Es geht zu und her wie in einem Bienenhaus. Die Wände der Rothus-Galerie in der Vorstadt verwandeln sich zusehends in eine bunte Bilderflut. Dabei ist am Eröffnungsabend erst ein Bruchteil der insgesamt 7202 vorhandenen Werke zu sehen. «Erfahrungsgemäss gehen in den ersten vier Tagen über 1000 Bilder», weiss Organisator Peter Lukas Meier nach 17 bisherigen Kunst-Supermärkten aus Erfahrung. «Da können wir gar nicht alle zeigen. Täglich werden verkaufte Werke ersetzt. Im Dezember sieht die Ausstellung dann wieder ganz anders aus als heute.»

«Die Latte ist hoch»

Insgesamt 93 Kunstschaffende – die Hälfte davon aus dem Ausland – sind wieder vom 10. November bis 7. Januar in der Vorstadt vertreten. Regionale Künstlerinnen wie die Selzacherin Gabriela Forster oder Priska von Gunten aus Wangen an der Aare gehören zu den Ausnahmen, wobei es zu berücksichtigen gelte, dass etliche ausländische Teilnehmende auch in der Schweiz leben.

«Der Kunst-Supermarkt bewährt sich gut. Wir hatten noch nie so viele Bewerbungen», sagt Organisator Peter Lukas Meier.

 

Ungefähr 60, also zwei Drittel des Aussteller-Feldes, haben schon einmal oder mehrmals am Schweizer Kunst-Supermarkt teilgenommen, weiss der Verleger des Rothus-Verlags, der die Künstlerinnen und Künstler nach strengen Kriterien für die Teilnahme ausgewählt hat. «Die Latte für die Präsentation bei uns ist hoch», erklärt Peter-Lukas Meier. So dürfen die Werke nicht älter als fünf Jahre sein, «und für jede Preiskategorie sind mindestens zehn Bilder einzureichen – pro Künstlerin oder Künstler also 40 Werke. Das ist harte Arbeit», so Meier.

Eine Frage des Preises

Ab 99 Franken sind in der tiefsten Preisklasse Bilder – wohlgemerkt alles Unikate – zu haben. «Die 99er Bilder sind nur Werbung», stellt der Organisator nüchtern fest. Doch viele Besucherinnen und Besucher kauften nicht nur ein Dumping-Werk, sondern zusätzlich meist ein teureres der Kategorien 199, 399 oder 599 Franken. «Daneben bieten wir auch 200 bis 300 Grossformate an, die zwischen 800 und 3000 Franken liegen.»

Der Preis ist für Peter-Lukas Meier heiss, denn er sieht durchaus Werke in der Galerie hängen, die für ihn «zu günstig» sind – und entsprechend alle Chancen haben, bereits am Vernissage-Abend weggekauft zu werden. «Doch der Künstler bestimmt den Preis», sieht Meier die Balance zwischen Aufwand und Ertrag beim Kunstschaffenden selbst. Ein Trend sei auch, dass Schweizer Teilnehmer höhere Ansätze für ihre Bilder verlangen als ausländische. Der Technik sind kaum Grenzen gesetzt, «Acryl und Öl überwiegen, aber gibt alles, vom bemalten Rollbrett bis zur Tuschezeichnung.» Nur Grafiken seien spärlich vertreten, «da wir Unikate und keine Drucke verkaufen wollen.»

Wer Kunstschaffende persönlich kennenlernen will, kann das in den Künstlerateliers tun. «Aber an diesem Wochenende sind sicher zwischen 10 und 20 von ihnen hier in Solothurn», verrät der Organisator.

«Wohlgelitten, aber nicht gefördert»

«Wir wollen anständig mit unseren Künstlern sein», lautet eine Devise des Kunst-Supermarkt-Machers. So gibt es klare Regeln, was den Erlös der Teilnehmenden anbelangt: «Es gilt halbe-halbe– denn der ganz grosse Aufwand liegt bei uns», verweist Peter-Lukas Meier insbesondere auf die Werbung, die er national betreiben muss, um den Kunst-Supermarkt schweizweit vermarkten zu können.

Die Laufkundschaft sei mit dem Wechsel in die Vorstadt schon zurückgegangen, trauert Meier ein bisschen dem ersten Standort am Kronenplatz, dann aber auch dem Palais Besenval nach. «Die Verkäufe sind aber stabil geblieben», verweist er auf ein treues Stammpublikum, das sich jährlich «zwischen 20'000 und 30'000 Leuten» bewege. «Immerhin verfügen wir inzwischen über 14'000 Adressen, die wir vor dem Kunst-Supermarkt anschreiben.» Zudem setzt Meier vermehrt auf Internet-Werbung, um ein jüngeres Publikum anzulocken.

Der für Solothurn wichtige Grossanlass ist laut Peter-Lukas Meier «wohlgelitten, aber wir werden nicht gefördert.» Immerhin trage Region Solothurn Tourismus seine Werbung mit und stelle sein Schaufenster zur Verfügung. Die Vorbehalte der regionalen Kunstszene seien immer noch da, wenn auch nicht mehr so akzentuiert wie auch schon. «Und einige Kunstschaffende besuchen uns auch regelmässig hier.» Der Kunst-Supermarkt bereite ihm immer noch Freude, so Meier. «Ich erlebe ständig wieder Neues – Kunst macht eben glücklich.»

Vernissage: Morgen Donnerstag ab 18 Uhr. Geöffnet: Montag bis Freitag 14 bis 20 Uhr, Samstag, Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Infos: www.kunstsupermarkt.ch