Wir sind runtergestiegen, in den Keller des Bürgerspitals Solothurn, um uns das rege Treiben dort unten genauer anzuschauen und mit Mitarbeitern verschiedener Abteilungen zu sprechen. «Wir leben hier unten in einer eigenen Welt, wie in einer separaten Stadt», sagte einer. Vergleiche man das Spital beispielsweise mit einem Herz, so sei das medizinische Personal der Herzmuskel, die Patienten gäben den Herzschlag und die Logistik sorge für den Blutdruck, sagt der Sprecher der soH Eric Send.

Im Bettenlager

Ibrahim Karabag reinigt täglich die Spitalbetten. Eine körperlich sehr anspruchsvolle Arbeit.

Ibrahim Karabag reinigt täglich die Spitalbetten. Eine körperlich sehr anspruchsvolle Arbeit.

Marianne Marti ist die Herrin der Betten im Bürgerspital Solothurn. Die ausgebildete Betriebsökonomin FH Facility-Management ist Leiterin Hauswirtschaft. Zusammen mit ihren Mitarbeitenden sorgt sie neben vielem anderem dafür, dass immer genügend saubere Betten auf den Stationen zur Verfügung stehen; dass die gebrauchten Betten effizient gereinigt und neu bezogen werden. Insgesamt verfüge man in Solothurn über 285 Betten. Täglich werden bis zu 60 Betten gereinigt, neu bezogen und für ihren Einsatz bereit gemacht. «Dadurch, dass heute mehr Patienten ambulant betreut werden und der Aufenthalt im Spital generell kürzer geworden ist, steigert sich bei uns auch der Bettendurchlauf», so Marti. Im Jahr 2015 wurden in Solothurn 14 635 Betten gebraucht. In der Bettenreinigung im Untergeschoss kennt man drei verschiedene Stufen der Reinigung: «A für Betten, die weniger als drei Tage genutzt wurden; B für Betten, die länger als drei Tage genutzt wurden und C für Betten, die durch infektiöse Patienten genutzt wurden», erklärt Marti. Je nach Kategorie falle die Reinigung mit Desinfektionsmitteln intensiver aus. «Dieses Reinigungssystem erstreckt sich über alle Häuser der soH.» Bettenreinigung sei schwere Hand- und Körperarbeit, ein Knochenjob. Marti: «Drei Männer sind während der Woche mit dieser Arbeit beschäftigt. Nur an den Wochenenden helfen Frauen aushilfsweise mit.» Ein Mitarbeiter des technischen Dienstes repariert so weit möglich defekte Betten. Es seien vor allem die Kunststoffteile, die leiden. Zudem wird jedes Bett einer Jahreswartung zugeführt. Das Gesetz über die Medizinische Produktehaftpflicht sorge jedoch dafür, dass immer mehr Reparaturen nur noch von den Herstellern selbst durchgeführt werden dürfen.

In der Pathologie

Timon Wälchli und der Balsthaler Bestatter Samuel Zimmerli arbeiten in der Pathologie Hand in Hand. foto: eric send

Timon Wälchli und der Balsthaler Bestatter Samuel Zimmerli arbeiten in der Pathologie Hand in Hand. foto: eric send

Timon Wälchlis Arbeitsplatz ist die Pathologie im Bürgerspital Solothurn. Er ist der einzige ausgebildete Humanpräparator, der im Kanton Solothurn tätig ist. An seinem Arbeitsplatz sieht es so aus, wie man die «Gerichtsmedizin» von den vielen Krimi-Sendungen her kennt. Gekachelte Wände, Chromstahl, blank geputzte Liegen und Kästen, alles vollkommen rein. Wälchli berichtet von seinem heutigen Arbeitsvormittag: «Heute Morgen hatten wir streng. Gleich drei Todesfälle.» Jährlich würden im Bürgerspital Solothurn 400 bis 450 Menschen sterben, sagt er. «Bei rund 10 Prozent davon werden Autopsien durchgeführt.» Wälchli ist dann den Ärzten jeweils bei der Arbeit behilflich; er selbst führt Schnitte aus und entnimmt die Organe, doch er betont: «Diagnosen stellen nur Ärzte.» Seine Aufgabe ist in erster Linie, die Toten zur Bestattung bereit zu machen. Eine heikle Aufgabe.
Wälchli übt diesen Beruf jetzt schon seit 17 Jahren aus. «Wichtig ist, dass wir den Verstorbenen einen würdigen Abschied ermöglichen, auch im Spital. Die Schwierigkeit ist hier eher, fremde Patienten nicht mit Todesfällen zu konfrontieren, denn wenn immer möglich, soll im Zimmer selbst Abschied genommen werden können.» Gerne werde im Todesfall aber auch der nebenstehende Abschiedsraum von Hinterbliebenen genutzt, so Wälchli. Im Gespräch sagt er noch: «Mein Interesse gilt vor allem der Anatomie.» Wälchli ist auch verantwortlich für die Leiche, an denen Medizinstudenten ihr Handwerk erlernen und verfeinern können. Der Pathologe erklärt: «Es handelt sich um verstorbene Personen, die sich testamentarisch zu Lernzwecken den Spitälern zur Verfügung stellen. Alle zwei Jahre wird diese Leiche ausgewechselt.»

