Petitio

660 Unterschriften für die «Lex Grill» – Kurt Fluri hat «persönlich nichts gegen das Anliegen»

Stadtpräsident Kurt Fluri erhielt die Petitio durch Initiant Chris van den Broeke überreicht. Dieser wurde begleitet von den Unterstützern (v. l.) Martin Flury, Roland Hartmann, Luca Strebel, Franz-Michael Baumgartner und Benjamil Bekni.

Stadtpräsident Kurt Fluri erhielt die Petitio durch Initiant Chris van den Broeke überreicht. Dieser wurde begleitet von den Unterstützern (v. l.) Martin Flury, Roland Hartmann, Luca Strebel, Franz-Michael Baumgartner und Benjamil Bekni.

Am Mittwoch ist die Rekord-«Petitio» mit 660 Unterschriften für die Grillbratwurst draussen an Stadtpräsident Kurt Fluri übergeben worden.

«Eine Bratwurst, die drinnen zubereitet wird, schmeckt genauso gut, wie eine draussen vom Grill. Den Beweis kann ich antreten», entgegnete Stadtpräsident Kurt Fluri einer Besucher-Delegation, der genau dies nicht Wurst ist. Denn seit der Übernahme des «Bistraito» am Märetplatz hat der neue Pächter, «Wirthen»-Geschäftsführer Chris van den Broeke, ein Problem: Von Rechts wegen darf er den Bratwurstgrill draussen nicht mehr weiterführen.

Der vorherige Betreiber, Lionel Privé, hatte das Recht noch bis zum Geschäftsführungswechsel beanspruchen dürfen. Reagiert hatte Chris van den Broeke mit dem neuen Instrument, dass diese Zeitung seit zwei Monaten unzufriedenen Bürgerinnen und Bürgern anbietet: die Petitio. Am 26. Dezember lanciert hatte das Begehren gegen die rigide «Lex Grill» im Nu die Schallmauer von 200 Unterstützern geknackt und lag bald einmal bei mehr als 600 Unterschriften.

Gibt es in Bern auch nicht

Chris van den Broeke fordert, dass das 2010 von der Gemeinderatkommission GRK abgesegnete Reglement über die Nutzung des öffentlichen Raums für Märkte und marktähnliche Nutzungen dahingehend angepasst werden soll, dass es weiterhin möglich sei, an Aussenständen wie am Märetplatz das ganze Jahr grillieren zu dürfen. «Dies ergänzend mit weiteren klar definierten Bewilligungen an ausgesuchten Standorten auf öffentlichem Boden wie der Hafebar oder am Landhausquai und nur mit Gasgrill.»

Diese Idee, quasi «Grill-Lizenzen» für bestimmte Orte im öffentlichen Raum zu vergeben, stiess jedoch an der Anhörung der «Wurst-Delegation» bei Kurt Fluri auf Skepsis: «Dazu fehlen die rechtlichen Kriterien, die man irgendwie festlegen müsste. Die Schwierigkeit ist nur, warum man dem Einen das Grillieren erlaubt und dem anderen nicht. Da kann jeder klagen.» Irgendwann werde dann wohl das Verwaltungsgericht einen Entscheid treffen. Den Einwand aus der der Besucherrunde, das Wurstangebot unter freiem Himmel sei schliesslich auch ein «emotionales Erlebnis», das für eine Stadt wie Solothurn wichtig sei, liess Fluri so nicht gelten: «In Bern unter den Lauben gibt es auch nirgends einen Grill mit Würsten, die dort zubereitet werden.»

«Persönlich habe ich nichts gegen das Anliegen», versicherte der Stadtpräsident weiter. Er werde die Petitio an den Rechtsdienst weiterleiten und «dann werdet ihr wieder von uns hören.» Nach dem Besuch meinte Chris van den Broeke: «Wir haben das Bedürfnis der Bevölkerung nun deponiert. Jetzt warten wir ab, was geschieht – das Ganze ist immerhin ein Anstoss.»

Etwas irritiert war der Petitionär aber durch Fluris unterschwelligen Vorwurf, warum er den Grill nicht in sein aktuell laufendes Baugesuch aufgenommen habe. «Mach ich doch nicht, wenn es ohnehin verboten ist», meinte dazu van den Broeke.

Damit kann vorderhand nur noch Stadtmetzger Ruedi Wälchli ganzjährig draussen Würste und Spiesse vom Grill anbieten. Ausser es sind Anlässe wie das Märetfescht, die Fasnacht oder der Chlausemäret im Gange – an Veranstaltungen greift die «Lex Grill» nämlich nicht durch.

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