Solothurn
360 Jubiläumspaare: ein Festtag für die «Goldenen» in der Kathedrale St. Urs und Viktor

Das Bistum Basel lud 360 Jubiläumspaare zu einem Festgottesdienst und Kaffee und Kuchen ein. Bischof Felix Gmür segnete die Paare und dankte ihnen für die Treue.

Lara Enggist
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Bischof Felix Gmür segnet die 360 «goldenen» Paare: «Die Liebe aus Wohlwollen ist die Liebe, die eine Ehe trägt».

Bischof Felix Gmür segnet die 360 «goldenen» Paare: «Die Liebe aus Wohlwollen ist die Liebe, die eine Ehe trägt».

Hansjörg Sahli

Ein kraftvolles «Halleluja» hallte am Samstag durch die Kathedrale St. Urs und Viktor in Solothurn. Die Bänke waren bis zum letzten Platz besetzt. Bischof Felix Gmür feiert mit 1100 Personen einen Festgottesdienst, davon waren 360 «goldene» Paare.

«Es fällt mir leicht, über die Liebe zu sprechen, wenn ich all die Jubilare hier sitzen sehe», sagte der Bischof. Er sprach von zwei Arten der Liebe, welche schon die frühen Philosophen unterschieden haben sollen: die Liebe aus Begehren und diejenige aus Wohlwollen. «Wenn man davon spricht, dass man die Aussicht vom Pilatus liebt, dann ist das die Liebe aus Begehren», sagte der Bischof mit einem Augenzwinkern. Es sei die Liebe, die uns zu Freude und Lust führe. Sie sei überhaupt nichts Schlechtes und eine Form der menschlichen Liebe. «Aber sie ist nicht alles.»

Rosmarie (79) und Adriano (78) Zanoni aus Aesch (BL) «Dieses Fest bedeutet uns sehr viel. Wir empfinden grosse Dankbarkeit, dass wir so lange zusammen leben durften. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dies mit so vielen ‹goldenen› Paaren zu feiern. Die Ehe macht ausgeglichen und man ist nicht alleine. Wichtig sind zwei Dinge: die Achtung voreinander und die Fähigkeit, zu verzeihen. Die Achtung ist der tragende Faktor einer Ehe und das Verzeihen ist wichtig bei Auseinandersetzungen. Das sind die Grundlagen für die Liebe. Was uns aber verbindet, sind die Herausforderungen.»
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Raphael (74) und Pia (73) Schaad aus Stüsslingen (SO) «Wir glauben, dass Toleranz in einer glücklichen Ehe sehr wichtig ist – den anderen annehmen, wie er ist. Dabei muss man nicht immer alles gemeinsam machen. Wir haben zum Beispiel ganz unterschiedliche Hobbys und das stimmt für uns beide. Das schöne an einer Ehe ist, dass man sich an einem Ort zu Hause fühlt und mit jemandem über alles diskutieren kann. Wir gehen gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen und halten immer an den guten und schönen Dingen fest. Weniger Schönes tragen wir zusammen.»
Marlies (91) und Peter (79) Abendroth aus St. Erhard (LU) «Die Ehe ist ein bisschen wie eine anspruchsvolle Wanderung. Es gibt steile Abschnitte – aber auch schöne Picknickplätze. Auf dem Weg muss man die Schritte einander anpassen. Das Wichtigste ist, dass man etwas zusammen unternimmt und miteinander redet. Wir reisen viel, pflegen Freundschaften und manchmal trinken wir ein gutes Schlückchen Wein zusammen. Kurz gesagt: wir zelebrieren das Leben. Die goldene Hochzeit mit so vielen Menschen zu feiern ist wunderbar. Als wir alle in der Kirche vereint waren, spürte man eine geballte Kraft.»
Irena (76) und Thaddäus (81) Achermann aus Rothenburg (LU) «Ob verheiratet sein glücklich macht? Ja, unbedingt. Die Ehe ist sehr empfehlenswert. Wir haben uns vor unserer Hochzeit nur ein halbes Jahr gekannt. Es hat einfach gepasst – und das tut es heute noch. Uns hält das gegenseitige Vertrauen, der Humor und natürlich die Liebe zusammen. Auch gewisse Freiheiten sollte man sich lassen und stets das Positive im Leben sehen. Ein Geheimrezept für eine glückliche Ehe gibt es nicht. Aber jemand hat uns vor unserer Hochzeit den Tipp gegeben: Manchmal ist es besser, nichts zu sagen.»

Rosmarie (79) und Adriano (78) Zanoni aus Aesch (BL) «Dieses Fest bedeutet uns sehr viel. Wir empfinden grosse Dankbarkeit, dass wir so lange zusammen leben durften. Es ist ein unglaubliches Gefühl, dies mit so vielen ‹goldenen› Paaren zu feiern. Die Ehe macht ausgeglichen und man ist nicht alleine. Wichtig sind zwei Dinge: die Achtung voreinander und die Fähigkeit, zu verzeihen. Die Achtung ist der tragende Faktor einer Ehe und das Verzeihen ist wichtig bei Auseinandersetzungen. Das sind die Grundlagen für die Liebe. Was uns aber verbindet, sind die Herausforderungen.»

Solothurner Zeitung

Die Liebe aus Wohlwollen hingegen sei die auf einen Menschen gerichtete Liebe, die wir schenken können, weil sie im Überfluss in uns sei. Man solle das Leben auch geniessen, «aber die Liebe aus Wohlwollen ist diejenige, welche eine Ehe trägt». Der Bischof dankte den Paaren dafür, dass sie treu und mit wohlwollender Liebe durchgehalten haben und segnete sie. Die Paare hatten die Gelegenheit, ihr Eheversprechen zu erneuern.

Austausch bei Kaffe und Kuchen

Im zweiten Teil der Feier stand das gemeinsame Mahl im Zentrum, das die Jubilaren untereinander verbinden sollte. Mit einem Extrabus oder zu Fuss suchten die Feiernden die Kantonsschule auf. Dort wartete ein vom Bistum Basel offeriertes und ausgiebiges Buffet mit Kaffee und Kuchen. Die Jubelpaare aus allen Teilen des Bistums Basel hatten so die Gelegenheit, sich auszutauschen, gegenseitig zu beglückwünschen und die Feier mit anderen «goldenen» Paaren zu teilen.

«Ich bin überrascht. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele «goldene» Paare gibt», sagte eine Besucherin überwältigt. Viele Jubiläumspaare waren noch völlig ergriffen vom Gottesdienst. «Diese Kraft und Liebe zu spüren, die während der Segnung zusammenkamen – das war ein unglaubliches Gefühl», sagte etwa eine Jubilarin. Sie sei sehr dankbar dafür, dass sie diesen Moment mit Menschen erleben durfte, welche die selben Werthaltungen teilen wie sie. «Das macht auch Mut.»

Grund zum feiern und danken

«Dass ein Paar auf 50 gemeinsame Jahre zurückblicken kann, ist überhaupt nicht selbstverständlich», sagt Barbara Kückelmann, Pastoralverantwortliche des Bistums Basel. Die Paare zeigten damit, dass sie ihr Eheversprechen ernst genommen und immer wieder Wege miteinander gesucht haben, durch viele Höhen und Tiefen. «Das ist wirklich ein Grund zum Feiern und zum Danken.» Ins Leben gerufen hat die Feier der frühere Bischof und heutige Kardinal Kurt Koch.

«Wir wünschen uns, dass sich die Jubilarinnen und Jubilare mit neuer Kraft aufgeladen und auf ihrem weiteren Weg von der Kirche begleitet fühlen», so Barbara Kückelmann.