Wer in den letzten 16 Jahren im August einmal auf der Krummturmschanze zu Besuch war, wird sich wohl noch heute daran erinnern. Dann nämlich finden jeweils die Solothurner Sommerfilme statt. Beinahe magisch ist das Ambiente inmitten von alten Bäumen und eines Wehrturmes, der selbst filmreife Geschichten erzählen könnte.

Die Sommerfilme gewinnen von Jahr zu Jahr an Beliebtheit und erreichten im letzten Jahr mit 2700 Besuchern einen neuen Rekord. «Das Sommerkino steht und fällt mit dem Wetter», bilanziert Eva Gauch, Betriebsleiterin vom Alten Spital.

Konzept: Keine Blockbuster

Bei der Filmauswahl gilt wie eh und je: No Hollywood! «Wir wollen keine Blockbuster. Die würden uns zwar vielleicht die Kassen klingeln lassen, aber unser Augenmerk liegt auf den Inhalten», sagt Gauch. Ein Film dürfe schon Mainstream sein, aber im positiven Sinne. «Die Filme sollen eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen, aber eine gute Geschichte haben.»

Ein guter Mix, das heisst: verschiedene Genres und Produktionen aus verschiedenen Ländern. «Ein französischer Film hat eine andere Bildsprache als beispielsweise ein Nordischer.» Auch wegen der Ambiance auf der Krummturmschanze würden sich eher solche Filme anbieten. «Wir sind halt eher das ‹fine, chline, spezielle Summerchino›», sagt Gauch.

Breites Spektrum der Filme

Ein Blick ins Filmprogramm zeigt, was Gauch meint. Da wäre der schottische Milieustudien-Film «The Angels’ Share» mit einer guten Prise englischem Humor. Der junge Robbie kommt stets mit dem Gesetz in Konflikt und wird darum zu gemeinnütziger Arbeit verknurrt und lernt so drei ihm ähnliche Typen kennen. Die Vier wollen anschliessend ein Fass des teuersten Single Malt Whiskys der Welt klauen, weil so ihre Zukunft finanziell gesichert wäre.

Oder der Film «Wadjda», in dem sich das zehnjährige Mädchen ein Fahrrad wünscht. Das Problem: Sie lebt in Saudi-Arabien, und dort dürfen Frauen weder Velo fahren noch andere Fahrzeuge lenken. Der Film ist eine berührende Geschichte über Emanzipation und gesellschaftliche Zwänge.

«Klang im Ohr»

Die Filme werden alle in Originalsprache gezeigt, mit Untertiteln. «Das schätzen unsere Besucher sehr. Man hat einen Klang im Ohr, der mit dem Bild übereinstimmt», sagt Gauch. Als Beispiel nennt sie «The Angels’ Share». Der schottische Akzent sei schwer zu verstehen, auch wenn man gut Englisch könne, aber man habe eben den Klang im Ohr, «das verschafft dem Film mehr Inhalt.»

Ausgewählt werden die Streifen von einem fünfköpfigen Team. Die Jüngste in der Gruppe sei Mitte 20 und der Älteste im Gremium gehe gegen die 70 Jahre. «Wir haben also auch dort einen guten Mix», sagt Gauch zufrieden. Jeder bringe eine ganze Liste Vorschläge und dann werde aussortiert und diskutiert und wieder aussortiert und, und, und. . . «Es dauert etwa zwei Wochen, bis wir das effektive Programm zusammenhaben. Am Schluss spielt auch viel Bauchgefühl mit.»

Zum ersten Mal digital

Auch wenn vieles beim Alten bleibt, eine grosse Veränderung wird es dennoch geben, auch wenn die Besucher davon wohl nicht viel mitbekommen werden. «Die Zeiten der 35-Millimeter-Filmrolle sind vorbei. Künftig werden die Filme mit einem digitalen Projektionssystem projiziert.» Dieser Schritt sei nötig geworden, weil die Filmeverleiher Druck gemacht haben. «Die sind am längeren Hebel, wenn sie keine 35-Millimeter-Filmrollen mehr produzieren, war’s das.»

Der Operateur der Sommerfilme in Solothurn ist gleichzeitig eine Woche zuvor Operateur am Open-Air-Kino Plaffeien in Freiburg. So hat man sich entschieden, zusammen das digitale Projektionssystem zu mieten. Trotzdem ist die Umrüstung mit Mehrausgaben von rund 10 000 Franken verbunden. «Wir müssen jetzt die Entwicklung der Systeme beobachten und in den nächsten Jahren darüber entscheiden, wie es weitergeht», sagt Eva Gauch. Denn über kurz oder lang seien jährliche Mehrausgaben von 10 000 Franken zu viel.

Vorerst hofft die Organisatorin jetzt aber auf einen reibungslosen Ablauf der Solothurner Sommerfilme mit dem neuen System. So beruhigt sie sich vorerst selbst, schmunzelnd, mit den Worten: «Plaffeien wird vor uns durchgeführt, also sind nicht wir das Test-Open-Air-Kino.»

Open-Air-Kino 13. bis 18. August, Kasse, Restauration ab 19 Uhr, Filmvorführung ab 21.15 Uhr. Vorverkauf: Starticket.