Über die Nachricht dürften sich Bücherwürmer kaum freuen: Ab 1. Januar 2019 werden die Öffnungszeiten der Zentralbibliothek eingeschränkt. Künftig bleiben am Montag der Lesesaal und das Bibliotheksgebäude geschlossen, so wie es bisher schon für die Ausleihe der Fall war.

Ebenfalls neu schliesst der Betrieb am Donnerstag um 18.30 Uhr statt wie bisher um 21 Uhr. Das Zeitfenster im Abendverkauf sei laut eigenen Angaben ohnehin kaum genutzt worden. Wie bisher lassen sich Medien ausserhalb der Öffnungszeiten über eine Klappe beim Eingang zurückgeben.

Investitionen in Gebäude und IT

Verena Bider, Direktorin der Zentralbibliothek, nennt Gründe für den Aderlass: «Während Kosten für IT, Personal und Unterhalt des 60-jährigen Gebäudes gestiegen sind, sehen sich die Träger gegenwärtig nicht in der Lage, ihre Beiträge zu erhöhen.» Dies führe dazu, dass Stellenprozente nach einer Pensionierung und einer Pensenreduktion nicht wiederbesetzt worden seien und die Öffnungszeiten eingeschränkt werden müssen.

Wie Bider auf Anfrage mitteilt, wurden 120 Stellenprozente abgebaut. Weiter belastet der Unterhalt für Gebäude und Umschwung das Budget: So steht 2019 und 2020 eine Gesamtsanierung an. «Die Investitionskosten sind mit 20,8 Mio. Franken veranschlagt, davon würden auf die Stadt 5,2 Mio entfallen», informiert Bider.

Die steigenden Kosten gehen auch aufs Konto des digitalen Ausbaus: «Wir erweitern das Angebot an E-Books stetig», so Bider. Rückläufig seien hingegen die Musik-Ausleihen. Gerade CDs seien nicht mehr im Trend – ebenso Notensätze für Musiker. «Beides finden die Leute im Internet.» Für den Konsum von Musik im Bereich Jazz und Klassik wird das Angebot dafür gezielt ausgebaut: durch einen Zugang zur Naxos Music Library, einem Streamingdienst für Musik.

Trotz Sparmassnahmen wagt Bider einen optimistischen Ausblick: Die Öffnungszeiten könnten durch Effizienzsteigerungen mit technischen Neuerungen künftig wieder ausgeweitet werden. Ab Frühling soll schon einmal ein RFID-System eingerichtet werden: Über einen an den Medien angebrachten Chip (Tag) können Bücher neu via Scanner verbucht werden. «Die Rückbuchung erfolgt aber weiterhin manuell», ergänzt Bider. Es sei auch nicht geplant, deswegen über das bereits gekürzte Pensum hinaus weitere Stellenprozente abzubauen. «Meine Hoffnung ist eher, dass wir den Montag wieder in die Öffnungszeiten aufnehmen – allenfalls sogar mit der Ausleihe», sagt Bider, die Ende Juni 2019 in Pension geht.

Flatrate statt Wildwuchs

Verändern wird sich ab 2019 auch die Tarifstruktur für die Jahresgebühren. «Bislang hatten wir ein historisch gewachsenes kompliziertes Gebilde», sagt Bider und erklärt die bisherige Preisstaffelung nach Medienart: Wer nur Bücher ausleiht, bezahlte bis jetzt noch 10 Franken (Beitragsgemeinde) respektive 20 Franken pro Jahr. «Ab 15. Januar gibt es eine ‹Flatrate› für alle Medienarten», so Bider. Statt komplex gestaffelter Jahresgebühren gelten neu drei Tarife für die Ausleihe, die ohne Unterscheidung zwischen gedruckten oder audiovisuellen Medien alle Medienarten abdecken.

Einwohner der Regionsgemeinden können für einen Jahresbeitrag von 40 Franken gleichzeitig bis zu 20 Bücher und audiovisuelle Medien plus zusätzlich bis zu 8 E-Books ausleihen. Bibliotheksnutzer von ausserhalb der Region entrichten 50 Franken. Bieder: «Profitieren dürften vor allem Vielnutzer der Zentralbibliothek. Und Kinder.» So ist neu die Benutzung sämtlicher Medien für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Ausbildung bis zu 26 Jahren kostenlos. «Wir haben auf eine Kundeninformation hin schon positive Rückmeldungen zur Flatrate erhalten.» Neuerungen kündigt die Zentralbibliothek auch bei den Mahngebühren an. Neu wird eine kostenlose Erinnerung nach Ablauf der Leihfrist verschickt, bevor gemahnt wird.

Und: Zu guter Letzt könnte die nahe Zukunft auch Zeitungsnostalgikern Neuigkeiten bieten: So ist geplant, das analoge Archiv der Solothurner Zeitung digital verfügbar zu machen.