Statistik
382 gestohlene Velos in einem Jahr: Solothurn gilt als Eldorado des Veloklaus

Die Statistik belegt glasklar: Wo viele Velos herumstehen, macht die Gelegenheit Diebe. Das Bundesamt für Statistik zählte im Jahr 2017 rund 382 gestohlene Zweiräder in der Stadt Solothurn.

Andreas Kaufmann
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Die Stadt Solothurn ist eine Hochburg des Velodiebstahls
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Der Hauptbahnhof gehört zum hauptsächlichen Beuteschema für den Veloklau.
Um sein Velo so gut wie möglich vor Langfingern zu schützen, rät die Kapo, eingängige Sicherheitstechniken zu benützen.
Des Weiteren wird geraten, das Velo an einen im Boden verankerten Gegenstand befestigen.

Die Stadt Solothurn ist eine Hochburg des Velodiebstahls

Wolfgang Wagmann

Jedem erstmaligen Besucher wird beim Gang durch die Bahnhofsunterführung und beim Anblick der endlosen Fahrrad-Reihen klar: Solothurn muss eine Velostadt sein. Doch es gibt eine Kehrseite zu dieser Feststellung: Gelegenheit macht Diebe. Tatsächlich radelt Solothurn dem Rest der Schweiz nämlich nicht nur in Sachen Zweirad-Leidenschaft davon. Einsame Spitze ist die Stadt auch, wenn es um Velodiebstähle geht.

22,9 Delikte pro 1000 Einwohner – oder absolut: 382 gestohlene Zweiräder – zählte im Jahr 2017 das Bundesamt für Statistik, das die jeweiligen Tatorte nach politischen Bezirken aufschlüsselt und Solothurn somit als Stadtbezirk auflistet. Von der Zahl ausgenommen sind Motorfahrräder mit Elektromotor (E-Bikes). Diese machten im vergangenen Jahr 1,2 Delikte pro 1000 Einwohner aus – in absoluten Zahlen: 20 E-Bikes.

Sicherer Bucheggberg

Weit «abgeschlagen» auf dem zweiten Rang der unrühmlichen Liste aller Velodiebstähle liegt der Kanton Basel-Stadt mit 13,1 Delikten, gefolgt von Biel mit 8,7 Delikten. Der Schweizer Mittelwert liegt indes bei 4,2. Als nächste Solothurner Bezirke finden sich Olten und Wasseramt (je 5,3 Delikte).

Kaum um Langfinger besorgt sein muss man hingegen im Bucheggberg, wo auf 1000 Einwohner lediglich 1,5 Fahrraddiebstähle kommen. Natürlich ist die Statistik insofern zu relativieren, da die Stadt Solothurn in der Statistik als Bezirk aufgeführt ist, während der zweitplatzierte Bezirk Basel-Stadt auch noch Riehen und das ländliche Bettingen umfasst. So ist anzunehmen, dass ländliche Gemeinden einen Bezirks-Mittelwert tendenziell eher herabsetzen.

Viermal beklaut

Den subjektiven Eindruck, dass Velos in Solothurn begehrtes Diebesgut sind, bestätigt Ständerat Pirmin Bischof – getroffen im Hauptbahnhof: «Schon viermal wurde mir mein Velo gestohlen.» Die fahrbaren Untersätze waren teilweise auffällig in CVP-Orange gehalten, was offenbar schwarze Schafe anlockt. (ww)

«Mit Vorsicht zu geniessen»

«Die Zahl ist mit Vorsicht zu geniessen», sagt deshalb auch Astrid Bucher, Mediensprecherin bei der Kantonspolizei Solothurn. «Für einen aussagekräftigen Vergleich sollte die Stadt Solothurn mit einzelnen Gemeinden verglichen werden.» Aber auch unter diesem Vorbehalt bleibt die Solothurner Deliktquote auffällig hoch.

Nun haben weder die Kantonspolizei noch die Stadtpolizei unter Peter Fedeli eine Erklärung für die Veloklau-Hochburg Solothurn. «Da in der vorliegenden Statistik die direkten Vergleiche mit anderen Städten – wie beispielsweise Grenchen oder Olten – fehlen, lassen sich mögliche Erklärungen nur schwer kommentieren», sagt Bucher.

Bahnhöfe als Haupt-Tatort

Fest steht, dass laut Astrid Bucher die Delikte über das ganze Stadtgebiet von Solothurn verteilt registriert werden.. «Vermehrt finden sich die Tatorte aber in der Region des Haupt- und des Westbahnhofs.» Gezählt werden übrigens nicht nur im öffentlichen Raum entwendete Zweiräder, sondern auch all jene, die bei Einbrüchen in privaten Gebäuden oder auch in Velofachgeschäften abhandenkommen.

Klare Zunahmetendenzen bei den Diebstählen lassen sich indes nicht feststellen: In den vergangenen fünf Jahren lag die Quote an Straftaten verhältnismässig konstant bei 20 und 23 Delikten pro 1000 Einwohner. Aufgeklärt werden konnten im vergangenen Jahr lediglich 1,6 Prozent oder sechs Straftaten. Rund 170 Fahrräder wurden im letzten Jahr auf dem Stadtgebiet aufgefunden – wobei es sich dabei nicht zwingend um gestohlene Velos handeln muss.

Wie Peter Fedeli nun informiert, gelangt von den aufgefundenen Fahrzeugen jeweils lediglich ein kleiner Anteil zu seiner ursprünglichen Besitzerin oder dem Besitzer zurück. Seitdem nämlich die obligatorischen Velokennzeichen abgeschafft worden sind, lässt sich ein Velo nur dann noch eindeutig seinem Eigentümer zuordnen, wenn dieser sich vorgängig die Rahmennummer aufnotiert hat. «Wenn jemand diese aber nicht aufgeschrieben hat, kann er auch keine Anzeige erstatten», erklärt Fedeli.

Alle dann immer noch herrenlosen Fahrräder werden en bloc weiterverwertet, informiert der Stapo-Kommandant: «Sie werden beispielsweise an die Regiomech oder einen regionalen Velohändler verkauft.»

Den Langfingern zuvorkommen

Wie Astrid Bucher von der Kantonspolizei betont, ist für die Sicherung des Velos prinzipiell dessen Besitzer verantwortlich. «Wir raten eingängige Sicherheitstechnik zu verwenden.»

Ausserdem arbeite man eng mit der Schweizerischen Kriminalprävention SKPPSC zusammen, die einige Tipps parat hält. Doch wie bleibt der eigene «Göppel» am besten von Langfingern verschont?

- Das Velo mit einem geprüften Sicherheitsschloss sichern;

- das Velo an einen im Boden verankerten Gegenstand befestigen, und zwar so, dass es nicht ausgefädelt und davongetragen werden kann

- oder: Velos in Gruppen zusammenschliessen;das Fahrzeug nach Möglichkeit in einem geschlossenen Raum aufbewahren;

- das Velo auch dann sichern, wenn es auf dem Autodach oder am Autoheck transportiert wird

- Rahmennummer, Marke und Farbe des Velos notieren

- die Dienstleistungen von Anbietern wie www.veloregister.ch oder www.velofinder.ch in Anspruch nehmen (ak)

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