Vor dem sonst meist so stillen Kapuzinerkloster herrscht aufgeregtes Gewusel. Eine Schar Kinder in knallgelben Leuchtwesten, alle vorschriftsgemäss mit dem Velohelm auf dem Kopf, warten auf ihren Einsatz. Der da heisst: praktische Veloprüfung. Die Theorie, die gebüffelt worden ist, kommt später noch dran. «Seit wir dort den Multiple Choice eingeführt haben, ist es einfach geworden», verrät Konrad Müller mit einem Schmunzeln.

Der Feldweibel der Stadtpolizei, seit vielen Jahren Verkehrsinstruktor, prüft dieses Jahr zusammen mit seinem Kollegen Adrian Bitzi 155 Kinder aus elf Schulklassen – meist aus der 4. Klasse, aber auch jene Fünftklässlerinnen und -klässler, die letztes Jahr durchgefallen sind und nochmals antraben müssen. «Das Überfahren eines Stoppsignals reicht, dann ist es so weit», erklärt Müller bestimmt.

Das «volle Programm»

Tatsächlich warten auf die jungen Prüflinge einige knifflige Herausforderungen: die Langendorfstrasse ist ebenso zu befahren wie die Bielstrasse im Frühnachmittagsverkehr, in der Weststadt harrt der Kreisel an der Allmendstrasse der sicheren Bewältigung, nebst einigen Quartierstrassen, die ebenfalls von den insgesamt sechs Aufsichts- und Bewertungsposten gesäumt sind.

«Es gibt das volle Programm», hat Konrad Müller darauf geachtet, dass möglichst viele verschiedene Herausforderungen auf dem Prüfungsparcours zu bewältigen sind. Aus Erfahrung weiss der Verkehrsinstruktor: «Diejenigen, welche die Prüfung ernst nehmen und auch engagierte Eltern haben, die schaffen es auch.»

Zurückgestellt und neu aufgeboten

Wer durchfällt erhält ein Jahr später nochmals eine Chance. Doch längst nicht alle infrage kommenden Kinder dürfen überhaupt zur Prüfung antreten. Nach Rücksprache mit den Eltern und der Schule werden auch einige zurückgestellt. «Die Prüfung ist an sich aufgrund eines Regierungsratsentscheids obligatorisch und im Schulgesetz verankert», weiss Konrad Müller.

Manchmal werde die Prüfung aber auch von besorgten Eltern verweigert – auch dann ist das Gespräch mit ihnen die einzige Möglichkeit, doch noch etwas zu bewegen. «Generell stellen wir fest, dass die Kinder immer schlechter Velo fahren.» Müller führt das auch auf teilweises Desinteresse von Eltern zurück, die keine Affinität zum Zweirad haben.

Ein weiterer Grund sind Defizite in der Motorik bei Stadtkindern. So gebe es im Kanton Baselland ein Bewegungsprogramm namens «Purzelbaum», um diesen Defiziten entgegenzuwirken. «Da lernen Kinder barfuss über einen Baustamm zu gehen», nennt Konrad Müller ein Beispiel. Für den erfahrenen Verkehrinstruktor kommt «die Sicherheit an erster Stelle».

Und kaum sonst wo würden die Kinder so lange für den Verkehr vorbereitet wie in Solothurn. «Das beginnt im Kindergartenalter mit dem Fussgängerunterricht über ‹luege, lose, laufe›. Dann werden die Kinder und Jugendlichen von uns bis in die 9. Klasse begleitet.» Wobei die Veloprüfung für Müller eine zentrale Rolle spielt: «Sie ist der Grundstein für das spätere Verkehrsverhalten.»

Auf die Ausrüstung kommt es an

Nicht nur der Faktor Mensch, sondern auch das Material wird von den beiden Stadtpolizisten gründlich gecheckt. Funktionieren die Bremsen, das Licht? Gerade zu diesem im Herbst und Winter oft diskutierten Punkt kann Konrad Müller leichte Entwarnung geben: «Bei unseren Kontrollen im Dezember waren die Resultate nicht schlecht.»

Besonders auf dem Schul- oder Berufsweg werde bei den Velofahrn und Velofahrerinnen auf eine ordentliche Beleuchtung zum Selbstschutz geachtet. «Etwas anders sieht es bei jenen Leuten aus, die ihr Velo nur gelegentlich – beispielsweise im Ausgang – brauchen.»

Auch hier, vor dem Kapuzinerkloster, tauchen technische Fragen auf. «Ist es schlimm, wenn mein Velo keinen Ständer hat?» Konrad Müller mit einem Grinsen: «Nein, schlimm nicht. Aber doof.»