Eisenhut-Würger
«Absolute Rarität»: Solothurner hat eine seltene Pflanze entdeckt

Der Solothurner Felix Furrer hat den seltenen Eisenhut-Würger entdeckt. In der Zentralschweiz gibt es nur gerade im Mythengebiet einen Fundort. Nun kommt die Alp Waldnacht am Urner Surenenpass hinzu.

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So sieht der im Urnerland gefundene Eisenhut-Würger aus.

So sieht der im Urnerland gefundene Eisenhut-Würger aus.

Felix Furrer

Am 13. Mai 1968 hatte die Urner Regierung diese Alp und das benachbarte Surenen/Engelberg zum» Kantonalen Reservat für alpine Flora im Gebiet Waldnacht – Surenen» erklärt. Dabei waren seltene Pflanzen wie etwa die Alpen-Akelei, die Feuerlilie, der Gelbe und der Blaue Eisenhut sowie der Türkenbund und viele andere mit entscheidend. Von Bedeutung waren wohl auch das heute noch reiche Vorkommen des Frauenschuhs und anderer Orchideen.

Felix Furrer hat eine besondere Beziehung zur alpinen Natur, denn er verbrachte seine Jugendzeit auf der Alp Waldnacht. Im Jahre 2000 beging seine Familie ein kleines Jubiläum: Die Furrers waren 200 Jahre lang im Mitbesitz dieser Genossenschaftsalp, ausgestattet mit vielen Urkunden – beginnend seit 1457 – und anderen schriftlichen Quellen, die das Zusammenleben der Sennen regelten. Zu diesem Ereignis schrieb der Historiker ein Buch mit dem Titel «Unsere schöne Alp».

Auffällig gelbe Blume

Nun gelang dem Blumenfreund dort ein herausragender Fund: In einem kleinen Bergsturzgebiet mit üppigem Pflanzenbewuchs fotografierte er fleissig eine auffällige gelbe Blume, die er vorher auf der Alp noch nie gesehen hatte. Ahnungslos! Eine Eigenart der Pflanze ist, dass ihr grüne Blätter fehlen. Erst das Werk «Flora Helvetica» verriet dem Fotografen den etwas lieblosen Namen «Würger» oder lateinisch Orobanche.

Adrian Möhl, der wissenschaftliche Mitarbeiter des Botanischen Gartens Bern, der die Fotos erhielt, schrieb dem «Entdecker» in einem überschwänglichen Brief: «Die Art, die Sie in der Innerschweiz entdeckt haben, ist eine absolute Rarität, welche unglaublich spannend ist. Es handelt sich nicht um die Nestwurz, sondern um einen Sommerwürger (Gattung Orobanche). Er ist ein Vollparasit, der auf anderen Arten lebt. Viele dieser Arten sind eher selten, und diejenige, welche Sie gefunden haben, ist sogar sehr selten. Es handelt sich um den Eisenhut-Würger, der bisher nur von wenigen Standorten bekannt ist...»

Orobanche sind Vollparasiten, die keine grünen Blätter besitzen und darum selbst keine Nährstoffe herstellen können. Sie nehmen Wasser und Nahrung über die Wurzeln der Wirtspflanze auf. Beim Eisenhut-Würger ist der ausschliessliche Wirt der sehr häufige Gelbe Wolfs-Eisenhut.

Wo er sonst noch vorkommt

Die Pflanze wurde erstmals 1870 von Joseph Rhiner in seinem «Prodrom der Waldstätter Gefässpflanzen» erwähnt. Der Botaniker fand 1862 etwa 40 Exemplare östlich der Kleinen Mythen. Später beschrieb er die Pflanze genauer und gab ihr auch den heute gültigen Namen: Orobanche lycoctoni Rhiner. Im Herbarium der Universität Zürich liegt ein von Rhiner gesammelter Beleg von den Mythen. Heute ist neben den alten Fundorten dieser Würger auch im Jura bei Genf, in den Freiburger Alpen und in der Ostschweiz zu finden. In der Waldnacht bei Erstfeld im Kanton Uri kennt man nun dank Felix Furrer einen reichlichen Bestand. (mgt)

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