«Ich glaube nicht, dass jemals so viele Kleinbrauereien an einem Ort zusammengekommen sind. Das dürfte Schweizer Rekord sein.» Tatsächlich, die Zahlen, die Alex Künzle präsentiert, sind eindrücklich: 55 Brauereien zeigen an 16. Solothurner Biertagen, was sie drauf haben. «Das sind 11 Brauereien mehr als im Vorjahr.» Ein vergrössertes Zelt hinter der Reithalle soll den Ansturm fassen, dazu kommen die Halle selbst und der Biergarten, beide reichlich mit Food-Ständen jeder Geschmacksrichtung bestückt.

13'000 Bier-Fans stürmten Solothurn im Vorjahr, mindestens so viele dürften es an den drei Tagen vom Donnerstag, 26., bis Samstag, 28. April, wieder sein. Neu gibts allerdings zwei Eingänge, um das Schlange stehen zu mildern, neu wird auch die Reithalle mit ihrer langen Bar und 50 Zapfhähnen für die verschiedensten Biere jeden Abend zur Essenszeit mit Ländler- und Blasmusik bespielt.

Doch bis die Eröffnung mit 200 geladenen Gästen und dem Opening-Speak von Kilian Ziegler, Schweizer Meister im Poetry Slam aus Olten, geht es dem Inhaber der Öufi-Brauerei wie einem Künstler, bevor er auf die Bühne muss – «i ha Schiss!»

Das wilde Welschland

«Sie brauen mit allem, was Gott verboten hat. Mit Kaffee, Beeren, ja sogar Knoblauch…» So skizziert Alex Künzle die «Welt des wilden Welschlands» mit den «Rädelsführern» wie der Brasserie Trois Dames und der Brasserie des Franches Montagnes BFM, geführt durch den Bier-Rebellen Jerome Rebetez.

Komplettiert wird der «Craftbeer-Corner» mit zwölf Ständen durch die zwei Tessiner Brauereien aus Stabio und Bioggo. Die Craft-Beer-Szene, aus den USA auch in die Schweiz geschwappt, konzentriere sich längst nicht mehr auf besonders hopfige India Pale Ales (IPA), weiss Künzle, «denn mehr Hopfen geht einfach nicht mehr».

Neu im Trend seien in den USA mit Hanf versetzte Biere ohne den Wirkstoff THC, «ausser in den Hanf-liberalisierten Bundesstaaten, dort gibt es Biere mit THC, vom Schwachstrom bis zu solchem für Freaks, die sich ins Nirwana versetzen wollen.» In Solothurn noch kein Thema, aber die aufgekommenen «sauren» Biere der Craft-Brauer – stark und wild vergoren – gibt es sehr wohl. Alex Künzle glaubt, dass die Innovationen allmählich ausgereizt seien. «Die spezialisierten US-Bier-Journalisten wissen schon bald nicht mehr, was sie noch schreiben sollen.»

Und so sei von den neuesten Trends zu «schimmerndem Bier», sogar versetzt mit Silber- und Goldplättchen die Rede. Nicht unbedingt die Neuheit, angesichts eines «uralten» Likörs wie dem Danziger Goldwasser…

Die Szene lebt

Trotzdem, Bier bleibt ein Thema, nicht nur an den Solothurner Biertagen. Bier-Sommeliers geben ihr Wissen an «Tastings» weiter, vermitteln in «Food pairings», welches Bier zum Essen passt. Und jüngst auf einer Hamburg-Reise der IG unabhängiger Schweizer Brauereien war das «Hopfen-Stopfen» grosses Thema: Dem gebrauten Bier wird eine nachträgliche Gabe an Aroma-Hopfen zugesetzt, welche dem Gerstensaft ein besonders blumiges Bukett verleiht.

Genug Themen also zum Fachsimpeln in der Welt von Lager, Weizen, Bock, Zwickel sowie den obergärig gebrauten Craft-Trendsettern. Und eine Neuheit präsentiert auch die SIOS-Brauereibedarf in Solothurn: die «Hopfensau». Alex Künzle: «Sie sieht ein bisschen aus wie ein Betonmischer – aber man kann damit brauen.»

Viele Kleine sind eine Grösse

Auch wenn mittlerweile mehr als 50 Brauereien in Solothurn aufkreuzen: Eine Marktmacht sind sie kaum. Einige wenige Prozent der schweizweiten Bier-Herstellung vereinen die Biertage-Brauereien auf sich. «Mit unseren 5000 Hektolitern im Jahr brauen wir nur gerade 0,2 Prozent der rund 2,5 Mio. Hektoliter des Schweizer Marktleaders», zieht der «Öufi»-Inhaber einen vielsagenden Vergleich. «Doch weh tun wir den Grossen schon ein bisschen – denn regional können wir es durchaus auf 10 Prozent Marktanteil bringen.» 

Der Bierkonsum in der Schweiz stagniert mit jährlich 57 Litern pro Kopf ohnehin – «doch wenn es uns innovativen Kleinbrauereien nicht gäbe, würde er vielleicht sogar sinken», glaubt Künzle.

Einige grössere Kaliber wie die zuletzt rasant gewachsene Winterthurer Brauerei Doppelleu mit ihrem «Chopfab» und der Neuerwerbung Boxer Bier, die Berner Brauereien Egger oder Felsenau, und natürlich das «Craft-Bier-Versuchslabor» von Feldschlösschen, die Brasserie Valaisanne, sind in Solothurn ebenfalls anzutreffen. Die kleineren, teilweise den «Feierabend-Brauereien» zuzuordnenden Aussteller kommen eher aus der Region (vgl. Kasten).

Und nicht alles funktioniere auch, was braut, sieht Alex Künzle durchaus eine Marktbereinigung am Horizont aufziehen. «Die Anzahl Brauereien wächst zwar weiter an, aber es steht auch schon einiges wieder zum Verkauf», so das Fazit des Fachmannes, der im Jahr 2000 seine Öufi-Brauerei eröffnet und zuletzt massiv ausgebaut hat – unter anderem mit einer eigenen Flaschenabfüllanlage.

Geöffnet: Donnerstag, 26. April, von 16 bis 0.30 Uhr, Freitag, 27. April, von 16 bis 01.30 Uhr, Samstag, 28. April, ab 14 bis 01.30 Uhr. Vorverkauf: Region Solothurn Tourismus, Craft Bier Center Solothurn am Rossmarktplatz, Aare Seeland Mobil Reisezentren in Niederbipp, Roggwil und Langenthal, Öufi-Beiz Solothurn.