Die Pfadi Abteilung Stadt Solothurn – in seiner Kurzform PASS genannt – feiert heuer ein besonderes Jubiläum: Sie kann auf stolze hundert Jahre Pfadigeschichte zurückblicken. 1916 wurde die Abteilung mit einem kleinen Bubenkreis gegründet, heute zählt sie nach der Fusion mit der Abteilung Weissenstein über 100 aktive Mitglieder.

Und so werden am 27. August aktive Pfadimitglieder gemeinsam mit ehemaligen Pfadern den runden Geburtstag feiern. Auch wir haben anlässlich des 100-Jahre-Jubiläums mit zwei Pfadimitgliedern aus verschiedenen Generationen gesprochen, um zum Start des neuen Pfadi-Jahrhunderts sowohl einen Blick in die Vergangenheit als auch in die Zukunft der Pfadi zu werfen.

Werner Waldner (85) aus Bellach ist in den 1940er Jahren der Pfadi Abteilung Stadt Solothurn beigetreten und ist auch heute noch eng mit der Pfadi verbunden.

Werner Waldner, wie sah Ihre Pfadilaufbahn aus?

Ich bin mit etwa 11 Jahren zu den Wölfli gestossen, danach der Pfadi beigetreten und wurde später zuerst Gruppen- und dann Stammführer. Auch nach der Rekrutenschule war ich noch als Abteilungsleiter tätig. Ab und zu habe ich dann bei der Pfadi ausgesetzt, kam aber immer wieder dazu und bin so dabeigeblieben. Als Altpfader haben wir die Aktiven im Hintergrund unterstützt, uns darum gekümmert, dass beim Pfadiheim Ordnung herrscht und die Umgebung gepflegt wird. In den letzten zwei Jahren habe ich mich aufgrund meines Alters nun aber etwas zurückgezogen. In anderen Vereinen war ich nie.»

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Jugendzeit in der Pfadi?

Ich erinnere mich an viele tolle Erlebnisse und gute Freundschaften. Die Pfingst- und Sommerlager bildeten jedes Jahr Highlights. Einmal, ich war noch ein ziemlich kleiner Junge, wanderten wir von Zweisimmen aus über Saanenmöser nach Saanen. Die Übernachtung in Saanenmöser wurde aber von den Leitern kurzerhand gestrichen und wir erreichten um zwei Uhr morgens schweissgebadet und todmüde das Lager in Saanen. Ich legte mich ins Gras und schlief noch mit dem Rucksack am Rücken ein. (lacht) Auch an unsere Unterhaltungsabende mit Tanzmusik denke ich gerne zurück, wir haben jeweils den ganzen Konzertsaal gefüllt, das war sagenhaft!

Welche Werte wurden Ihnen in der Pfadi mitgegeben?

Wir trugen in der Pfadi den Taler mit der Aufschrift «Täglich eine gute Tat» in der Hosentasche mit, dieses Motto versuchten wir so oft als möglich umzusetzen. Weiter waren Kameradschaft, Ehrlichkeit und das Leben mit der Natur wichtig.

Welches sind Ihrer Meinung nach die grössten Veränderungen, wenn man die Pfadi damals und heute vergleicht?

Zu meiner Pfadizeit war alles noch viel disziplinierter, geradezu militärisch ging es zu und her: am Samstagnachmittag mussten alle Abteilungen geordnet antreten und wurden auf ihre Anwesenheit überprüft. Dabei musste immer die Pfadiuniform getragen werden, auch die weissen Socken waren Pflicht! (lacht) Die Pfadi war auch eine Art Erziehung, jeder hatte sein Ämtli in der Gruppe. Die Pfadi heute ist viel lockerer als früher. Für die Lagerunterkünfte haben wir beim Bauern Heu geholt, als Gegenleistung halfen wir ihm auf dem Feld. So kostete damals ein zweiwöchiges Sommerlager pro Junge nur 30 Franken.

Pascal Trösch (22) aus Langendorf ist seit zehn Jahren in der Pfadi und seit drei Jahren als Abteilungsleiter tätig.

Pascal Trösch, was hat Ihre Abteilung sich zum 100-Jahre-Jubiläum einfallen lassen?

Am 27. August veranstalten wir zuerst ein Nachmittagsprogramm für Kinder, es wird einen Postenlauf geben. Nach dem Motto «Pfadi früher, Pfadi heute» werden alte und neue Pfadispiele gespielt, die unter anderem auch von ehemaligen Pfadimitgliedern geleitet werden. Es können auch Kinder, die nicht in der Pfadi sind, vorbeikommen und Pfadiluft schnuppern. Am Abend gibt’s Verpflegung vom Grill, Poetry Slam und Lagerfeuer.

Was soll ein Kind heutzutage in der Pfadi lernen?

Die Kinder sollen Verantwortung für sich und andere übernehmen können und lernen, sich für die Gesellschaft zu engagieren und der Umwelt Sorge zu tragen. Das sind die Grundsätze der Pfadi-Bewegung, die sich bis heute kaum verändert haben.

Wo finden sich Ihrer Meinung nach im Pfadialltag die grössten Unterschiede zu früher?

Uns stehen viel mehr Möglichkeiten offen als den früheren Pfadfindern, zum Beispiel, was die Mobilität betrifft. Für einen grossen Einkauf für ein Lager können wir heute bequem das Auto nutzen, früher musste man sich da ganz anders organisieren. Ausserdem ist es uns dank dem Internet möglich, einfacher und effizienter zu kommunizieren und organisieren. Dafür konkurriert die Pfadi heute mit zahlreichen anderen Freizeitangeboten.

Welche Herausforderungen kommen in Zukunft auf die Pfadi Stadt Solothurn zu?

Unser Ziel ist es, die fusionierten Abteilungen als Team noch enger zusammenwachsen zu lassen. Des Weiteren sind wir offen für alle Veränderungen, welche die Zukunft mit sich bringt. Die Pfadi geht mit der Zeit.

Infos und Anmeldung zum Jubiläumsfest unter: fest.pfadi-so.ch