Das Smartphone streicheln – die Freizeitaktivität Nummer 1 unter den Jugendlichen. Die technische Errungenschaft des Touchscreen ist nicht der einzige Grund dafür. Die Hauptverantwortung für die Extraportion Streicheleinheiten an den kleinen elektronischen Geräten liegt bei den Applikationen, kurz Apps genannt. Apps existieren schier in unendlich verschiedenen Variationen. Es gibt Apps zum Sporttreiben, Spielen, Kommunizieren, Fotografieren, Singen, sogar, um den Torjubel an der WM nachzumachen. Den meisten Smartphone-Besitzern genügt ihr Dasein als App-Konsument. Nicht so einer Schülerin und einem Schüler aus der Oberstufe der Stadtschulen Solothurn. Sie haben ihre eigenen Apps entwickelt.

Block-Out und WM-App

Freya, eine gross gewachsene Sechzehnjährige mit amerikanischem Akzent, holt aus, um von ihrem Geistesblitz zu erzählen: «Nach dem ich mein Smartphone einer Schulkollegin kurz ausgeliehen hatte, damit sie die Zeit stoppen kann, habe ich bemerkt, wie sie in dieser Zeit jegliche Apps geöffnet hatte.» Die passionierte Volleyballspielerin dachte sich, es müsse doch eine Möglichkeit geben, Apps für eine gewisse Zeit sperren zu können. «Da wusste ich, ich programmiere ein Block-Out-App», erzählt sie stolz.

Der Fussballfan Dennis legte den Fokus nicht in erster Linie auf Apps. «Bei mir ging es darum, Infos über die WM zu sammeln und weiterzugeben», erzählt er nüchtern. Im Rahmen der Projektarbeit, die seit der Sek-I-Reform von allen Abschlussklassen der Oberstufen durchgeführt wird, entschlossen sich Freya und Dennis, Apps zu programmieren. Nur war dieses Vorhaben, ohne jegliche Vorkenntnisse im Programmieren, sehr gewagt. Die beiden brauchten dringend fachmännische Unterstützung. Eine Zusammenarbeit mit dem Verein der Solothurner Informatik-Ausbildungsbetriebe (VSIA), der auch das Basislehrjahr Informatik führt, machte dies möglich.

Lernender als Lehrer

«Als die Stadtschulen Solothurn für die App-Projekte um Unterstützung baten, waren wir von Anfang an dabei», erzählt Dominik Tschumi, stellvertretender Leiter des VSIA. Die Räumlichkeiten am Dornacherplatz 19 in Solothurn wurden Freya und Dennis für die Dauer der Projektarbeit einmal die Woche zur Verfügung gestellt und Gabriel Hug, Informatik-Lernender im zweiten Jahr, war den beiden beim Programmieren eine grosse Hilfe.

«Es war schon sehr speziell, mal der Lehrer und nicht der Lernende zu sein», bemerkt der engagierte Fachmann. «Da die beiden keine Erfahrungen im Programmieren hatten, war vieles ein Näherbringen der Java-Programmierumgebung», reflektiert Gabriel Hug, der selbst schon kommerzielle Apps entwickelt hat.

Langer Weg, der sich gelohnt hat

Freya und Dennis haben ihre Apps mit seiner Hilfe und damit ihre Projektarbeit erfolgreich abgeschlossen. «Ich fand es toll, eine WM-App programmiert zu haben», strahlt Dennis stolz. «Von der Idee zum fertigen App war es ein langer Weg, aber es hat sich gelohnt», schwärmt Freya. «Wir sind sehr zufrieden mit dieser Zusammenarbeit, die ohne Gabriel nicht möglich gewesen wäre. «Wenn sein Lehrbetrieb, die Scintilla AG, ihn einen halben Tag die Woche nicht entbehrt hätte, hätten die zwei keinen Coach für ihr Projekt gehabt», bemerkt Dominik Tschumi. Michel Rüfenacht, Leiter des VSIA, doppelt nach: «Die Informatikbranche ist nach wie vor auf qualifizierten Nachwuchs angewiesen. Mit solchen Aktionen nähern wir uns der Schule und machen den Beruf für die Jugendlichen sichtbarer.»

Freya und Dennis haben nun nicht nur Kenntnisse im Smartphonestreicheln, sie wissen auch, welche Arbeit hinter den Applikationen steckt. Trotz dieses Abstechers in die Informatik-Welt wird Dennis keine Ausbildung in diesem Bereich machen. Im Sommer beginnt er seine Lehre als Kaufmann. Freyas beruflicher Weg ist noch offen, obwohl sie der Informatikbranche nicht abgeneigt wäre.