«Nachdem ich die Ausführungen über die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers gehört habe, stelle ich fest, dass wohl sehr viele Patrons diese wahrnehmen. Nur wussten wir nicht, dass das Verhalten unter dem Titel ‹Corporate Social Responsibility› oder CSR läuft», sagte Peter Kammer, Geschäftsführer der Jomos AG in Balsthal, lachend.

Er beendete damit den zum zweiten Mal in seiner Werkhalle durchgeführten Wirtschaftsapéro, organisiert von der Geschäftsstelle Lokale Agenda 21, dem Industrie- und Handelsverein Thal-Gäu-Bipperamt, dem Verein Region Thal und der kantonalen Wirtschaftsförderung. Unter dem Titel «Sozial profitabel» wurde das Thema CSR – das Konzept soll Firmen unterstützen, soziale und ökologische Belange in die Unternehmenstätigkeit zu integrieren – vor rund 200 Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Behörden diskutiert.

Nicht nur uneigennützig

Anhand der Resultate einer Umfrage unter KMU stellte Mariana Christen Jakob, Professorin an der Hochschule Luzern, das Konzept CSR näher vor (siehe Box). Dabei bestätigte sie die obige Aussage. «Viele Firmenchefs sind sich gar nicht bewusst, dass sie im Bereich CSR aktiv sind.» Das habe sich etwa bei der Frage nach der Motivation gezeigt.

«Das gehört zu meinem Verständnis als Unternehmer» sei die meistgehörte Antwort gewesen. Dabei gehe es aber nicht um «reines Gutmenschentum». Es sei vielmehr eine Mischung von sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit des Betriebes. Die Firmen handelten also nicht allein uneigennützig, sondern verfolgten auch ökonomische Ziele. «Nachhaltigkeit ist nämlich auch wirtschaftlich.»

Marktleistung steht im Zentrum

Anschauliche Beispiele aus der Praxis lieferte Hans-Ruedi Schweizer, Chef der Ernst Schweizer Metallbau AG im zürcherischen Hedingen, bekannt für die Herstellung von Briefkästen und Sonnenkollektoren. Die Geschäftstätigkeit stütze sich auf vier Säulen der Nachhaltigkeit ab. Im Zentrum stehe die Marktleistung. «Wir wollen für unsere Kunden ein zuverlässiger und innovativer Partner sein.» Die soziale Leistung umschrieb er als «faires und verantwortungsvolles Handeln» gegenüber den Mitarbeitenden. «Sie sind bei uns Menschen und nicht nur Arbeitskräfte.» Alle hätten dieselben Chancen und Pflichten, die Lohngleichheit bei gleichwertiger Arbeit und Leistung sei gewährt.

Die ökologische Leistung beziehe sich auf einen möglichst geringen Ressourcenverschleiss. «Wir verkaufen nicht nur ökologische Produkte, sondern wollen auch umweltbewusst arbeiten», sagte Schweizer. So sei der Umsatz innert 20 Jahren um 150 Prozent gestiegen, der Energieverbrauch sei aber in etwa stabil geblieben. Ziel der finanziellen Leistung sei eine gute Wirtschaftlichkeit. Ein guter Teil der Erträge werde in die Firma reinvestiert oder die Pensionskasse tätige nur Investitionen in nachhaltige Anlagen.

«Einen guten Namen muss man sich erarbeiten», erklärte seinerseits Rolf Iselin, Leiter der Hörmann AG Schweiz in Oensingen. Hörmann, ein deutscher Hersteller von Garagentoren, beschäftigt weltweit 6000 Angestellte und erwirtschaftet einen Umsatz von 1 Milliarde Euro. Dazu sei unternehmerisches und soziales Handeln gegenüber Kunden, Mitarbeitenden, Umwelt, Lieferanten und Aktionären unumgänglich.

Staat als Garant

Hörmann Schweiz nehme die Verantwortung wahr und habe sich in den Bereichen Qualität, Umwelt-Management und Arbeitssicherheit zertifizieren lassen. Als Unternehmer müsse man der Firma «durch das persönliche Verhalten den Stempel aufdrücken». Das habe einen positiven Einfluss auf das Image und somit auf den Geschäftserfolg. Man müsse die CSR-Aktivitäten nach innen und aussen vermitteln. «Gutes Tun und darüber reden, ansonsten wird es zur Selbstverständlichkeit.»

Auch in der öffentlichen Verwaltung sei CSR ein Thema. Der Staat stelle sozusagen «die Grundversorgung» sicher. Er müsse Instrumente schaffen, um etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Oder im Bereich der Submissionen sei der Staat gefordert, dass auch soziale und ökologische Faktoren Einfluss hätten. «Letztlich ist der Staat Garant für nachhaltiges Handeln.»