Dönermorde
Spur der «Dönermorde» in Deutschland führt bis nach Derendingen

Die Spur einer Mordserie, welche in Deutschland aufgeklärt werden konnte, führt auch in die Schweiz. So wurden die Morde zwischen 2000 und 2007 mit einer Pistole begangen, welche ursprünglich nach Derendingen importiert wurde.

Marco Sansoni
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Dieses Pistolen-Modell der Marke «Ceska» wurde nur nach Derendingen geliefert und gelangte dann zu den Neonazis
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Acht der neun toten Kleinunternehmer, welche mit der «Ceska 83» umgebracht wurden
Spur der «Dönermorde» führt auch nach Derendingen
Das ausgebrannte Wohnmobil in Eisenach Anfang November 2011. Darin erschossen sich Uwe M. und Uwe Z. nach dem Banküberfall
Die Auflösung des Falles: Polizisten untersuchen am 9. November das explodierte Haus in Zwickau
Darin lebte nebst Uwe Z. und Uwe M. auch Beate Z. (Bild). Alle drei verkehrten in der Neonazi-Szene und sind verantwortlich für die Mordserie

Dieses Pistolen-Modell der Marke «Ceska» wurde nur nach Derendingen geliefert und gelangte dann zu den Neonazis

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Eine Spur blutiger Morde in Deutschland führt bis nach Derendingen. Gemäss bisherigen Ermittlungen wurde bei den sogenannten «Dönermorden» immer eine Waffe des Typs «Ceska 83» verwendet worden. Diese Waffe wurde mit dem Kaliber 7,65 Millimeter nur 24-mal produziert und ausschliesslich nach Derendingen geliefert. Dies berichtete «10vor10» mit Verweis auf eine erneute Folge von «Aktenzeichen XY» bereits vor anderthalb Jahren, als sich die Spur zum ersten Mal auf diesen Pistolentyp konzentrierte.

Zehn Personen brutal hingerichtet

Zwischen dem Herbst 2000 und dem April 2007 wurden so mit der betroffenen Waffe zehn Personen, vorwiegend Türken oder türkischstämmige Deutsche, ermordet. Auch Michèle K., eine Polizistin in Heilbronn, wurde mit einer der 24 «Ceska 83» tödlich verletzt.

Die Polizei tappte aber jahrelang im Dunkeln, bis am 4. November 2011 im deutschen Eisenach eine Sparkasse überfallen wird. Polizisten entdecken nach der Tat ein verdächtiges Wohnmobil, welches kurz vor dem Zugriff der Polizei in Flammen aufgeht. Im Fahrzeug finden Ermittler nach den Löscharbeiten brisantes: Nebst zwei Leichen, jenen der mutmasslichen Bankräuber Uwe B. und Uwe M., werden Geldbündel aus Banküberfällen und Waffen entdeckt. Letztere gehören Michèle K. und ihrem Polizeikollegen, welcher das Attentat von 2007 zwar überlebte, sich aber an nichts mehr erinnern kann.

Waffe aus Derendinger Geschäft in Zwickau entdeckt

Am gleichen Tag fliegt am Eschenweg in Zwickau ein Mehrfamilienhaus in die Luft. Es ist die Wohnung der beiden Uwes, welche darin mit der jungen Beate Z. lebten. Z. sprengte das Haus, rettete sich aber vorher selbst und taucht unter. In den Trümmern des Hauses findet die Spurensicherung ein Modell der «Ceska 83». Diese, so stellt sich heraus, ist die Mordwaffe der «Dönermorde», wie die deutsche Generalbundesanwaltschaft gegenüber der az Solothurner Zeitung bestätigt.

Diese Waffe wurde 1993 zusammen mit Schalldämpfern vom Derendinger Waffengeschäft «Luxik» importiert. Das Geschäft wurde zwar 2005 aufgegeben, der alleinige Inhaber konnte aber 24 registrierte Käufer angeben. In der Folge stellten die Schweizer Behörden 16 Waffen in der Schweiz sicher. Die restlichen acht Waffen blieben verschollen, bis nun in Zwickau genau eine der gesuchten Pistolen auftauchten.

«Braune» Spur

Beate Z. stellte sich nach einem Fahndungsaufruf bei der Polizei und komplettierte so die Spur. Die drei Personen, so stellt sich nun heraus, verkehrten jahrelang in der rechtsextremen Szene und sind dem Staat nicht unbekannt. Bereits Ende der Neunzigerjahre war Z. bereits im Visier der Polizei. Enge Kontakte pflegte das Trio auch zum «Thüringer Heimatschutz». Der deutsche Verfassungsschutz erwähnt B.,Z. und auch M. in einem Bericht 1998 als Mitglieder der Organisation. So ermittelt Deutschland nun auch nach innen und fragt sich, wie kriminelle Neonazis jahreland unbemerkt morden konnten.

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