Solothurn
«Sorry, dass wir Eure Webseite zerstört haben...»

Die Homepage der Jugendarbeit der reformierten Kirchgemeinde Solothurn wurde von der «Syrian Electronic Army» attackiert – gleich mehrfach.

Simon Binz
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Solothurner Zeitung

Die «Syrian Electronic Army» unterstützt Assad im Web

Im Zusammenhang mit den Protesten in Syrien weitet sich der Kampf auch ins World Wide Web aus. Die selbst ernannte «Syrian Electronic Army», die sich als eine Gruppe enthusiastische junge Syrier beschreibt, hat sich zum Ziel gesetzt, die Welt darüber zu informieren, was ihrer Meinung nach wirklich in ihrem Land vor sich gehe. So legen sie regelmässig regierungskritische Websites aus der westlichen Welt lahm und sind ebenfalls sehr aktiv auf Facebook, wo sie in erster Linie oppositionelle Seiten bekämpfen. Die Hacker schreiben Kommentare über Verrats-Vorwürfe bis hin zu Todesdrohungen. Die «Syrian Electronic Army» fordert seine Anhänger auch dazu auf, die Liebe zum Staat via Facebook zu verbreiten. So wurde vermehrt dazu aufgerufen, positive Kommentare über die Regierung des Präsidenten Bashar al-Assad auf Seiten von einflussreichen Personen der westlichen Welt, wie zum Beispiel Oprah Winfrey oder Hillary Clinton, zu schreiben. Der Gedanke dahinter ist die Hoffnung, die öffentliche Meinung in Amerika zu beeinflussen. Offiziell ist die «Syrian Electronic Army» keine Armee der syrischen Regierung an sich, es wird aber gemutmasst, dass die Geheimpolizei die Einheit lanciert hat. Der Präsident selbst hat auch in seiner Rede vom 20. Juni die Schlüsselrolle der jungen Menschen gelobt, erwähnte aber mit keinem Wort die «Syrian Electronic Army». (sbb)

Die Homepage lieferte keine Angriffsfläche

Auf der Seite seien eigentlich nur Hinweise auf kommende Anlässe nachzulesen gewesen. Es wurde nicht politisiert, geschweige denn wurden kritische Äusserungen gegenüber der Regierung in Syrien veröffentlicht. Auch der Webdesigner der Seite glaubt nicht an einen gezielten Anschlag. Es sei wahrscheinlicher, dass die Gruppierung eine Sicherheitslücke entdeckte und so die Homepage gehackt hatte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wiederum sei es aber sehr speziell, dass sich der Hacker mit der Darstellung so viel Mühe gegeben habe, und nicht nur die Startseite gelöscht worden sei, sondern auch alle Inhalte der Webseite.

«Machen Sie sich keine Sorgen»

Über google.ch war es bis vor kurzer Zeit noch möglich, auf die gehackte originale Seite zuzugreifen. Darauf war das syrische Landeswappen abgebildet und ein Statement der Hacker in englischer Sprache zu lesen. Die Botschaft lautete zusammengefasst in etwa wie folgt «Syrien ist das erste arabische Land, das eine öffentliche Internet Armee lanciert hat, um Cyber-Attacken auf ihre Feinde zu starten. Es tut uns leid, dass wir eure Homepages zerstören, aber wir lieben unser Land, und wir lieben unseren Präsidenten Bashar al Assad, und wir werden nicht erlauben, dass sich irgendjemand in unsere internen Angelegenheiten einmischt.» Am Schluss steht noch eine Notiz für den Betreiber der Homepage: «Machen Sie sich keine Sorgen.»

War es ein Nachahmer?

Es stellt sich die Frage, ob es denn wirklich ein Angriff von der «Syrian Electronic Army» gewesen war, oder ob sich jemand einen üblen Scherz erlaubte. Nach eingehender Recherche wurde klar, dass der Server der Hacker in der syrischen Hauptstadt Damaskus stationiert ist. Eine Anfrage bei der Melde- und Analysestelle Informationssicherung «MELANI» in Bern hat ergeben, dass bisher keine Angriffe auf Schweizer Seiten von dieser Gruppierung ausgegangen seien. Ausgeschlossen werde es aber nicht, da in der Schweiz keine Meldepflicht bei Hackangriffen bestehe.

Wirklich nur ein Zufall?

Andere Homepages, die auf dem gleichen Server wie plugin2.ch hinterlegt sind, wurden nicht gehackt. Da stellt sich wiederum die Frage, ob die Homepage nicht gezielt angegriffen wurde. Gerade auch deshalb, weil die Webseite vor zwei Wochen wieder aufgeschaltet worden sei und innerhalb einer Nacht ein weiteres Mal attackiert wurde. Letztlich lässt sich nicht sagen was die «Syrian Hackers» dazu veranlasst hatte die Webseite der Jugendarbeit der reformierten Kirchgemeinde Solothurn ins Visier zu nehmen. Eins aber ist klar, bis zum gestrigen Redaktionsschluss war es noch nicht möglich die Webseite www.plugin2.ch aufzurufen.