Quartierladen

45 Jahre täglich um 2 Uhr aufstehen - jetzt kann er endlich ausschlafen

Heinz Hofer hört am 1. Dezember auf.

Heinz Hofer hört am 1. Dezember auf.

Die Bäckerei Hofer an der Weissensteinstrasse schliesst nach über 100 Jahren im Geschäft. «Das ist ein komisches Gefühl», sagt Heinz Hofer, während er frischen Brotteig in den Ofen schiebt. Er war 45 Jahre täglich in der Backstube.

Am Mittag des 1. Dezember wird Heinz Hofer die Tür seiner Bäckerei abschliessen und damit ein Kapitel Quartiergeschichte beenden. Während knapp 110 Jahren verkaufte die Familie Hofer an der Weissensteinstrasse 82 Brot. Heinz Hofer feierte kürzlich seinen 65. Geburtstag, seine Töchter sind beide Lehrerinnen und waren nie an der Backstube interessiert. Die Ära Hofer ist vorbei.

«Das ist ein komisches Gefühl», sagt Heinz Hofer, während er frischen Brotteig in den Ofen schiebt. Sein Grossvater Herrmann habe das Haus an der Weissensteinstrasse im Jahr 1902 zu bauen begonnen und kurz darauf die Bäckerei in Betrieb genommen. Drei Jahre später bewarb sich der Grossvater für den Auftrag, an die nahe psychiatrische Klinik Brot liefern zu dürfen. 22,5 Rappen verlangte er für das Kilo Brot, sein nächster Konkurrent wollte 23 Rappen – so kam die Familie Hofer zu ihrem ersten Grosskunden.

1940 übernahm Herrmanns Sohn, der ebenfalls Herrmann hiess, und 1980 dessen Sohn Heinz das Geschäft an der Weissensteinstrasse.

45 Jahre täglich in der Backstube

Für Heinz Hofer war früh klar, dass auch er Bäcker werden würde: «Man kannte damals nichts anderes.» Nach der Lehre ging er in die Rekrutenschule, wo er ebenfalls Bäcker war, und arbeitete danach als Angestellter drei Jahre lang in verschiedenen Bäckereien, ehe er Vaters Produktion von Weggli, Mütschli, Gipfeli, Berlinern und Nussgipfeln übernahm.

In den folgenden 45 Jahren stand er jeden Tag in der Backstube, auch samstags und sonntags. «Das kann einen schon ausbrennen», sagt Hofer. Jeden Morgen steht er um 2 Uhr auf. Das Ausschlafen hat er aber nicht verlernt: «In den Ferien dauert es jeweils ein oder zwei Tage und ich habe den gleichen Rhythmus wie jeder andere.»

Trotz des komischen Gefühls, die Familientradition aufzulösen, habe das auch positive Seiten: «Es ist schön, dass der Druck weg ist.» Jetzt sei es Zeit, seine Pension zu geniessen, in den Jura wandern zu gehen und einmal pro Jahr an der HESO bei der Bäckerei auszuhelfen. «Das sind ja nur zehn Tage pro Jahr», sagt Hofer. Bevor es so weit ist, dauert es allerdings noch bis Anfang Dezember. Und im letzten Monat bis zum Jahresende wird Hofer weiterhin seine Grosskunden wie Altersheim und Kantonsschule beliefern, bis die Mehlbestände aufgebraucht sind. «Und Ende Jahr ist dann definitiv Schluss.»

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