Die Partnerschaft zwischen Solothurn und Krakau geht auf Andrzej Tadeusz Bonawentura Kościuszko, General und Anführer des nach ihm benannten Aufstandes gegen die Teilungsmächte Russland und Preußen, zurück, der 1817 in Solothurn verstarb. Diese Verbindung nahmen die Stadtbehörden in den 70er Jahren zum Anlass, einen möglichen Freundschaftsbund mit Krakau zu diskutieren.

Erst am 6. November 1990 konnte dann die Partnerschaft zwischen Krakau und Solothurn offiziell beschlossen und durch Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde besiegelt werden. Anlässlich seines Besuchs in der Ambassadorenstadt unterzeichnete der erste frei gewählte Stadtpräsident von Krakau, Jacek Wozniakowski, zusammen mit Stadtpräsident Urs Scheidegger das historische Dokument.

Darin verpflichten sich die Behörden der Stadt Krakau und der Stadt Solothurn, die menschlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihren beiden Städten zu fördern und ihre Bürger, vor allem aber die Jugend, im Geiste der Verständigung freundschaftlich zusammenzuführen. Sie bekunden ihren gemeinsamen Willen, mit allen Kräften zur friedlichen Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Polen, zur Einigung Europas und zur Verständigung der Völker in Frieden und Freiheit beizutragen.

Ein Amonit und Solothurner Volksmusik

Auf Einladung der Krakauer Stadtbehörden besuchte Ende Mai eine Delegation die Partnerstadt in Kleinpolen, um das Jubiläum des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft zu feiern. Die Delegation bestand aus Stadtpräsident Kurt Fluri, Vize-Stadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel, den Mitgliedern der Gemeinderatskommission Beat Käch, René Käppeli, Marco Lupi, Anna Rüefli und Brigit Wyss, alt-Stadtpräsident Urs Scheidegger sowie Gaston Barth und Hansjörg Boll als Vertreter der Verwaltung.

Neben den beiden Treffen mit den Stadtbehörden besuchte die Delegation das im Jahre 2010 eröffnete Schindler-Museum, das die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 beleuchtet. Ein besonderer Schwerpunkt ist das Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto und im Zwangsarbeitslager Plaszow. Der bekannte Film «Schindlers Liste» handelt nicht nur von der Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler, sondern wurde teilweise auch in diesem Gebäude gedreht. 

Anlässlich des offiziellen Treffens mit Stadtpräsident Majchrowski in seinem Arbeitszimmer überreichte ihm Kurt Fluri einen versteinerten Amoniten zur Erinnerung an das Jubiläum. Dieses Tier schwamm vor rund 150 Mio. Jahren im Jurameer, das ja beide Städte bedeckte.

Solothurn brachte aber auch ein durchaus lebendiges Geschenk mit nach Krakau: Volksmusik mit der Formation Ohalätz. Zur grossen Freude der Einheimischen und der Touristen spielte Ohalätz auf einer speziell für diesen Anlass aufgebauten Bühne auf dem grossen Marktplatz (Rynek Glowny). Kompletiert wurde das Konzert durch einen Auftritt von Joanna Slowinska und ihrer Band, die Jazzmusik auf der Basis von Zigeunerweisen spielten. 

Ohalätz auf dem Marktplatz in Krakau

Ohalätz auf dem Marktplatz in Krakau

Kroke spielt im Kofmehl

Vom 16. bis zum 18. September wird eine Delegation der Stadt Krakau in Solothurn weilen. Dabei wird neben dem offiziellen Jubiläum auch ein Konzert für die Bevölkerung geboten: Die Band Kroke (jiddisch für Krakau), deren Weltmusik auf dem jüdischen Klezmer basiert, wird voraussichtlich am 16. September 2015 ein Gratiskonzert in der Kulturfabrik Kofmehl spielen. 1992 gründen die drei langjährigen Freunde und Absolventen der Krakauer Musikakademie Tomasz Lato, Tomasz Kukurba und Jerzy Bawoł die Gruppe in Krakau. (sks)