Es gibt eine Sache, wogegen ein Millennial, ein Jugendlicher des dritten Jahrtausends, aufbegehren mag, wenn es ihm im Lebkuchenhaus der unbeschränkten Freiheiten an nichts mangelt: gegen die Langeweile des Luxus und gegen den Luxus der Langeweile. Kevin Baumann ist so ein Millennial. Er gelangt zur Überzeugung, die Wand dieses Lebkuchenhauses lasse sich durchbrechen, indem man sein Smartphone dagegen knallt. Bald findet er eine begeisterte Anhängerschar für seinen Ausbruch aus dem goldenen Käfig. Eine Kommune entsteht – wohlgemerkt nicht dasselbe wie eine WG. Doch was dann? Für die Revolution braucht es eine Devise – die sein aus dem Punk-Alter herausgewachsener Vater ausformuliert: «Lasst die Alten sterben.»

Unter diesem Titel kommt nun am 12. Oktober ein Schweizer Film unter der Regie von Juri Steinhart in die Kinos. In den Reihen der Kommune erblickt man auch ein Solothurner Gesicht: Die 28-jährige Olivia Lina Gasche schlüpfte für «Lasst die Alten sterben» in die Rolle der Judith, Mutter der kleinen Ella und Lebenspartnerin von Fitim. «Sie ist eine sehr pflichtbewusste junge Mutter, die die Familie an die erste Stelle stellt», erläutert Gasche ihre Figur. «Judith hat ein grosses Herz, und wenn ihr was nicht passt, lässt sie das ihr Umfeld spüren.»

Die Mutterrolle entdecken

Entdecken und entwickeln muss man sich die zu verkörpernde Figur selber, eine der spannendsten Dinge, findet Gasche. Besonders war für sie, in die Rolle einer Mutter zu schlüpfen, «da ist mir Judith voraus.» So habe sie zusammen mit dem Filmvater Fitim (gespielt von Samir Klipic) das Filmbaby noch vor Drehbeginn besucht. «So konnten wir uns erst einmal beschnuppern.» Wie sie sich die Rolle einverleibt hat, verrät sie aber nicht genauer: «Eine Dozentin hat mir mal gesagt, dass du deinen persönlichen Schlüssel zur Figur, wie ein Geheimnis aufbewahren sollst. Sonst geht die Magie flöten.»

Von Regisseur Juri Steinhart kamen klare Vorstellungen, was die Rollen angeht, «gleichzeitig war er aber auch offen für unsere Vorschläge. Das habe ich sehr geschätzt.» Auch das restliche Filmteam und die Schauspielkollegen habe sie ins Herz geschlossen. «Ein Gefühl eines grossen ‹Miteinanders›. Wir haben vor und nach dem Dreh viel Zeit miteinander verbracht und uns nach Drehende richtig vermisst.» Während 20 Drehtagen war Gasche mit dabei, nach einer ersten Vorbereitungswoche auf einem Bauernhof, wo man gemeinsam das Drehbuch durchging.

Die Schauspielerin blickt auf den Kinostart in dieser Woche und auf kommende Projekte: «Als Erstes gehts wieder auf die Bühne. Da arbeite ich mit einem Ensemble zusammen, mit dem ich bereits vor einem Jahr zusammengearbeitet habe», freut sich die Heimweh-Solothurnerin, die in Berlin lebt.

Über das Kommunenleben

Wohlgemerkt: Weder hüben noch drüben wohnt sie selbst in einer Kommune, was sie sich selbst auch nur schwer vorstellen könnte: «Ich teile meine Zahnbürste und Bettdecke – und wahrscheinlich noch viel mehr – nur sehr ungern», sagt sie lachend. So wie sie aufgewachsen sei und heute lebe, würde sie dies nicht für eine Kommune aufgeben. «Aber ich denke, es würde uns wahrscheinlich nicht schaden, mal ein paar Tage so zu leben. So würde man eventuell wieder mehr lernen, das zu schätzen, was man hat.»