Peter-Lukas Meier steht vor der Schauwand, wo grossformatige Bilder sich lückenlos orchestriert aneinanderreihen. «I had a Dream» steht als Schriftzug auf einem Werk. Es könnte Meiers Sprechblase sein.

Der geistige Vater des Kunst-Supermarkts blickt 16 Jahre zurück: «Eigentlich folgte auf die Idee der Sprung ins kalte Wasser.» Aber ja: «Dass das Format erfolgreich werden könnte, davon habe ich wirklich geträumt.»

Tatsächlich steckt hinter dem Kunst-Supermarkt ein Erfolgsrezept, an dem es nichts oder nicht viel zu ändern gibt. Und so hält Meier auch beim 16. Mal am bewährten Shoppingkonzept fest: Kunstschaffende aus der Schweiz und aus ganz Europa bieten ihre Werke in gestaffelten Preisen an: zu 99, 199, 399 und 599 Franken.

Knallrote Preisetiketten leiten den Besucherstrom ab Freitag bis zum 10. Januar an Augenweiden, an Ästhetik, aber auch an visuell Verstörendem vorbei. Von 89 Künstlern aus der Schweiz, aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Kroatien werden hier 7593 Werke feilgeboten.

Und das etwas andere Shoppingerlebnis ist gewachsen. Zum Vergleich: Am 15. Kunst-Supermarkt waren es 82 Aussteller mit rund 6000 Bildern, von denen über 3000 über den Ladentisch gingen.

Verkaufsschlager vs. Ladenhüter

Wie im Vorjahr gingen bis Frühling auch für diese Ausgabe um die 500 Bewerbungen ein – entsprechend streng bei der Auswahl waren die «Juroren»: Peter-Lukas Meier sowie Marion Schild aus dem Verkaufsteam, sowie Kunsthistoriker Mario Terés.

Beurteilt werden die Eingaben jeweils nach dem Hintergrund des Künstlers, sowie nach Kriterien der angewandten Technik, der Innovation sowie der Originalität. Für die engere Auswahl bringt Terés sein fachkundiges Urteil zusätzlich ein: Er beurteilt unter anderem, inwiefern das betreffende Werk abgekupfert ist oder eine eigene kreative Leistung darstellt.

Unter dem Strich werde nicht alles, was ihm gefällt, zum Verkaufsschlager, sagt Meier. Umgekehrt bleibe auch nicht alles, was seinem Geschmack zuwiderläuft, in den Regalen liegen.

Und so bleibt für ihn die Betrachtung der Kunst eine subjektive Sache und: «die Verallgemeinerung der Kunstkritik eine unselige Angelegenheit.»

Grundsätzlich geht es Meier und seinem Team vor allem um zweierlei: Vielfalt und Abwechslung. Hier findet sich gegenständliche neben abstrakter Kunst, knallbuntes neben filigranem Schaffen, Pop-Art neben Aquarellen, verspielte Ideen neben geometrischer Klarheit, Ästhetisches neben Symbolträchtigem, sowie Kindsgerechtes fürs Spiel- bis hin zu erotischer Kunst fürs Schlafzimmer.

Und vor allem nichts, das älter als fünf Jahre ist. Man will gezielt keine Werke, die ein Künstler unverkauft auf Lager hat: «Wir sind kein Rest- und Ausverkauf», so Meier.

Von Kunst und Handwerk

«Knapp die Hälfte der Künstler ist neu», sagt Meier zum Credo der Erneuerung. Dass man damit auch bisherigen Künstlern einen Korb gibt, liege deshalb nicht an der Qualität ihrer Arbeiten, sondern am Bestreben, auch neuen oder wiederentdeckten Künstlern eine Plattform zu geben. «Viele abgelehnte Bewerber verstehen das, andere wiederum sind ziemlich beleidigt.»

Mit Meret Bützberger hält heuer auch eine neue Kunstrichtung Einzug in der Rothus-Halle: Die Textilkünstlerin bringt Quilts in die Warenpalette. Wie auch bei anderen Werken soll man auch hier die Frage «Kunst oder Handwerk?» stellen können.

«Es ist oft eine Gratwanderung. Für mich geht aber auch das in Richtung Kunst: Es ist eigenständig, kreativ und transportiert ein Thema.» Gerade das Sinnieren über Kunst und Können, über Werke und ihre Entstehung, soll dieses Mal ebenso neben dem Verkaufsgeschäft möglich sein. «Unsere Künstlerateliers haben sich bewährt», sagt Meier

An 13 Anlässen im Dezember und Januar erhält der Kunstinteressierte die Möglichkeit, den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Infos: www.kunstsupermarkt.ch.

Vernissage: 12. November, 18 Uhr.