrannt haben. Und kann anderntags die Reste dort auch beseitigen.»

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