Solothurn
60 Jahre Mamfi-Guggemusig: Durchhaltewille behielt stets die Oberhand

Dieses Jahr feiert die Solothurner Mamfi-Guggemusig einen weiteren runden Geburtstag.

Pius Rüegger
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Mamfi-Guggemusig
6 Bilder
2016 wurde mit Regenschutz gefasnächtlet
2015 verkleidete sich die Gugge als Super Mario
Die Mamfi-Guggemusig im 2013

Mamfi-Guggemusig

Oliver Menge

Gegründet am 21. Mai 1957, hat die Mamfi-Guggemusig 60 bewegende und bewegte Jahre hinter sich. Abgekupfert in Basel (!), sorgte der Vorstädter Manfred Kohler an den Umzügen 1947 dafür, dass ein Teil der Vorstadtzunft als Guggenmusik mitlief. Ein Jahr später zum Vorstadtzunft-Ober gewählt, führte sein Doppelmandat zu Spannungen und Irritationen. Entgegen der Haltung des Vorstandes mit einem Angebot einer Statutenänderung war die Abtrennung nicht mehr aufzuhalten. Als Macher und Initiant wurde sein Spitzname «Manfi» zum Namen dieser ersten Solothurner Gugge. Erst durch die umgangssprachliche Verwendung wurde sie später offiziell zur «Mamfi Guggenmusig Solothurn» umbenannt.

Auch in den weiteren Jahren blieben Krisen nicht aus. Doch der Durchhaltewillen behielt Oberhand. Der damalige Ober Iwan Kiefer sah die Mamfi 1970 auf dem Sterbebett. Dank neuer Marschrichtung konnte diese Vereinskrise gemeistert werden. Ein Generationenwechsel setzte im Herbst 1991 mit dem Austritt langjähriger Mitglieder ein. Bis 1996 sank die Zahl Aktiver auf 16. Nach einer weiteren spannungsgeladenen Phase mit der Gefahr einer Spaltung um die Jahrtausendwende erreichte die Mamfi 2003/2004 mit noch 13 Mitgliedern den absoluten Tiefpunkt. Heuer spielen wieder 20 Männer mit. «Seit fünf Jahren sind wir zwischen 20 und 25 Mitglieder mit einem stabilen Gerüst», sagt der aktuelle Ober Michael «Michi» Bühler. «Das gibt so weniger Gruppenbildung und wichtig ist, dass wir so noch in die Beizen kommen», ergänzt der 38-Jährige, seit 1996 dabei.

Geändert hat sich die Mamfi in diesen sechs Jahrzehnten von Grund auf. Sie kam weg von der militärischen Ausrichtung inklusive Marschproben. Auch der musikalische Stil wandelte sich weg von den Oberkrainern zu Dixieland und Blues. «Jetzt spielen wir Arrangements, die einer Stadtmusik gerecht werden», so Bühler. Den letzten Schliff holen sie sich ein Wochenende vor der Fasnacht seit 2001 in einem Trainingslager in Bonndorf im Schwarzwald.

Überzeugende Führungsarbeit

Die Mamfi ist als einzige Guggenmusig Mitglied der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn (UNO) und somit Mitträgerin dieses Kulturgutes. Ihr damaliger Ober Iwan Kiefer wurde am 11. April 1969 als Nicht-Stammzünftler und Guggenmusiker zum Ober-Ober gewählt. Dies bewog die Mamfi, selbst UNO-Mitglied zu werden. Die überzeugende Führungsarbeit von Kiefer wurde am 20. September 1971 mit dem Aufnahmebeschluss gewürdigt.

Selbstverständlich gehört die Mamfi auch der GUSO (Vereinigung Solothurner Guggenmusigen) an und stellt seit 2012 mit Ehrenober Roland Kurz erstmals den Vizemusignarr. Als Stammzunft ist die Mamfi eine reine Männergugge. Um das weibliche Element doch noch einzubringen, liefen bis 1994 drei «Bibelis» als Majoretten mit. Zum 50-Jährigen 2007 konnten nochmals zwei ehemalige «Bibelis» reaktiviert werden.

20-Jähriges: Der Solothuner Komponist Urs Joseph Flury und der damalige Ober Eugen Meier.

