Abschied Kurt Fluri
Kulturfabrik-Kofmehl-Chef Pipo Kofmehl regte sich über Kurt Fluris Geradlinigkeit auf

Pipo Kofmehl führt schon seit Jahrzehnten den «Rostwürfel» bei der Westumfahrung. Er erzählt, wie er die ersten Treffen mit Kurt Fluri erlebt hat und dass er sich auch manchmal über seine Entscheide aufgeregt hat.

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Pipo Kofmehl und Kurt Fluri in der Talkshow «11 nach 9» in der Kulturgarage. Jens Wacholz unterhält sich mit seinen Gästen (v. l): Heinz Urben, Pipo Kofmehl und Kurt Fluri.

Pipo Kofmehl und Kurt Fluri in der Talkshow «11 nach 9» in der Kulturgarage. Jens Wacholz unterhält sich mit seinen Gästen (v. l): Heinz Urben, Pipo Kofmehl und Kurt Fluri.

Hansjörg Sahli (22. Februar 2019)

Lieber Kurt!

Nun ist es also so weit: Du wirst als Stadtpräsident von Solothurn in den wohl verdienten Ruhestand treten. 28 lange Jahre hast du die Stadt gemänätscht und hey, auch wir haben eine 28-jährige gemeinsame Geschichte. Die Kulturfabrik Kofmehl ist eine Konstante während deiner Zeit als Stadtpräsi. Schon kurz nach deinem Amtsantritt 1993 hatte das Kofmehl (damals noch mit unseren Vorgängern) mit dir zu tun. 1994 hatten wir beide dann das erste Mal Kontakt, im Zusammenhang mit dem Creep!-Club an der Dammstrasse 59 in Solothurn. Natürlich ging es damals um Ruhestörung.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir den ersten schriftlichen Korrespondenzen mit dir kaum gewachsen waren – wir wussten schlichtweg nicht, wie man auf solch amtliche Texte antwortet und haben uns zum korrekten und strategischen Formulieren sogar extern Unterstützung angeschnallt.

Uns verbanden anfangs ja eher die schwierigen Themen. Die Kulturfabrik Kofmehl und auch der Creep!-Club galten anno dazumal in der breiten Bevölkerung als problematische Orte, die «zufällig auf Stadtboden stehen». Hier versammelte sich Junges, Wildes und Unberechenbares. Kulturlärm war das Hauptthema, das wir mit dir seit 1993 in verschiedensten Variationen durchgekätscht haben – von Nachbar-Reklamationen bis zu Einschränkungen der Schliesszeiten auf 2 Uhr, aufgrund eines baujuristischen Entscheids.

Ab Mitte deiner Amtszeit spürten wir, dass die Kulturfabrik Kofmehl auch für dich eine gewisse Wichtigkeit darstellt. Du hast 2003/2004 das Neubauprojekt mitunterstützt, hattest Auftritte im Kofmehl und warst privat zu Gast. Eine super-tolle Geschichte war, als mit der neuen Westumfahrung unter der Brücke auch ein neuer Weg entstand, der vorübergehend keinen Namen hatte. Wir haben angefragt und deine positive Antwort folgte prompt: Das Kofmehl steht seitdem am Kofmehlweg 1 in 4500 Solothurn. WOW!

Auch durch den Solopool (Verein Solothurner Kulturveranstaltende) hatten wir über viele Jahre miteinander zu tun und hier wurde dein Credo zur Kultur für mich ganz deutlich: Die Stadt Solothurn ist und bleibt eine Kulturstadt. Das lebst und förderst du. Du bist ein Mensch mit klarer Linie: ein Mann – ein Wort. Ja ist ja, nein ist nein – ganz pragmatisch – darauf kann man sich bei dir immer verlassen, egal wie politisch verankert die Themen sind. Dir geht's immer um «üsi stadt». Zwar haben wir uns sicher mehr als einmal über gewisse Sichten und Entscheidungen «ufgregt», aber gerade deine Geradlinigkeit ist mit Grund dafür, dass wir durch die Jahre zu flexiblen und kompletten Kulturveranstaltern mutieren konnten.

Das ist ein schöner Prozess, der nicht jedem Stadtpräsidenten und auch nicht jedem Kulturveranstalter gelingt. Und natürlich hätten wir gerne zu deinem Amtsfinale im Rahmen von 2000 Jahre Solothurn auf der St.Ursentreppe zusammen nochmal richtig fest Lärm gemacht. Doch das holen wir bestimmt noch nach!

Herzliche Grüsse
Pipo

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