Fasnachtsumzug Solothurn
Ab welcher Windstärke die Wagen in den Hallen bleiben müssen

Der Vorstand der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn hat einen «Massnahmenplan Sturmböen» ausgearbeietet. Dieser sieht fünf Kategorien vor. Ab Kategorie 3 sind keine Umzugswagen mehr dabei.

Pius Rüegger
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Der Schlechtwetterumzug 2016 in Solothurn
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Die Enten-Gringe der Ambassadonner wurden auf der Kreuzackerbrücke vom Sturmwind verweht.
Pelerinen gabs in der ganzen Stadt nirgends mehr zu kaufen
Die Narrenzunft holte ihre windstabile Lok Lulu für einmal am Dienstag hervor
Am Wätter zum Trotz lautete hier die Parole
Die Schirme von Honolulu 2016
Viele Landepisten gabs für die Konfetti
Die Laune der Umzugskiebitze war unter den Schirmen trotzdem ausgelassen

Der Schlechtwetterumzug 2016 in Solothurn

Andreas Kaufmann

In den beiden vorangegangen Jahren 2016 und 2017 mussten für die Solothurner Dienstags-Fasnachtsumzüge wegen Unwetterwarnungen kurzfristig sicherheitsrelevante Vorkehrungen getroffen werden. An den Vorabenden, am Drumm-Gugu-Lala-Pfiff, hielt die Vereinigte Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) jeweils Krisensitzungen ab.

Der Massnahmenplan und seine fünf Kategorien

Bis 45 km/h Windgeschwindigkeit läuft der Umzug ohne Einschränkungen (Kategorie I).

Ab 45 bis 55 km/h sind leicht befestigte Schmückungen an den Wagen zu entfernen (Kategorie II).

Ab 55 bis 65 km/h dürfen zusätzlich mechanisch, hydraulisch oder pneumatisch betriebene Features nicht verwendet werden; Anhänger sind nur in Absprache mit dem jeweiligen Wagenbauchef erlaubt; die Maskentragpflicht entfällt, wobei diese auf den Brücken nicht getragen werden dürfen (Kategorie III).

Ab 65 bis 75 km/h darf der Umzug nur von kleineren, den Umständen angepassten Umzugsfahrzeugen mit geringer Angriffsfläche befahren werden; Anhängerzüge sind nicht erlaubt. Privatfahrzeuge mit Strassenzulassung für die Beförderung von Musikanlagen und Konfettisäcken sind gestattet; es werden keine Masken getragen (Kategorie IV).

Ab 75 km/h wird der Umzug von allen Teilnehmenden ohne Maske und zu Fuss absolviert (Kategorie V). Alle Teilnehmenden sind generell zur Vorsicht aufgerufen; die Guggen sind angehalten, wenn möglich zu spielen. (prs)

Aufgrund dieser Erfahrungen und Beschlüsse erarbeitete der UNO-Vorstand nun einen «Massnahmenplan bei möglichen Sturmböen». In diesem Januar erhielt diese vorbeugende Massnahme zusätzlich Bedeutung durch die einschneidenden Auswirkungen der Sturmtiefs Burglind, Evi und Friederike mit ihren Orkanböen.

Alle müssen vom Gleichen reden

«Unser Hauptgedanke war, in einem Leitfaden festzuhalten, mit was zu rechnen ist, damit die Sicherheit gewährleistet wird», erörtert Umzugschef Yves Hauri. Wichtig für die Verantwortlichen ist, dass alle vom Gleichen reden: «Das kann uns erwarten, was müssen wir vorgängig machen». Hauri ruft zudem ins Gedächtnis, dass nicht nur die Umzüge alleine entscheidend sind, sondern ebenso die Zu- und Wegfahrten der Wagen auf öffentlichen Strassen. «Es baut niemand mehr auf Stadtboden», erinnert der Umzugschef.

Zu beachten sind speziell die Fahrten über die Brücken. «Auf den öffentlichen Strassen ist immer ein gewisses Risiko vorhanden.» Wobei sich die Zünfte der Risiken bewusst seien und die Eigenabsicherung einen hohen Stellenwert geniesse. «Wir wollen nicht, dass unsere schöne Fasnacht beeinträchtigt wird und wegen eines Wettervorfalls in die Negativ-Schlagzeilen gerät», ist für Hauri wichtig.

Um diesen Unwägbarkeiten Rechnung zu tragen, wird in fünf Kategorien festgehalten, welche Einschränkungen angewandt werden müssen. Die Entscheidung liegt in Absprache mit dem UNO-Vorstand beim Ober-Ober, Pressenarr und Umzugschef. Entschieden wird am Umzugstag um 9.30 Uhr. «Wir sind im Kontakt mit dem Flughafen Grenchen und diversen grossen Meteo-Diensten. Wir stützen uns also auf drei bis vier verschiedene Kanäle ab», erläutert Hauri.

«Unser Entscheid basiert jedoch nicht auf Apps», hält er ausdrücklich fest. «Die Info an die Umzugsgruppen erfolgt per Mail, wir wollen so rechtzeitig vorwarnen, aber auch nicht zu früh für Unruhe sorgen, denn wir wollen vorbereitet sein und zum Schutz aller beitragen», führt der Umzugschef weiter aus.

Versicherungstechnisch wichtig

Dieser Massnahmenplan ist zudem wichtig wegen der Haftpflicht, die über die UNO geregelt ist und um Regress-Forderungen vorzubeugen. «Wir haben dies mit unserer Versicherung angeschaut, und sie ist damit einverstanden», betont Hauri. Zudem werden die Wagen von der Motorfahrzeugkontrolle MFK inspiziert. «Mit Nachbesserungen und der Eigendeklaration wird die Strassentauglichkeit gewährleistet», bekräftigt der Umzugschef.

«Im Sinne und in der Sache für die Solothurner Fasnacht und damit sie weiterhin nur positiv glänzen kann, hat der UNO-Vorstand diesen Massnahmenplan einstimmig beschlossen», erklärt Hauri abschliessend.

Das Fasnachtswetter: Dieses Jahr sollte alles glatt laufen

Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren und vor allem zu den zwei letzten Monaten präsentiert sich die Grosswetterlage für diese Fasnacht recht komfortabel: Am Rand eines Atlantikhochs dürfte es bis und mit Sonntag weitgehend trocken bleiben. Es gibt ruhiges Wetter mit einigen Sonnenstunden und kaum Wind - allenfalls ein bisschen Bise und die kalten Nächte mit klaren Minustemperaturen könnten ein wenig den Spielverderber liefern. Noch etwas unsicher sind die Aussichten für den zweiten Umzugstag, den Dienstag: Einige Modelle sehen ihn ein bisschen angefeuchtet und in der Kalt-Variante auch mit einigen Flocken, sonst mit schwachem Regen. Nirgends prognostiziert sind jedoch stärkere Winde – für die UNO und die Wagenbauchefs dürfte es diesmal eine Verschnaufpause geben. (ww)