«Sind die Solothurner Filmtage überflüssig?», nahm Direktorin Seraina Rohrer am Donnerstagabend in ihrer Abschlussrede einen Diskussionsfaden, der noch vor der Austragung der 50. Ausgabe gesponnen wurde, auf. «Überflüssig und ein Ärgernis», zitierte sie einen Leserbriefschreiber, insbesondere wegen des Plakats mit dem nackten Mann. Doch Rohrer versicherte: «Wir haben noch nie so viele Filmtage-Plakate verkaufen können, wie in diesem Jahr. Vor allem junge Männer und ältere Damen kauften.»

Das Hauptplakat der Filmtage: «Der nackte Mann»

Das Hauptplakat der Filmtage: «Der nackte Mann»

Sie erwähnte ein paar besonders eindrückliche Filmmomente in dieser Ausgabe: die Umarmung des Publikums für den Volksschauspieler Jörg Schneider, das kollektive Weinen im Saal beim Film «Freier Fall» von Mirjam von Arx oder die Diskussion mit dem 86-jährigen Filmemacher Alexander J. Seiler beim Jubiläumsprogramm mit seinen 1964 gedrehten Film «Siamo italiani», der noch immer aktuell sei. Sie forderte das Publikum auf, weiter auch kritisch zu den Filmtagen Stellung zu nehmen; eine neue Publikumsbefragung sei geplant.

Dass auch sehr kleine Produktionen wie der Spielfilm "Tapis Rouge" oder der Dokfilm "Stella ciao" an einem Festival zu Stars würden und das Publikum begeisterten, mache für sie auch die Besonderheit Solothurns aus.

Rohrer freute sich am Abschlussabend über einen leichten Anstieg der Besucherzahlen, 67'000 Zuschauer besuchten die 50. Filmtage. Damit konnte eine leichte Erhöhung gegenüber der vergangenen Ausgabe (65 456) registriert werden.

Keine Festlaune

Trotz guter Auslastung, starken Filmen und einem erfolgreichen Jubiläumsprogramm - Festlaune wollte nicht so recht aufkommen. Zu hart hatte das letzte Jahr die Schweizer Filmbranche getroffen, einerseits mit schlechten Kinozahlen vieler Schweizer Filme, andererseits mit dem Ausschluss vom Media-Abkommen nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative.

Die 51. Solothurner Filmtage finden vom 21. bis am 28. Januar 2016 statt. (frb/sda)