Solothurn
500 Personen verabschieden Berner Bankenpionier im Landhaus

Die Berner Kantonalbank BEKB fasste vor 20 Jahren in Solothurn Fuss. Nun wurde Pionier Stefan Gerber offiziell verabschiedet. Einen tiefen Einblick in die US-Wirtschaftswelt vermittelte Jens G. Korte.

Wolfgang Wagmann
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Stefan Gerber wurde von Verwaltungsratspräsidentin Antoinette Hunziker-Ebneter gewürdigt.

Stefan Gerber wurde von Verwaltungsratspräsidentin Antoinette Hunziker-Ebneter gewürdigt.

Wolfgang Wagmann

Letztmals stand er auf der grossen Bühne und «verkaufte» seine BEKB und ihre Dienstleistungen den 500 Kundinnen und Kunden im Landhaussaal. Abende, wie sie Stefan Gerber seit Jahren in Solothurn moderiert, als die Berner Kantonalbank erstmals im Nachbarkanton aufgetaucht war. Zwar bleibt das 61-jährige Mitglied der Geschäftsleitung noch bis Ende Februar an Deck, doch benützte BEKB-Verwaltungsratspräsidentin Antoinette Hunziker-Ebneter schon jetzt die Gelegenheit, die Verdienste von Stefan Gerber zu würdigen und zu verdanken.

Stetig gewachsen

«Im Kanton Solothurn begann er mit zwei Standorten in Grenchen und dann in Solothurn sowie mit einer mobilen Bank in Balsthal und Oensingen.» Gerber, damals durch seine frühere Tätigkeit bei der Kantonalbank und der späteren SoBa mit der Region vertraut, konnte für die «Berner» rasch Terrain erobern: Schon im ersten Jahr hatten sie 3500 neue Kundinnen und Kunden gewonnen. «Heute sind es fünf Standorte mit 32 Angestellten und über 20'000 Kundinnen und Kunden», blickte die Verwaltungsratspräsidentin auf die erfolgreichen Jahrzehnte der Ära Gerber zurück.

«Solothurn ist für uns eine wichtige Region», würdigte sie die Fortschritte, die insbesondere bei der Anlageberatung ständig zu Top-Ratings der Bank geführt hatte. Die Zukunft sei mit Andreas Jordan, Niederlassungsleiter in Solothurn, sowie mit Roger Murbach, Leiter Private Banking – er war seit Anfang in Solothurn dabei – in besten Händen, gab sich Antoinette Hunziker-Ebneter überzeugt. Besonders erwähnte sie auch das Engagement von Stefan Gerber um den BEKB-Familientag, der jeweils am ersten Sonntag im Juni Tausende Eltern und Kinder in die Solothurner Altstadt lockt.

Was Trump alles falsch macht

Zuvor hatte Jens G. Korte das Publikum mit aktuellen Einschätzungen zur globalen Wirtschaftslage in seinen Bann gezogen. Der seit 20 Jahren in New York lebende US-Korrespondent ging zunächst auf das Verhältnis der USA zu China und insbesondere auf den drohenden Wirtschaftskonflikt, angefacht durch Präsident Donald Trump, ein.

«Von einem Wirtschaftskrieg würde ich aber noch nicht sprechen», denn bei den Strafzöllen für chinesische Waren seien die angedrohten 25 Prozent noch nicht Realität. Ohnehin gilt China in Kortes Augen nicht mehr als die «Werkbank der Welt», die nur billige Massengüter produziere. Im Gegenteil: Das Reich der Mitte investiere zusehends in Top-Technologien wie die künstliche Intelligenz. Nicht zuletzt nach dem US-Vorbild getrieben reich gewordene Wirtschaftsführer – «in China gibt es wöchentlich zwei neue Milliardäre.»

Kritisch sieht Korte den amerikanischen Arbeitsmarkt, dem wegen des schlechten Schulsystems qualifizierte, und wegen Trumps Immigrationspolitik gar generell Arbeitskräfte fehlten. «Inzwischen verdient ein Trucker im texanischen Öl-Business 160'000 Dollar im Jahr.» Oder ein anderes Beispiel: Als eine Firma in Wisconsin einen neuen Standort gründete, fehlten für die 30'000 Arbeitsplätze geeignete US-Angestellte - es musste ausgerechnet auf chinesische zurückgegriffen werden.

Zwar sei die Wirtschaftslage in den Staaten hervorragend, «doch die Stimmung im Land ist schlecht». Dazu trage der Präsident massgeblich bei – «er kreiert jeweils ein Problem, gibt dazu eine Lösung bekannt und brüstet sich mit dem Erfolg», so Korte. Gar kein Verständnis zeigte er für Trumps gewaltige Steuererlässe, «die heizen die Konjunktur nur unnötig an». Die Folge: Inflation, Zinserhöhungen und sehr volatile Aktienmärkte – noch während Kortes Vortrag war der Dow Jones Index um mehrere hundert Punkte gefallen.