Nobelpreisträger Issac Bashevis Singers Kurzgeschichte «Zlateh die Geiss» spielt in der Adventszeit kurz vor Chanukka, dem Lichtfest in der jüdischen Religion. Es erinnert an die Wiederherstellung des Jerusalemer Tempels durch Judas Makkabäus im zweiten vorchristlichen Jahrhundert.

Verkauf aus Not

Schauplatz ist einerseits ein jiddisches Dorf in Polen, wo für den Pelzhändler Ruben ein schlechtes Jahr sich seinem Ende nähert. Nach langem Zögern entschliesst er sich, Zlateh, die Geiss, zu verkaufen. Sie war alt und gab nur noch wenig Milch. Der Stadtmetzger Feivel hatte acht Gulden für sie geboten. Für diese Summe konnte man Chanukka-Kerzen kaufen, Kartoffeln und Öl für die Pfannkuchen, Geschenke für die Kinder und andere Dinge, die zu Feiertagen im Hause nötig sind. Ruben befahl seinem ältesten Sohn Aaron, die Geiss in die Stadt zu bringen.

Schauplatz anderseits ist ein altes Haus am Chalchgraben und Waldrand. Hier ist es Andreas, dem eines Tages von Nachbar David die drei Geissen Zick, Zack und Zora für eine gewisse Zeit überlassen werden.

Auf zauberhafte Weise verquickt Schertenleib nun seine persönliche Geissen-Erfahrung mit Singers Geschichte. «Zersch muess me rede mit ere, denn massiere vo obe gäg abe, bis de e fiine wiisse Strau chunnt. Wem es guet macht, de schuumet d Müuch.» Aaron indessen geriet mit seiner Geiss in einen schweren Schneesturm. Der Wind pfiff und heulte und trieb den Schnee in Wirbeln umher. Es sah aus, als ob weisse Kobolde über den Feldern Fangen spielten. Aaron und Zlateh fanden in der grössten Not in einem zugeschneiten Heuhaufen Schutz vor dem Blizzard.

Magische Momente

Mit einem Schellenband, einer Fiedel und seinem Gesang aus dem jiddischen Notenheft und von Zupfgeigenhansl liess der Künstler die archaische Geschichte lebendig werden. Mit Streichen und Zupfen sowie Bogenschlagen auf die Saiten lotete er auf einfache Weise die Möglichkeiten seines Instrumentes aus. Es war eindrücklich, wie Andreas Schertenleib die Menschen (ein)binden und in einem grossen Raum einen intimen Rahmen mit viel menschlicher Atmosphäre schaffen konnte. Einmalig, wie zum Schluss die Zuschauer/-innen etwas scheu und mit einer gewissen Ehrfurcht vom dargebotenen Geisskäse kosteten.

«Aaron und die Geiss» gibts noch einmal am nächsten Mittwoch um 15 Uhr bei KreuzKultur in Solothurn. Weitere Vorstellungen in Märstetten und Zürich.