Abschied Kurt Fluri
Ehemaliger FDP-Gemeinderat Beat Käch über Kurt Fluris Schlaf, Schreiben und Schaffen

Beat Käch (FDP) ist seit dieser Legislatur nicht mehr im Gemeinderat – nach 30 Jahren. Er erzählt, was ihn von Kurt Fluri unterscheidet und was er an ihm am meisten bewundert.

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Kurt Fluri im Gespräch mit Banknachbar Beat Käch.

Kurt Fluri im Gespräch mit Banknachbar Beat Käch.

Oliver Menge (22. Januar 2002)

Ich durfte als einziger Gemeinderat Kurt Fluri während seinen 28 Jahren Stadtpräsident begleiten. Wir haben meistens am gleichen Strick gezogen, ab und zu waren wir auch verschiedener Meinung. Ich war ein grosser Kämpfer für die «Wasserstadt», Kurt war aus rechtlichen Gründen, die es zu überspringen galt, dagegen. Gleicher Meinung waren wir in der Erhaltung der Kultur- und Kunstdenkmäler.

Ich habe Kurt Fluri in der Studentenverbindung Wengia kennen gelernt, wo er das Cerevis Polo erhalten hat, ein Hinweis auf seine geschichtlichen Interessen und auf seine vielen Interrail-Reisen durch ganz Europa. 1989 habe ich mit ihm für den Gemeinderat kandidiert. 10 Jahre waren wir auch gemeinsam im Kantonsrat, wo Kurt Fluri auch das Präsidium der FDP-Fraktion übernommen hat. Ich habe Kurt Fluri im Kantonsrat und als Stadtpräsident als engagiert, dossiersicher, kompetent und gradlinig wahrgenommen. Die FDP-Fraktion hat er umsichtig geführt und die verschiedenen Meinungen auf eine gemeinsame Linie gebracht.

An Kurt Fluri bewundere ich seine unermüdliche Schaffenskraft. Was er alles nebeneinander geleistet hat, ist fast übermenschlich und ich hatte oft Bedenken, dass das auf Kosten seiner Gesundheit geht. Ich habe ihn aber nie ernsthaft krank erlebt. Er hat gesagt, dass er mit vier bis fünf Stunden Schlaf problemlos auskommt. Ja, problemlos war wohl etwas übertrieben. Öfters ist er während Sitzungen kurz eingenickt, wenn er zuhören musste. Aber immer, wenn er das Zepter wieder übernehmen musste, war er wach und wusste erst noch, was während seines kurzen Nickerchen besprochen wurde. Das schönste Nickerchen war wohl das neben der Bundesrätin Doris Leuthard an einer HESO-Eröffnung.

Für mich war auch phänomenal, dass er alle Reden – wohl mehrere Tausend – selbst geschrieben hat.

Aber auch Kurt Fluri musste erfahren, dass eine politische Karriere nicht immer planbar ist. In seinem 14. Amtsjahr hatten zwei FDP-Gemeinderäte und ich eine Aussprache mit Kurt Fluri, weil es gewisse Unstimmigkeiten zwischen ihm und der Fraktion gegeben hatte. Da hat er wortwörtlich erklärt: «Das ist sowieso meine letzte Amtsperiode als Stadtpräsident, wahrscheinlich ist es schon eine Amtsperiode zu lang.» Aber dann hat Regierungsrat Wanner und Ständerat Büttiker noch eine Amtsperiode angehängt und alles war anders.

Zusammen haben wir am Ende einer Legislaturperiode unsere Partnerstadt Krakau besucht. Ein Ereignis in Krakau bleibt mir in Erinnerung. Die Delegation aus Solothurn war von der Stadtregierung Krakau in ein gutes Restaurant zum Essen eingeladen worden. Unerwartet war der frisch gewählte Ministerpräsident Andrzej Duda mit seiner Frau im Restaurant erschienen. Die ganze polnische Delegation ist zur Ehrerbietung aufgestanden und hat applaudiert und so auch die Solothurner Delegation. Der frühere Stadtpräsident, Urs Scheidegger, ist aufgestanden und hat sich zum Ministerpräsident begeben und mit ihm lange gesprochen. Uns wurde es langsam unangenehm und Hansjörg Boll musste Urs Scheidegger gegen seinen Willen an unseren Platz zurückholen, damit das Ehepaar Duda ungestört essen konnte.

Mir bleiben die 28 Jahre Stadtpräsident in bester Erinnerung. Er hat die Stadtentwicklung in diesen Jahren geprägt und mir bleibt zum Schluss nur, ihm dafür herzlich zu danken. Es war für mich eine grosse Ehre, 30 Jahre an seiner Seite politisieren zu dürfen. Lieber Kurt, alles Gute für Deine hoffentlich etwas ruhigere Zeit nach 28 Jahren Stadtpräsident.

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