Velobörse
244 Zweiräder wechseln ihre Besitzer

Das Prachtwetter am Samstag hat Hunderte von Menschen an die Velobörse vor dem Gewerbeschulhaus gelockt. Die Kauf- und Verkaufswilligen feilschten beim Gewerbeschulhaus Solothurn.

Katharina Arni-Howald
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Solothurner Zeitung

Das Prachtwetter am Samstag hat Hunderte von Menschen an die Velobörse vor dem Gewerbeschulhaus gelockt. 244 Zweiräder wechselten ihre Besitzer. Das sind 37 mehr als im Vorjahr. «Es ist ein Nehmen und Geben», sagt Mike Sandi aus Solothurn.

Innerhalb von zehn Minuten ist das Bike weg, das er letztes Jahr an der Velobörse gekauft hat. «Wahrscheinlich hätte ich mehr dafür verlangen können, aber es geht auch darum, anderen eine Freude zu bereiten.»

Nicht weit von der Annahmestelle entfernt steht eine junge Frau aus Lüterkofen und bewacht ein Elektrobike der ersten Generation. «Es hat seinen Zweck erfüllt», sagt sie lächelnd. «Ich benötigte ein starkes Velo, weil ich meine Kinder mit dem Anhänger mitführte, aber nun sind sie grösser, und ich brauche die Fahrhilfe nicht mehr.»

Mit 550 Franken ist der Verkaufspreis überaus moderat, zumal ein nigelnagelneuer Akku im Wert von über 400 Franken dazugehört. Rund eine halbe Stunde später verschwindet eine glückliche Käuferin mit dem «Schnäppchen» Richtung Kreuzackerbrücke.

15 freiwillige Helfer

Eine andere Frühaufsteherin hat sich soeben in einen Tiefeinsteiger mit tiefblauem Rahmen verliebt. «Sieht er nicht elegant aus», fragt sie. Das Citybike entspricht genau ihrem Traumvelo. Sie hat ihr Auto nicht zuletzt der Umwelt zuliebe verkauft und benötigt nun ein Fahrrad, um damit in die Stadt zu fahren. «Setzen Sie sich auf den Sattel», sagt Reto Frischknecht, der vor einer Holzwand mit Werkzeugen steht und dessen Rat an diesem prächtigen Morgen heiss begehrt ist.

Das Fahrrad besitze solide 26-Zoll-Räder, die Lager allerdings seien abgenützt und müssten ersetzt werden. «Wenn es nur das ist», sagt die potenzielle Käuferin, aber der prüfende Blick des Fahrradmechanikers entdeckt weitere Mängel: «Die Komponenten sind nicht die allerbesten und das Licht fehlt ...» Die Frau wird nachdenklich. «Dann werde ich mich doch noch ein bisschen umschauen müssen», sagt sie und verschwindet in der Menschenmenge.

Inzwischen ist es immer schwieriger geworden, auf dem Platz eine Proberunde zu drehen, ohne jemandem in die Beine zu fahren, und bei der Ausgangskontrolle kommt es zu einem Stau. Der Platz ist gut eingezäunt, und an den kritischen Punkten wachen Freiwillige darüber, dass niemand mit einem der Fahrräder entwischt. «Trotzdem kommt es jedes Jahr zu einem Diebstahl», sagt Thomas Kägi, der niemand aus dem Areal entlässt, ohne die rosaroten Kaufquittungen zu prüfen.

Als VCS-Mitglied hat er vor über zwanzig Jahren die Velobörse ins Leben gerufen. «Wir standen damals auf dem Friedhofplatz, verkauften 99 Velos und waren damit total überfordert.» Primär sei es gar nicht darum gegangen, Zweiräder zu verkaufen. «Im Vordergrund stand, den VCS bekannt zu machen.»

Später kam es zur Fusion mit der IG Velo, und heute sorgen jedes Jahr an die 15 Freiwilligen dafür, dass der Anlass reibungslos über die Bühne geht und es zu keinen Überforderungen mehr kommt.

Umsatz von 38'500 Franken

«Es war ein guter Tag», sagt die Börse-Hauptverantwortliche Regina Aepli wenige Stunden nach Börsenschluss. Von den 345 zum Verkauf angebotenen Velos wurden 244 verkauft, davon 91 Herren-, 80 Frauen- und 73 Kindervelos. Vom Umsatz von 38500 Franken fliessen 5800 Franken in die Kasse des VCS. Damit ist für dessen Vorstandsmitglieder klar: Der Veloboom geht ungebrochen weiter.

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