Solothurn
Ab Mittag wird das Autofahren vielerorts tabu

In der Stadt Solothurn herrscht ab Montag ein neues Verkehrsregime. Die Altstadtsperre wird erweitert. Fast überall gilt dann bei den Stadtzufahrten ab 11.30 Uhr «Durchfahrt verboten».

Wolfgang Wagmann
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Ab Montag neu ab 11.30 Uhr gesperrt Durchfahrt zum und vom Zeughausplatz.
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Neu ab 11.30 Uhr geschlossen Kronestutz.
Neu ab 11.30 Uhr gesperrt das Bieltor.
Neues Verkehrsregime in der Altstadt Solothurn
Neu ab 11.30 Uhr statt bisher ab 19 Uhr gesperrt die Theatergasse.
Neu ab 11.30 Uhr gesperrt der Landhausquai.
Künftig ab 11.30 Uhr gesperrt Die neue Durchfahrt Löwengasse.
Weiterhin bis 19 Uhr offen das Franziskanertor
Weiterhin bis 19 Uhr offen Rittterquai und Zufahrt zum Klosterplatz

Ab Montag neu ab 11.30 Uhr gesperrt Durchfahrt zum und vom Zeughausplatz.

Wolfgang Wagmann

Ab nächsten Montag, 23. Januar, um 11.30 Uhr ist in der Altstadt Solothurn alles anders: Dann tritt die erweiterte Altstadtsperre in Kraft. «Wir machen die Autofahrer schon jetzt mit Plakaten im Weltformat und der Abgabe von Flyern auf die Änderung aufmerksam», meint Christoph Wenk, Chef technischer Dienst bei der Stadtpolizei und mit der Umsetzung der Massnahme beauftragt. «Die Geschäfte haben von uns ein Rundschreiben erhalten», verweist Wenck auf eine weitere Zielgruppe, die besonders vom neuen Regime betroffen ist. Denn Anlieferungen sind zwar weiterhin ab 6 Uhr morgens möglich, aber in weiten Teilen der Altstadt nur noch bis 11.30 Uhr statt wie bisher 13.30 Uhr oder sogar bis 19 Uhr.

So kam es zur erweiterten Altstadtsperre

Die zeitliche Ausdehnung der Altstadtsperre war von der Stadt- und Gewerbevereinigung Solothurn (SGSO) selbst vorgeschlagen worden. Allerdings hätte sie sich diese nur für die Sommerjahreshälfte vorgestellt, da Tourismus- und Gastro-Kreise eine autofreie Mittagspause gefordert hatten.

Dem Wunsch nach einer saisonalen Differenz beim Verkehrsregime - im Winterhalbjahr hätte alles beim Alten bleiben sollen - entsprachen in der Folge weder die Stadtpolizei (Praktikabilität) noch der Gemeinderat, wo die erweiterte Altstadtsperre letztes Jahr nur von Stadtpräsident Kurt Fluri bekämpft wurde. Er befürchtet mit einer Ausdehnung der Fussgängerzone mittelfristig eine Erhöhung der Liegenschaftspreise und damit verbunden eine weitere Aushöhlung des Branchenmix durch den Zuzug von noch mehr Filialgeschäften beispielsweise an der Schaalgasse.

Im Gemeinderat einigte man sich nur auf Kontrollen der Massnahmen, die Auswertung nach rund einem Jahr und das Vorlegen eines Berichts. Gegen die Erweiterung der Altstadtsperre gingen auch lediglich zwei Einsprachen ein, die jedoch im Herbst schon vor der Behandlung zurückgezogen wurden. (ww)

Wo was ändert

Wohl die einschneidendsten Veränderungen wird es in der südlichen Altstadt geben: Zwar kann der Klosterplatz wie gewohnt bis um 19 Uhr angefahren und auch umrundet werden. Doch eine Weiterfahrt wie bisher über die Theatergasse, Schaalgasse und westliche Hauptgasse den ganzen Nachmittag lang bis Abends um 19 Uhr ist nicht mehr möglich - diese Durchquerungsroute wird künftig ebenfalls ab 11.30 Uhr wie die übrigen Gassen im Norden, die bisher bis 13.30 Uhr befahren werden durften, gesperrt sein.

Bereits nicht mehr in Ost-West-Richtung befahrbar war seit dem Dezember die Löwengasse, wo sich laut Christoph Wenk die umgekehrte Verkehrsführung bewährt habe: «Es gab keine negativen, sondern eher positive Reaktionen, weil die Leute nun den Landhausquai umfahren können.» Dieser neuralgische Strassenzug mit seiner «Beizenmeile» erhält durch die neue Altstadtsperre ebenfalls eine Verkehrsentlastung ab 11.30 Uhr - bisher war die Durchfahrt ebenfalls bis 19 Uhr möglich gewesen. Offen bleibt dagegen die «Nordschlaufe» vom Franziskanertor über den Zeughausplatz bis 19 Uhr; doch stoppt neu der Poller beim Mauritiusbrunnen die Durchfahrt Richtung Hauptgasse - Baseltor und umgekehrt auch bereits ab 11.30 Uhr.

Was weiter möglich ist

«Wir werden anfänglich sicher mehr Kontrollen durchführen, ob die neue Altstadtsperre auch eingehalten wird», betont Christoph Wenk - das Missachten des Fahrverbots kostet einen «Lappen», also 100 Franken. Wenn ein parkiertes Auto erst wenige Minuten nach 11.30 Uhr in der Fahrverbotszone angetroffen werde, könne man nicht wegen der Missachtung des Fahrverbots büssen, «da muss doch etwas mehr Zeit verstrichen sein.» Aber eine Parkbusse von 40 Franken liegt alleweil drin, denn in der Altstadt gilt ein generelles Parkierverbot.

Autofrei sind die meisten Teile der Altstadt dennoch nicht ab 11.30 Uhr: Weiterhin gibt's eine erkleckliche Zahl von Zufahrtsbewilligungen oft auch nur für bestimmte Gassen und Plätze für Anwohner und Geschäfte, die auch nach 11.30 Uhr noch zur Fahrt in die Altstadt berechtigen. «Handwerker und Monteure, die in der Stadt arbeiten müssen, können auch weiterhin auf dem Posten eine Zufahrtskarte lösen, und die ersten eineinhalb Stunden sind auch gratis», erklärt Wenk.

Doch ohne den persönlichen Besuch bei der Stadtpolizei sei dieses zeitlich befristete Zufahrts- und Parkierbewilligung nicht erhältlich. In diesem Zusammenhang erinnert Wenk daran, dass die Inhaber von Spezialzufahrtsbewilligungen zwar Waren- oder Personenumschlag vornehmen dürfen, «aber Parkieren vor dem Haus oder Geschäft ist nicht erlaubt.»

Kein Problem sieht die Stadtpolizei beim Beibehalten der bisherigen Kehrichtabfuhrzeiten durch den Werkhof, «das haben auch Fahrversuche bestätigt». Beim Abwägen für und wider die erweiterte Altstadtsperre war befürchtet worden, der Werkhof müsse in der Altstadt wegen der Konzentration der Anlieferungen vormittags die Abfuhr möglicherweise in den Nachmittag verlegen.