Solothurn

100% Stadtpräsidentin – Franziska Roth lanciert ihren Wahlkampf

Franziska Roth setzt im Wahlkampf gegen Kurt Fluri auf das Motto «100 % Stadtpräsidentin».

Franziska Roth setzt im Wahlkampf gegen Kurt Fluri auf das Motto «100 % Stadtpräsidentin».

Der Herausforderin Franziska Roth hat ihren Wahlkampf gegen den Solothurner Stadtpräsident Kurt Fluri offiziell lanciert.

«Es ist Zeit zum Aufwachen aus dem Verwaltungsschlaf. Der einsame Kapitän auf der Brücke gehört der Vergangenheit an.» Diese Kampfansage an Stadtpräsident Kurt Fluri machte Franziska Roth zur offiziellen Lancierung ihrer Gegenkandidatur und dem Start des Wahlkampfes, der bis am 2. Juli dauert.

Assistiert wurde die 51-jährige Heilpädagogin im Uferbau von SP-Fraktionschef und Gemeinderat Matthias Anderegg. Auch dieser betonte, nach 24 Jahren sei Kurt Fluris Amtszeit «ausgereizt». Vieles habe sich in dieser langen Amtszeit «eingeschliffen», die Stadt Solothurn brauche «mehr Innovation». Deshalb sei Roth als bestgewählte Kantonsrätin und erfahrene Politikerin auch bestens qualifiziert, um für das Stadtpräsidium zu kandidieren. Zudem verfüge sie als SP-Kantonalparteipräsidentin über grosse Führungserfahrung.

Fluri habe sich ausser vor vier Jahren (damals trat der Aussenseiter und Exot Jeffrey Murphy erfolglos an) seit 1993 nie mehr einer Wahl stellen müssen. «Darum ist es Zeit, dass wieder einmal eine echte Wahl für die Stimmberechtigten stattfindet», meint die SP-Führung, auch beflügelt durch die Tatsache, dass die städtischen Sozialdemokraten bei den jüngsten Kantonsratswahlen den höchsten Wähleranteil erzielt hatten.

Roth findet: 24 Jahre sind genug, Herr Fluri

Franziska Roth findet: 24 Jahre sind genug, Herr Fluri

«Gestalten statt verwalten»

Franziska Roth tritt mit der Affiche «100% Stadtpräsidentin» an und suggeriert damit auch gleich, dass dies bei Kurt Fluri aufgrund seiner zusätzlichen Mandate, beispielsweise als Nationalrat, nicht der Fall sei oder sein könne. In diese Richtung zielt auch der zweite Wahlslogan der SP-Gemeinderätin: «Gestalten statt verwalten.» In drei Bereichen sieht Roth denn auch Handlungsbedarf. «Die Stadt als Arbeitgeberin von 600 Personen überzeugt nicht», kritisiert sie die Beschäftigung von nur zehn Lernenden, aber auch die mangelnden Möglichkeiten für Jugendurlaub oder zur Wieder- und Weiterbeschäftigung von jungen Angestellten nach dem Mutterschaftsurlaub.

«Das Verständnis für den Sport ist auf dem Stadtpräsidium nicht gross, er wird eher als Behinderung gesehen», verteilte Franziska Roth weiter schlechte Noten an Kurt Fluri, wenn es um die Sportförderung und den Ausbau der Infrastruktur für die Vereine gehe. Angesichts der guten städtischen Finanzlage sei das Streichen der Hallengebühren für die Stadtvereine zu prüfen, meinte sie etwa. Auch das Schaffen einer Sportfachstelle – ein altes SP-Postulat – wurde von Roth wie Anderegg an dieser Stelle einmal mehr gefordert. Denn: «Eine ehrenamtliche Kommission für den Sportbereich ist nicht mehr zeitgemäss!»

Der dritte «Tatort» ist für die SP-Frau eine aktive Wirtschaftsförderung und -politik. «Wir wollen die Investoren abholen», sieht sie Nachholbedarf bei genossenschaftlichem Wohnbau vor allem im stadteigenen Weitblick-Areal. Mit «Es geht nicht um rechts oder links» oder «Ich bin nicht grundsätzlich gegen Steuersenkungen» will Roth signalisieren, dass sie offen für Vorschläge sei und «alle Akteure» am Meinungsbildungsprozess beteiligen will. Finanzpolitisch sieht sie jedoch den hohen Investitionsbedarf bei den stadteigenen Immobilien als Priorität an. Es gehe um eine Stadt, deren Potenzial ausgelotet werden müsse und darüber nachzudenken, «wie sie in fünf oder zehn Jahren bestehen will».

Hart, aber fair in der Sache

Nein, sei werde im Wahlkampf nicht auf den Mann spielen und persönliche Angriffe auf Kurt Fluri führen. «Das gehört nicht zu meinem Habitus. «Ich werde hart in der Sache sein, aber fair und sauber diskutieren», stellt sie auch im Hinblick auf das erste Duell mit Fluri zur Energiestrategie 2050 in Aussicht (Dienstag, 19.30 Uhr im Uferbau).

«Nicht überrascht» zeigt sich Franziska Roth vom einhelligen Beschluss der CVP an ihrer jüngsten Versammlung, Kurt Fluri zu unterstützen. «Die CVP ist eine konservative Partei. Überrascht bin ich nur, dass dieses Thema gar nicht traktandiert gewesen ist.»

Wahlkampfleiter Gabriel Gimber erklärte, dass die SP-Kandidatin im Juni im Rahmen von «Rosso on tour» an diversen Stammtischen präsent sei. Neben den üblichen Standaktionen wird der Wahlkampf vor allem auch auf den Social medias stattfinden, «eine eigene Homepage von Franziska Roth ist inzwischen aufgeschaltet», so Gimber. Und ein überparteiliches Podiumsgespräch mit beiden Kandidierenden sei auf Anfang Juni in der Kulturfabrik Kofmehl aufgegleist.

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