Solothurn
377 Kilometer mit dem Bike: Warum dieser 9.-Klässler die Schweiz durchqueren will

Als Abschlussprojekt hat sich der Solothurner Neuntklässler Yannick Schadebach etwas Sportliches und Abenteuerliches zugleich ausgedacht: In maximal vier Tagen will er vom nördlichsten zum südlichsten Punkt der Schweiz fahren – und das mit dem Velo.

Alexandra Just
Drucken
Teilen
Yannick Schadebach posiert mit seinem geliebten Velo.

Yannick Schadebach posiert mit seinem geliebten Velo.

Zur Verfügung gestellt

«Es sollte ein Erlebnis, eine Challenge sein – auf jeden Fall nichts Langweiliges», so der 16-jährige Yannick Schadebach. Der Neuntklässler aus Solothurn erzählt von seinem Abschlussprojekt. Dieses besteht aus einem Fahrrad, einer 377 Kilometer langen Route sowie einem Zeitplan von maximal vier Tagen. Der Teenager, der das Schulhaus Kollegium in der Solothurner Altstadt besucht, hat sich als Ziel gesetzt, die Schweiz von Nord nach Süd zu durchqueren – und das mit seinem geliebten Mountainbike. Eine nicht nur sportliche, sondern auch abenteuerliche Idee.

Als Schadebach vor ziemlich genau einem Jahr den Vorträgen der damaligen Schulabsolventen lauschte, hinterliess eine bestimmte Abschlussarbeit mächtigen Eindruck auf den Sportbegeisterten. Im Namen der Schule pedalte der besagte Absolvent nämlich einmal um den Bielersee – eine Strecke von etwa 43 Kilometer. In diesem Moment sei ihm klar gewesen, dass er unbedingt «auch so etwas» machen wollte, erinnert sich Schadebach. Mit «auch so etwas» meint der angefressene Biker zwar ebenfalls eine Velotour, allerdings eine, die weit mehr als 43 Kilometer misst. «Es sollte eben eine richtige Challenge sein», wiederholt Schadebach verschmitzt. Und so wuchs in ihm die Idee, anstatt um einen See, lieber quer durch die ganze Schweiz zu radeln.

Hundert Kilometer pro Tag

«Begeistert», antwortet der 16-Jährige prompt, als er nach der Reaktion seiner Lehrer auf diese ehrgeizige Idee gefragt wird. Eine Bedingung stellte die Lehrerschaft aber dennoch – und zwar in Form einer Begleitperson. «Auch für mich war es die Grundvoraussetzung, dass Yannick in Begleitung eines Erwachsenen fährt», schaltet sich Dominique Schadebach als fürsorgliche Mutter an dieser Stelle ins Gespräch ein. Ihr Sohn hat dafür Verständnis: «Zum ersten Mal eine so lange Strecke fahren und das noch alleine – das wäre zu viel auf einmal gewesen.» So macht sich Schadebach also zusammen mit einem Familienfreund am Freitag, dem 13. April, auf die selbstständig geplante Tour.

Um auch körperlich so gut wie nur möglich auf dieses Vorhaben vorbereitet zu sein, legte Schadebach seit seiner Entschlussfassung zusätzliche Trainingsstunden ein. Jeweils zweimal unter der Woche sowie einmal am Wochenende trat er in die Pedale. Neben all dem Treten, kickt der sportaffine auch noch auf dem Fussballfeld und jagt - wenn die Zeit reicht - auf dem Tennisplatz den Bällen hinterher. Um ungenügende Kondition braucht sich Schadebach daher wohl keine Sorgen zu machen.

Routenplan: Yannick Schadebach hat sich für sein Vorhaben zwei Routen herausgesucht. Er hat sich dann für die östlichere Strecke entschieden, da diese nicht über den Gotthard führt. 

Routenplan: Yannick Schadebach hat sich für sein Vorhaben zwei Routen herausgesucht. Er hat sich dann für die östlichere Strecke entschieden, da diese nicht über den Gotthard führt. 

Zur Verfügung gestellt

Startpunkt der Velotour ist die Schaffhauser Gemeinde Bargen, die den nördlichsten Punkt der Schweiz markiert. Danach folgt das Velo-Duo dem Bodensee bis zur St. Galler Stadt Rorschach, wo der Obenstufenschüler den ersten Etappenstopp eingezeichnet hat. «Unser Ziel ist es, täglich hundert Kilometer zu fahren», klärt Schadebach auf. Aber das könne je nach Routenabschnitt variieren, relativiert dieser seine Aussage noch im selben Atemzug. Wegen dieser Vagheit hat der 16-Jährige, obschon er alle in Frage kommenden Herbergen herausgesucht hat, noch bei keiner einzigen davon eine Übernachtung gebucht. «Wir werden spontan gucken müssen, je nachdem wie weit wir kommen – und sonst schlafen wir halt bei einem Bauer im Heu», meint Yannick Schadebach dazu nur lässig.

Angesichts des knappen Budgets, welches die Projetkler von der Schule erhalten, wäre diese Option sogar sehr naheliegend. Denn mit 30 Franken pro Nase erweist sich die Finanzierung dreier Übernachtungen sowie des einen oder anderen Verpflegungshalts als handfeste Herausforderung. Doch hierbei wusste sich Schadebach schnell zu helfen. Mit einem selbst gestalteten Flyer mit dem Aufdruck «Yannick on Tour» suchte er im Vorfeld nach zahlungswilligen Sponsoren. Gepäckständer, Satteltasche, Schlafunterkünfte, Velokleidung und Ersatzschläuche – fein säuberlich listete der Hobby-Velofahrer in seinem Faltblatt auf, wofür er alles finanzielle Unterstützung benötigte.

«Ich bin jetzt schon nervös»

Südlicher als Chiasso geht’s in der Schweiz nicht und aus diesem Grund endet dort auch Schadebachs Projekttour. Auf der langen Strecke zwischen Bargen und der Tessiner Gemeinde gibt es nur einen Abschnitt, in welchem er und sein Begleiter von ihren Rädern steigen. Diesen Teil hat Schadebach auf der Karte pink eingefärbt und wird im Allgemeinen San Bernardino genannt. «Die Pass-Strasse ist im Moment noch gesperrt, daher müssen wir dort die öffentlichen Verkehrsmittel benützen», erklärt Schadebach etwas enttäuscht.

Ansonsten können dem Neuntklässler weder mögliche Aussichten auf schlechtes Wetter noch die Vorstellung von schmerzendem Muskelkater die Freude auf sein bevorstehendes Abenteuer nehmen. Ganz sorgenfrei ist Schadebach aber trotzdem nicht: «Ich bin jetzt schon nervös, wenn ich an die Präsentation meiner Abschlussarbeit denke», gesteht er. In einem Vortrag muss er Ende Mai sowohl der eigenen Klasse, wie auch der gesamten achten Klasse und allen interessierten Eltern von seinem durchgeführten Projekt berichten. Doch wer weiss? Vielleicht kann auch Yannick Schadebach den einen oder anderen Schüler für deren Abschlussprojekte inspirieren.

Aktuelle Nachrichten