Solothurner Fasnacht
50 Jahre «Weihere Schränzer» – und alles begann als Pfarrei-Musiktruppe

Die in Honolulu aktiven Weihere Schränzer aus Riedholz feiern heuer ihr Fünfzigstes. Ihren Ursprung hat die Guggenmusik in der Kirche.

Pius Rüegger
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Zusammen mit Ehemaligen feiern fast 60 Guggenmusikanten das 50-Jahr-Jubiläum der Weihere Schränzer.

Zusammen mit Ehemaligen feiern fast 60 Guggenmusikanten das 50-Jahr-Jubiläum der Weihere Schränzer.

Oliver Menge

Seit 50 Jahren bestehen die Weihere Schränzer Riedholz. Ihr haftete lange der Nimbus einer auswärtigen Gugge an. «Wir galten als Auswärtige, weil wir unsere Wurzeln in Riedholz haben, obwohl wir seit unserer Gründung 1968 aktiv ausschliesslich in Solothurn waren und 1980 mithalfen, die GUSO, die Vereinigung der Solothurner Guggen, zu gründen», entgegnet Ehrenpräsident Thomas Nyffenegger, zudem seit 2005 Präsident dieser GUSO.

Ihr Ursprung ist weder fasnächtlich noch weltlich, sondern kirchlich. Riedholz, römisch-katholisch der Pfarrei St. Niklaus zugehörig, sollte eine Pfarreifanfare erhalten. Der damalige Vikar Josef Rebsamen stattete 1967 eine Handvoll Jugendlicher mit Clairons aus. Inspiriert von der nahen Fasnachtshochburg Solothurn wollte sich diese Gruppe nicht nur religiös betätigen. So beschloss sie, 1968 eine Guggenmusig zu gründen und gab ihr den Namen «Weihere Schränzer» in Anlehnung an das Gebiet «Zu den Weihern».

In den ersten drei Jahren war das Chesslerhemd das Tenü. 1972 durften die Weihere Schränzer erstmals an den grossen Umzügen teilnehmen. «Wir waren fasnächtlich nie aktiv in Riedholz und machen auch keine Hilari-Proklamation im Dorf. Unsere Aktivitäten sind seit eh und je nach Solothurn ausgerichtet», berichtet der seit Frühling 2016 amtierende Präsident Michael Ischi, übrigens im Dorfteil Niederwil ansässig. So kennen die Weihere Schränzer auch kein fixes Stammlokal.

Die Weihere Schränzer 2018 am Fasnachtsumzug Solothurn
21 Bilder
2018 ist ein goldiges Jahr «venezianisch düe mir rundum honolulu schränze, sit 50 johr kenne mir kenni gränze»
2017: «Steampunker si mir hür, das isch dr Hit. Chunsch ou mit id Retro-Zyt?»
2016: «Hakuna matata»
Da mussten die Regenmäntelchen mit
So kamen die Weihere Schränzer 2015 daher «Ob Maa oder Frau, me weiss es nid so gnau!»
2015
2014 als Phoenix «Mir si nid dr Vogu-Struss. "Avanti Fenici" chunsch drus?»
2013 ganz in blau zum 45-Jährigen «das finge mir dr Hit. sit 45 Johr spiele d'Weihere Schränzer mit»
Der Taktgeber der Mystiker-Weihere Schränzer 2012 «E Mystiker isch chlei anders und skuril. s'passt zu üs... drum säge mir nüm viel»
2011: «Zum Tüufu mit däm Tüufu, Füur und Flämmli das si mir nämmli.»
2010 «Die fixi Nixe nimmt di mit id Irrwäut»
2009 «s'Gnömli gfunge, drus e Fründschaft gwunne, usem Stadtwaud isch äs cho, jetz isch äs do »
2008 «Mir frohlocke - düe sit 40 Johr rocke...»
2007 «Nid dr letscht Mohykaner, Nei e Horde Indianer.»
2006 unter dem Motto Ostorientalisch «Uf em Teppich si mir cho z'flüüge vom Oriänt uf Honolulu, ohni z'lüüge»
2005 «Mit chli Zauber und Magie si ou mir pünktlich derbi»
2004: «Summ Summ Späider» Fasnacht 2004: Umzug Solothurn Sonntag Weihere Schraenzer Solothurn © Oliver Menge Pressefotograf BR
Als «Füürigi Sieche» feiern Weihere Schränzer 2003 ihr 35-Jahr-Jubiläum «Jupi mir hei 35-Jöhrli Jubi. drichi-druchi-drachi fräch und fürig si mir au no hürig»
2003
2002 als Italiano «Comme tü wö - come voi. Mir mache was mir wöi. Come stai, quattro, cinque, sei»

