Seit gestern läuft «Welcome to Zwitscherland» in den Kinos. Die Schweizer Dokumentation beleuchtet das Leben mit den Vögeln und trägt den Untertitel «Wie das Land, so die Vögel». Ich bin mir nicht sicher, ob der Regisseur jemals im Kreuzackerpark gesessen und in der Hafebar ein Bier getrunken hat. Die Auswahlkommission rund um Seraina Rohrer, die momentan die Filme für die Solothurner Filmtage visioniert, wird sich jedenfalls das ihrige dazu denken. «Abschaffen sollte man die Saatkrähen!», dachte manch einer im Sommer.

Apropos abschaffen: «Mini Beiz, dini Beiz» steht vor dem Aus. Man sei an einen Punkt gekommen, meint man beim SRF, an dem sich das Beizen-Potenzial in der Schweiz ausgeschöpft habe. Ha! Die sollen mal nach Solothurn kommen. Nix da mit «ausgeschöpft» und so. Im Gegenteil: Wenn irgendwo weiterhin geschöpft wird, dann bei uns.

Ja bei uns: Die Phase der öffentlichen Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision ist in der Zwischenzeit beendet. Die Bevölkerung ist informiert, politische Behörden und Parteien haben Stellung bezogen und die elektronische Vernehmlassung ist abgeschlossen. Nun hat sich herausgeschält, dass bei der Ortsplanungsrevision in unserem Stedtli etwas ganz Grundsätzliches angepasst werden soll: Man will den Nebel abschaffen!

«Weg mit dem grauen Ding», meint ein Vertreter der liberalen Stadtpartei. «Wenn der Nebel grün wäre, könnte man darüber streiten, aber so…», lässt man aus einer linken Fraktion verlauten. «Dr Näbel isch en Depp», so ein Vertreter der CVP 60+. Und selbst die Nein-Sager aus dem rechten Lager meinen: «Der Nebel muss weg! Schliesslich haben wir ein Sünneli auf unserem Logo!» Die politischen Parteien sind sich also einig über eine zukünftige Ortsplanung ohne Nebel.

Natürlich stösst eine Revision auch stets auf Widerstand: Den Nebel abschaffen, das gehe doch gar nicht, meinen Realisten. Zudem meldet Amnesty regional: «Man kann den ältesten Solothurner doch nicht ausschaffen!» Weiter hat sich in den letzten Wochen eine Lobby der Sonnenstudio-Betreiber gebildet, die mit allen Mitteln versucht, die Abschaffung des Nebels zu verhindern. Dazu greift man sogar zu drastischen Mitteln und verteilt den Pendlern zu Stosszeiten am Bahnhof «Sonnenstudio-Schnupper-Abos».

Und wenn man schon am Aufheben ist, dann könnte man mit dem Nebel auch gleich die Winterzeit tilgen. Beides ist irgendwie negativ behaftet. Was aber tun, wenn sowohl die Krähen als auch der Nebel nicht weggeschafft werden können? Dann sitzt man halt drinnen in unseren schönen Solothurner Beizen und wird dabei weder vom einen noch vom anderen gestört. Ideal für die kommende Winterzeit. Voilà...