Stadt Solothurn
Acht Jahre lang nach Standort gesucht: Jetzt ist Borer-Werk installiert

Acht Jahre nach seiner Ausstellung «Fixed to Torsion», welche die Diskussion über den Ankauf eines Werkes von Carlo Borer ausgelöst hatte, wurde nun das «Objekt 424» von Carlo Borer zwischen dem Hotel Ramada und der Berufsschule installiert.

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Carlo Borers Werk Nr. 424 hat seinen Platz gefunden.

Carlo Borers Werk Nr. 424 hat seinen Platz gefunden.

Wolfgang Wagmann

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Standorte geprüft, diskutiert und auch wieder verworfen. 2007 hatte das Haus der Kunst eine Ausstellung des Solothurner Künstlers Carlo Borer organisiert. Im Rahmen der Ausstellung waren im öffentlichen Raum verschiedene grossformatige Skulpturen Borers zu sehen, so unter anderem auf dem Zeughausplatz. Anlässlich einer Aussprache der Stadtverwaltung mit dem Regierungsrat zu verschiedensten Themen vereinbarten Stadt und Kanton, einen gemeinsamen Kauf dieser Skulptur zu prüfen.

Die Umsetzung dieser Vereinbarung dauerte allerdings ihre Zeit. Nach dem Entscheid, auf dem Zeughausplatz definitiv keine Parkplätze mehr einzurichten und der internen Meinungsbildung innerhalb der Verwaltung stellte der Stadtpräsident Ende 2008 einen Antrag an den Lotteriefonds um Mitfinanzierung des Kunstwerks, der grundsätzlich positiv beantwortet wurde.

Zeughausplatz nicht geeignet

Für die Anschaffung der Skulptur und die Installation auf dem Zeughausplatz bewilligte die Stadt 2010 einen Nachtragskredit. Nach diesem Beschluss lehnten allerdings sowohl die Altstadt- wie auch die Baukommission das Aufstellen einer Skulptur auf dem Zeughausplatz ab, weil dieser für das Aufstellen von Skulpturen grundsätzlich nicht geeignet sei und eine Skulptur in der Mitte des Platzes eine sinnvolle Nutzung verunmöglichen würde. Der Platz diene mit der imposanten Zeughausfassade als Kulisse immer wieder für öffentliche Anlässe. Diese Nutzung solle nicht be- oder verhindert werden.

Schliesslich beauftragte die Gemeinderatskommission Ende 2011 das Stadtpräsidium, mögliche Alternativstandorte zu suchen. Praktisch gleichzeitig sicherte der Kanton der Stadt im September 2011 einen Beitrag von 42 000 Franken aus dem Lotteriefonds an die Anschaffung der Skulptur von Carlo Borer zu. Summen in der gleichen Höhe, also je einen Drittel, steuerten die Stadt und der Künstler zuletzt selbst bei.

Neuer Standort, neues Objekt

Im Verlauf der folgenden zwei Jahre evaluierten Stadtschreiber Hansjörg Boll und die Leiterin des Stadtbauamtes, Andrea Lenggenhager, verschiedene Standorte und auch verschiedene für diese Standorte passende Objekte von Carlo Borer. Ende 2013 bewilligte die Gemeinderatskommission auf deren Antrag sowohl einen neuen Standort als auch den Kauf eines anderen Objekts. Neu wurde die Anschaffung des «Objekts 424» von Carlo Borer sowie dessen Installation im Kreuzackerpark zwischen dem Hotel Ramada und dem Pavillon der Berufsschule beschlossen. Nachdem die Baukommission ihr Einverständnis erteilt hatte und deren Bedingungen erfüllt wurden, konnte das Werk nun installiert werden. (egs)

Am Freitag, 11. September, wird um 17 Uhr das Werk mit einer kleinen Feier in Anwesenheit des Künstlers der Öffentlichkeit übergeben.

Mit hohem Aufwand gebaut

Carlo Borers Werk Nr. 424, das scheinbar mit Leichtigkeit über einem Sockel aus Eiben schwebt, entstammt Borers Loop- Formen-Zyklus. Unter Verwendung eines gezielt reduzierten Formenvokabulars entwirft der in Solothurn geborene und in Oberbipp lebende Künstler Objekte, die mit hohem Aufwand gebaut werden. «Ihre technische Ästhetik persifliert unsere moderne Zivilisation. Das Widerspiel zwischen technoidem Auftritt und den elegant geschwungenen Konturen soll uns verführen, unsere Zivilisation und unsere Wahrnehmung derer zu hinterfragen», so Borer. So erscheinen seine Objekte wie Relikte aus anderen Welten. Eine Ambivalenz von Archäologie und Science-Fiction. Die glänzende Oberfläche des perfekt gebauten Objekts überhöht diese Suggestion. Eine Option, unsere Zivilisation mit fremden Augen zu sehen.

Carlo Borer entwickelt seine Objekte im virtuellen Raum auf CAD. Mittels komplexer Tools in Virtual Reality, Hightech-Werkzeugen wie Laser und schliesslich dem Einsatz anspruchsvollen Handwerks entstehen seine Fiktionen. «Meine Objekte sind mit hoher Präzision entworfen und gebaut. Sie strahlen den Habitus einer technisch hoch entwickelten Gesellschaft aus. Eigenschaften welchen wir üblicherweise Gebrauchsgegenständen zuordnen und die im Widerspruch zu den Erwartungen stehen, die wir an ein Kunstwerk stellen. Dieser Konflikt interessiert mich. Ich locke den Betrachter auf eine falsche Fährte», erklärt Carlo Borer. (egs)