Die Weihere Schränzer 2018 am Fasnachtsumzug Solothurn

Oliver Menge

Stetiger erfreulicher Zuwachs

Machten 1972 25 Personen am ersten Umzug mit, wuchs die Zahl auf 30 bis 40 an. Nicht ganz die Jubiläumszahl 50 erreichen die Weihere Schränzer in ihrem Jubeljahr – es sind «nur» deren 49. Dafür kommen neun Ehemalige dazu. «Wir haben 60 Ehemalige angeschrieben und einer nimmt sogar drei Wochen Ferien und reist aus Chicago an», freut sich Ischi. Bei einem Durchschnittsalter von 24 Jahren weist das jüngste Mitglied Jahrgang 2001 aus, während der Älteste 1959 geboren wurde.

Das Einzugsgebiet umfasst Solothurn, Lebern, Wasseramt und Bucheggberg. Die Weihere Schränzer kennen kein Aufnahmeritual. Nach einem Jahr im Provisorium erfolgt die Aufnahme an der Frühlings-Generalversammlung. «Aufgrund einer kreativen Bewerbung, um die fasnächtliche Ader zu testen», so Thomas Nyffenegger. Ihr Fasnachtstreiben finanziert die Gugge dank Gönnern, Hilari-Party, Mithilfe an Festen und Vereinsanlässen wie mit der Bändeliverteilung am Märetfescht.

Musikalisch bewegt sie sich zwischen Gassenhauern, Stimmungsmusik, Pop, Rock und Jazz. «Heute arbeiten wir mit Noten und Partituren, und unser Repertoire umfasst 27 Stücke», berichtet Ischi, der die erste Trompete spielt. Jedes Jahr kommen drei bis fünf Stücke dazu, während ein, zwei wegfallen. «Wir bekennen uns als Gassen-Gugge, denn bei unserer Grösse kann nur ein Drittel in eine Beiz, es sei denn der Durst oder das Wetter zwingen uns dazu», sagt der weiterhin aktive Schlagzeuger Nyffenegger. Geprobt wird jedoch in Riedholz – in der Werkhalle des Wallierhofs.

950 Narren jubilierten mit

Die Kostüme nähen die Weihere Schränzer selbst. Lange haben sie die Masken auch selbst gemacht. «Seit letztem Jahr stellen wir verschiedene Mottos zur Auswahl an der Frühlings-Generalversammlung vor. Unser Kreativteam macht die Umsetzung selbständig und präsentiert diese an der Herbst-GV. Wir stimmen nur über das Motto ab», erläutert Nyffenegger das jeweilig übliche Vorgehen.

Weil die Weihere Schränzer ihre Jubiläumsfeier mit ihrer in Riedholz organisierten Hilari-Party verbanden, zügelten sie in die Reithalle Solothurn. «Mit zwei Guggen aus Basel mit 250 Musizierenden und weil wir mit den Fasnächtlern feiern wollten, wechselten wir», begründet Nyffenegger, diesmal als OK-Präsident. Insgesamt feierten 950 Närrinnen und Narren. Zum Jubiläum haben die Weihere Schränzer in Anlehnung an das Öuferli der UNO einen speziellen Gönner kreiert. Zudem wurde für die Mitglieder ein eigener Pin geschaffen. «Bis 10 Jahre Mitglied ist er grau, ab 10 bronzig, ab 20 silbrig und ab 30 goldig», merkt Nyffenegger an.

Einmalig wird das Andenken ans Jubiläum. «Wir gehen nach der Fasnacht in ein Tonstudio, und diese CD wird der Gönner 2019», schiebt der Ehrenpräsident nach. Abgerundet wird das Jubeljahr mit einer dreitägigen Reise vom 7. bis 9. September mit geheim gehaltenem Ziel und Programm.