In der Warenlogisitik

Peter Schluep (l.) koordiniert und dirigiert den Wareneingang im Bürgerspital.

Peter Schluep (l.) koordiniert und dirigiert den Wareneingang im Bürgerspital.

Thomas Wild, Strategischer Einkauf, und Peter Schluep, Leiter Logistik, empfangen uns in ihrem Reich. Ein Reich mit weitverzweigten unterirdischen Gängen und mehreren Räumen, voll belegt mit Materialien, Warenkisten, Gestellen und Verpackungen. Ein Reich auch, in dem 14 Personen sieben Tage in der Woche (an den Wochenenden reduziert) arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, das Bürgerspital Solothurn mit allem zu versorgen, was es für den Betrieb braucht. Von der Einwegspritze bis zur Sauerstoffflasche, vom Wattestäbchen bis zum Katheter. Im Zentrallager des Bürgerspitals wird das Material heute noch in zehn verschiedenen Räumen aufbewahrt – dies vor allem wegen des chronischen Platzmangels. Nach dem Neubau soll das besser werden. Doch noch gehören lange Wege und langsame Lifte zum Alltag und müssen bewältigt werden. Schluep sagt: «Ein Mitarbeiter von uns legt durchschnittlich fünf Kilometer pro Tag zurück.» Erst einmal wird die Ware beim Eintreffen per Camion an der einzigen Rampe angenommen und dort gleich einer ersten Kontrolle unterzogen. Besonders wichtig beim heiklen Spitalbedarf ist, dass nichts beschädigt angenommen wird, so Wild. Schnellst möglich wird die Ware dann ins Zentrallager transportiert, denn der Platz an der Rampe ist eng. Die «Hauptverkehrsachse», wie die Mitarbeiter den breiten unterirdischen Hauptgang ins Zentrallager nennen, ist stark frequentiert. Im Zentrallager wird die Ware kontrolliert, etikettiert und an den vorgesehenen Platz geräumt. Etwa 2200 Artikel lagern vor Ort im Untergrund des Bürgerspitals. Gelagert wird meist nach Gebindegrösse, denn so können die Räume am effizientesten genutzt werden, begründet Schluep. Ein wichtiger Bereich, mit dem sich die Warenbewirtschaftung ebenfalls befasst, ist die Abfallentsorgung. Wild: «Der Abfall kommt bei uns an und wird in Räumen im Untergeschoss durch unser Personal getrennt, sinnvoll gebunden und entsorgt.» Rund eine Tonne Siedlungsabfall entstehe im Bürgerspital pro Tag, sagt er. «Pro Woche eine Tonne Altpapier und mehr als 1,5 Tonnen Sonderabfall.»

Im Krankengeschichten-Archiv

Cornelia Hofer (l.) und ihre Mitarbeiterin Silvia Dubois beim Durchforsten von Krankenakten via Bildschirm.

Cornelia Hofer (l.) und ihre Mitarbeiterin Silvia Dubois beim Durchforsten von Krankenakten via Bildschirm.

Cornelia Hofer, Leiterin des Arztsekretariats und des Krankengeschichten-Archivs führt im Untergrund durch die zwei wichtigsten Archivräume. Es ist eng, meterlange Gestelle beherbergen Akte um Akte. Hofer erklärt: «Die Krankenarchive sind im Bürgerspital Solothurn in verschiedenen Räumen, aber hauptsächlich in diesen zwei untergebracht. Drei Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass jede Akte richtig abgelegt und damit sofort wieder gefunden werden kann. Das Prinzip ist einfach: Jeder Patient bekommt bei seinem ersten Aufenthalt im Spital eine eigene Identifikationsnummer. Diese behält er sein ganzes Leben lang. Bei einem vorhersehbaren Eintritt kann seine Krankenakte angefordert und bereitgestellt werden. Bei einem Notfall-Eintritt geschieht dies dann im Verlauf der Behandlung.
«Die Krankenakte darf unser Haus nie verlassen», sagt Cornelia Hofer. «Jede Handlung an einem Patienten wird genau dokumentiert. Es kann vorkommen, dass manche Akten im Verlauf eines Lebens bis zu 30 Zentimeter dick werden. Wir sind im Online-Zeitalter und die Krankenakten liegen immer noch alle in Papierform vor? «Das meiste ist derzeit noch auf Papier vorhanden. Aber das ändert sich von Jahr zu Jahr. Es wird mehr und mehr digital erfasst und unsere Arbeit verändert sich entsprechend», so Hofer. «Wo es sinnvoll ist, werden die vorhandenen Papier-Akten dann elektronisch eingelesen und somit ergänzt», erklärt sie. So findet dann nach und nach die Ablösung Papier – Digital statt. Es gibt eine gesetzlich vorgeschriebene 10-jährige Aufbewahrungspflicht. Die soH bewahrt die Krankenakten der stationären Patienten jedoch 20 Jahre auf. «Diese Fristen erneuern sich bei jedem Wiedereintritt ins Spital», so die Archivverantwortliche. Akten verstorbener Patienten werden bis 10 Jahre nach ihrem Tod aufbewahrt, bevor sie vernichtet werden.
Möchte jedoch ein Aussenstehender, zum Beispiel ein Verwandter, Einblick in die Krankenakte eines Verstorbenen bekommen, z. B. wegen einer Erbkrankheit, braucht er die Einwilligung des Kantonsarztes.