Ipsach
Spannung, Action und Glück: Traumjob Privatdetektiv

Herausfinden, ob jemand fremdgeht oder eine Versicherung hinters Licht führt: Das ist das tägliche Brot des Privatdetektivs P. Misteli aus Ipsach. Hartes Brot – dennoch sein Traumjob.

Marcel Friedli
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Der Privatdetektiv bei der Arbeit: Observieren. Hanspeter Bärtschi

Der Privatdetektiv bei der Arbeit: Observieren. Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Ein Mann lädt mehrere Harrassen Getränke aus seinem Lieferwagen. Eigentlich ist das unspektakulär. Speziell ist jedoch, dass er dabei von Privatdetektiv Misteli observiert wird, der die Szene in nächster Nähe hinter der abgedunkelten Heckscheibe seines Wagens filmt.

Damit hat er den Beweis. Den Beweis, der den Mann des Versicherungsbetrugs überführt: Dieser hatte nämlich behauptet, er könne nach einem Autounfall wegen Nackenbeschwerden keine Lasten mehr heben und sei arbeitsunfähig.

Jurastudium absolviert

Ein Highlight im Leben von Privatdetektiv Misteli: ein spannender Auftrag, die nötige Portion Glück und damit persönliche Befriedigung: «So erspare ich der Versicherung Ausgaben und der Allgemeinheit höhere Prämien. Ausserdem verdiene ich Geld mit etwas, das ich sehr gerne tue», sagt der 33-Jährige aus Ipsach im Bieler Seeland, der ein Jusstudium absolviert hat. Profitieren würden also alle davon. «Ausser die Person, die kein Geld erhält. Aber die hat es ja verdient, weil sie das System ausnützt.»

Nicht immer ist das der Fall. Misteli erzählt von einem Türsteher, der angeschossen worden ist und angab, er sei traumatisiert und könne deshalb nicht mehr arbeiten. Der Privatdetektiv beobachtete ihn zwei Wochen lang; ein einziges Mal verliess der Mann seine Wohnung. «Es geht immer darum, die Wahrheit herauszufinden. Hier war es offensichtlich, dass der Mann kaum Dreck am Stecken hat.»

Aufträge von Privatversicherungen mag Detektiv Misteli; weniger Fan ist er vom Klassiker «Verdacht, auf Fremdgehen des Partners». «Ich habe dann das Gefühl, mich in eine Beziehung einzumischen. Aber das gehört zu jedem Job, dass es auch Aufträge gibt, bei denen sich die Begeisterung in Grenzen hält.» Nicht immer kommt es dabei zur Beschattung. Manchmal erschöpft sich der Auftrag darin, herauszufinden, wer genau hinter den unbekannten Handynummern des Partners oder der Partnerin steckt. Da ist Kreativität gefragt, und das behagt Misteli, der einen ruhigen, klaren Blick hat und oft mit süffisantem Lächeln spricht, ohne dabei überheblich zu wirken. Kreativität darum, weil er bei seiner Recherche die gesetzlichen Rahmenbedingungen einhalten muss. Genau da ist für den Juristen die Grenze: Aufträge, bei denen er in Konflikt mit dem Gesetz komme, lehne er ab. «Zum Beispiel, wenn ich jemanden abhören oder in eine Wohnung eindringen soll, um Akten zu beschaffen.»

Voll auf die Karte Detektiv gesetzt

Diesen «Luxus» leistet er sich, auch wenn er ihn sich eigentlich nicht leisten kann, denn es harzt mit Aufträgen. Nach seiner Ausbildung zum Privatdetektiv setzte er alles auf die Karte Detektei Misteli. Er stiess aber bislang, abgesehen von sporadischen Aufträgen, nicht auf die erhoffte Resonanz. «Etwas ernüchtert bin ich schon», gibt er zu. «Vielleicht ist die Schwelle doch recht hoch, bis man einen Detektiv engagiert. Und da, wo Aufträge zu holen sind, setzt man auf die bewährten Kräfte», mutmasst er. Zwar hielten sich Investitionen und Einkünfte knapp die Waage.

Aber das reicht nicht, um davon leben zu können, weshalb er zusätzlich Teilzeit arbeitet. Doch er setzt alles daran, seinen Traumjob Detektiv weiterzuverfolgen. «Ich setze alles daran, diesen Traum zu verwirklichen, weil Privatdetektiv genau das ist, was ich machen will.» Und er fügt an: «Mindestens als Zweitberuf.» Nervenkitzel, das Ungewisse, die Möglichkeit, kreativ zu sein, die Zeit selber einzuteilen – kein anderer Job biete ihm das in diesem Ausmass. Auch wenn Observationen manchmal langweilig seien, da sie aus 80 Prozent Warten und 20 Prozent Action bestünden: «Diese 20 Prozent Action wiegen die 80 Prozent Langeweile aber voll und ganz auf.»

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