Solothurn

30 Jahre «Aulos»: Zum Jubiläum gab es vier Auftragskompositionen

Das 65-köpfige Blasorchester «Aulos» spielte unter der Leitung des Dirigenten Blaise Héritier im Konzertsaal Solothurn.

Das Orchester wurde vor 30 Jahren in der Region Solothurn gegründet und ist heute schweizweit bekannt. Nun trat das Blasorchester im Solothurner Konzertsaal auf.

Das Blasorchester «Aulos» ist zweifellos schweizweit spitze. Es besteht grösstenteils aus professionellen Musikerinnen und Musikern, die jeweils im Herbst in einer Lagerwoche ein Programm für vier Konzerte vorbereiten.

Dass sie auch bei der dreissigsten Auflage in Solothurn konzertierten, hat nicht nur mit der idealen geografischen Verteilung in der Schweiz zu tun. Das Orchester entstand nämlich eigentlich auch hier. Gegründet hat es Ulrich Trösch, der damals Dirigent der Musikgesellschaft Harmonie Biberist war.

Selbstverständlich sass Trösch auch diesmal im Publikum und äusserte sich danach vom Gebotenen begeistert. Dank Spenden konnte sich «Aulos» für sein 30-Jahr-Jubiläum gleich vier Auftragskompositionen leisten. Die vier Komponisten konnten dabei aus dem Vollen schöpfen.

Aufträge für einen Spanier und drei Schweizer

Der Auftrag für das Hauptwerk ging dabei an den Spanier José Suner-Oriola (1964). Als Ausgangspunkt für seine «Aulos Symphony» gleichbedeutend mit «4th Symphony» wählte der Spanier – mehrsprachlich zurechtgebogen – die Tonfolge mit den Buchstaben AULOS.

Jeden der vier Sätze ordnet er einer entscheidenden Phase in der Geschichte von «Aulos» zu. Erst im Schlussteil des vierten Satzes widmet er sich schliesslich auch dem festlichen Aspekt des Jubiläums.

Aufträge gingen auch an drei Schweizer. Fabian Künzli nennt seine Komposition «Prism». Seine Inspiration fand er im optischen Prisma, das Licht in einzelne Farben zerlegt. Dieses Prinzip habe er musikalisch aufgegriffen erklärt er selber. Tatsächlich war das im Konzert fühlbar. Da blitzten immer wieder glasklare Stellen auf. Die konnten durchaus an Sprenkel aus reinem farbigem Licht erinnern.

Daniel Schnyder nennt sein Werk «The Elephant». Im Gegensatz zu Künzli beschreibt der Titel nicht die Arbeitsweise des Komponisten. Er schuf erst die Musik und suchte danach den passenden Namen. Weil sie mit dem Ton E aufhöre sei ihm die Idee gekommen. Auch seien die tiefen Instrumente darin wichtig.

Ausserdem dominiere eine urwaldhafte Rhythmussprache und eine exotische Stimmung und ein Elefant dürfe etwas trampeln. Getrampel hat «Aulos» daraus aber nicht produziert. Auch von den rhythmischen Schwierigkeiten war nichts zu spüren, Dirigent Blaise Héritier hatte das Orchester im Griff.

Benedikt Hayoz bezeichnet mit dem Titel «Recycling» genau seine Arbeitsweise bei dieser Komposition. Er zerpflückte bestehende Musikteile, bearbeitete sie und setze sie neu zusammen. Entstanden ist ein Werk aus zwei unterschiedlichen Sätzen. Im ersten nimmt er die Geschwindigkeit der Digitalisierung auf. Für den zweiten Satz verteilten sich gewisse Teile des Orchesters im Saal.

Das führte zu teilweise sphärischen Klängen mit eindrücklichen Raumempfindungen. Die Idee, sich mit der Gleichzeitigkeit aller Musik zu beschäftigen, führte zu einem eindrücklichen Musikerlebnis. Der danach auf die Bühne gerufene Komponist schien fast etwas überrascht zu sein von der Begeisterung des Publikums.

Tradition hat beim Blasorchester «Aulos» auch ein Soloauftritt. Der Posaunist David Rufer wählte mit «Harvest – Concerto for Trombone» eine Komposition des Amerikaners John Mackey, des Komponisten des letztjährigen Hauptwerkes.

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