Solothurn
21 Solothurner Jungbürger geloben auf die Verfassung

Am Freitagabend ging im Alten Spital die Jungbürgerfeier des Jahrgangs 1996 über die Bühne. Von insgesamt 107 angeschriebenen Jungbürgern erschienen aber lediglich 21.

Andreas Kaufmann
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Jungbürgerfeier des Jahrgangs 1996

Jungbürgerfeier des Jahrgangs 1996

Andreas Kaufmann

«Unsere Mitbestimmungsrechte sind keineswegs selbstverständlich», machte Kurt Fluri den 21 anwesenden Jungbürgerinnen und Jungbürgern des Jahrgangs 1996 bewusst. «Über die Medien erfahren wir vom Kampf um politische Rechte und von unterdrückenden Militärdiktaturen.» Gleichzeitig habe man in der Schweiz seit 1872 die direktdemokratischen Instrumente, das gleichberechtigte Zweikammer-System und die kantonale Souveränität - drei Spezialitäten, durch die die Schweiz oft als «Sonderfall» bezeichnet werde.

Zeitung lesen, Medien mitverfolgen

So kommt es nicht von ungefähr, dass der Stadtpräsident jedes Jahr vor diesem Hintergrund die jungen Menschen dazu ermutigt, von den errungenen demokratischen Rechten Gebrauch zu machen, während rund um den Globus Millionen Menschen dafür ihre Freiheit aufs Spiel setzen. «Das grösste Hindernis ist in der Regel das Öffnen des Stimmrechtscouverts. Doch Missgeschicke passieren hier nicht nur den jungen Wählern», scherzte Fluri. Neben den technischen nennt der Stadtpräsident aber auch inhaltliche Hürden, die man aber als interessierter Mensch überwinden kann: «Wer gelegentlich eine Zeitung liest und andere Medien mitverfolgt, wird bald einmal in der Lage sein, sich eine Meinung zu bilden.»

Wo sind all die Jungbürger hin?

Ob die Teilnahme an der Jungbürgerfeier als Indiz für das politische Interesse junger Menschen gelten darf, bleibe dahingestellt. Dennoch: Bei einer Gesamtzahl von 107 Jungbürgern fand lediglich gut ein Fünftel den Weg zum Alten Spital, wo die Feier mit Gelöbnis und Abendessen stattfand. Notabene: Im Rekordjahr 2004 erschienen 61 Prozent aller Jungbürger. Nichtsdestotrotz fokussierte sich Fluri im Weiteren darauf, den jungen Menschen kurz vergangene und künftige Abstimmungsthemen zu erläutern: Rückblickend sind es der Betttag und die Masseneinwanderungsinitiative, vorausschauend die Einführung der Einheitskrankenkasse und ortsspezifisch - die Gemeindeversammlung vom 24. Juni.

Wie man etwas bewirken kann

«Ich bin stolz, dass ich neben dem bisherigen Gedankenaustausch zur Politik nun auch abstimmen kann», findet Aida Abdul Karim. Sie stellt aber auch fest, dass sich viele Menschen gerade in diesem Alter statt mit Politik mit anderen Problemen wie Beruf beschäftigen.» Politisch auch in eine Partei aktiv ist Moira Walter, die im Vorstand der Juso ist. «Für mich gehört es auch dazu, eines zu zeigen: Wenn man sich eine Meinung bildet, kann man etwas bewirken.» Für Solothurn hält sie die Schaffung eines autonomen Jugendzentrums für diskutabel, «ein Ort, wo kein Zwang zum Konsum besteht.» Jonas Meise ging seinerseits auch bereits abstimmen, findet aber auch das Gespräch über Politik wichtig: «Gerade als die Masseneinwanderungsinitiative aktuell war, haben wir im Kollegenkreis und im Ausgang oft darüber gesprochen.»

Politik beginnt hier und jetzt

Und ja, auch am besonnten Aarestrand in lockerer Ambiance wird Politik gemacht, während nebenan Fussballfans jubeln. Im Gespräch mit dem Stadtpräsidenten, den Gemeinderäten und unter den jungen Menschen selbst: «Man könnte die Veranstaltung auch zur Jungbürgerparty umgestalten und auffrischen», scherzen einige. Und die Worte von zuvor klingen nach: Man kann etwas bewirken, wenn man sich eine Meinung bildet - am besten im Gespräch.

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