20-Jähriges: Der Solothuner Komponist Urs Joseph Flury und der damalige Ober Eugen Meier.

zvg

Schwelgend in Erinnerungen

Seit 1973 ist die Mamfi Mieterin des Kellers an der Hauptgasse 75. Ihr Probelokal haben sie kontinuierlich ausgebaut und für die Fasnacht selbst, während Heso und Märetfest genutzt und untervermietet. «Zwischen Mai und September vermieten wir nicht mehr, weil es heikel geworden ist mit der Nachbarschaft wegen dem Rauchen und dem Geschwätz», bedauert der Paukist. 2000 musste das Fischessen mangels Gästen aufgegeben werden.

Höhepunkt bleibt das Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen. Am 22. Januar 1977 überraschte die Mamfi zusammen mit dem Solothurner Kammerorchester mit einer Komposition von Urs Joseph Flury für Guggenmusik und Orchester – dem «Concerto di carnevale». Ein nicht leichtes Unterfangen, nicht zuletzt wegen den Schränzern, wie der Komponist in einem Begleittext schrieb: «Die Schränzer kommen in einigen bekannten Liedern und Märschen zum Zuge, die grösstenteils eingebürgerte Fasnachtsmelodien sind». «Es war meine spontane Idee mit dem Ziel, dieses Jubiläum mit etwas Einmaligem zu feiern, das ohne grossen Aufwand nicht daneben gehen kann», schwärmt der damalige Ober Eugen Meier immer noch in den höchsten Tönen.

Drei weitere närrische Geburtstagskinder

50 Jahre Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker

Auch die Chrumm-Durm-Sumpf-Chroniker haben ihre Wurzeln in der Vorstadtzunft. Angefressene Wagenbauer wollten nicht wahrhaben, dass nach den Umzügen alles vorbei ist. Am 3. November 1967 gründete eine verschworene Gruppe im damaligen Tea-Room Vorstadt die zunfteigene Guggenmusik. Bis zur Trennung 1974 lief alles doppelspurig, mit Priorität auf dem Wagenbau. Der Ursprung blieb im Namen erhalten. Der «Chrumm-Durm» als Vorstadt-Wahrzeichen wurde mit den närrischen Symphonien verbunden. «Unser Kostüm ist an den Carneval von Venedig angelehnt, weil wir barock an unserem 50. schicker wirken wollen», sagt Präsident Stefan Ruppanner. Der Titel «Ober» ist übrigens dem musikalischen Leiter vorbehalten. (prs)

40 Jahre Stedtli-Gumsle

Zum 40-jährigen Bestehen beschenken sich die «Stedtli-Gumlse» gleich selbst – mit einem Logo sowie einem neuen Fahrzeug und deren Première an den Sonntags-Umzügen. «Damit erhalten die Stedtli-Gumsle einen Wiedererkennungswert», hält Oberin Anna Lehmann fest. Der Gründungsakt fand am 21. November 1977 statt. Die Vorläuferin ist die «Späck- und Bohnezunft», die aus Frauen von Vorstadt-Zünftlern bestand. Heute zählt diese einzige reine Frauen-Wagenbau-Zunft 13 Gumslen, drei «Möchtegärn-Gumsle» (Kandidatinnen) und fünf «Schorniggelis» (Nachwuchs). Laut Ehemaligen, den «Stöckli-Gumslen», war es anfangs nicht immer einfach, aber ihren inzwischen erkämpften Stammplatz lassen sie sich nicht mehr nehmen. (prs)

40 Jahre Ambassadonner

An der Fasnacht 1976 nahmen sich junge Leute vor, aktiv am Narrentreiben teilzunehmen: Gründung der «Ambassadonner-Guggemusig» am 26. März 1977 im Wengia-Keller. Seither können sie in der Typ AG am Ritterquai proben. «Ich ging mit Mitgründer Armin Merz zur Schule», erklärt Kurt Füeg dieses Gastrecht. Die Ambassadonner zelebrieren ihre Musik und das Fasnachtshochgefühl nur zwischen Schmutzigem Donnerstag und Aschermittwoch – ausgiebig. Ihr Sujet ist ein Recycling-Produkt aus dem Vorjahr. «Wegen dem Wetter konnten wir unsere Masken ja nur einmal tragen und da sie nicht wie ein Drachenkopf, sondern wie eine Ente aussahen, haben wir sie ins Motto genommen und angepasst», erklärt Oberin Olivia Fischer. (PRS)

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