Mit der HESO- Sonderschau waren wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort», schaut Michel Aebi zufrieden zurück. Die Schau unter dem Motto «Solothurn erneuert sich» fiel mit der Präsentation der neuen Energiepolitik des Bundesrates zusammen und fand grosse Beachtung - nicht nur weil sie von Energieministerin Doris Leuthard eröffnet wurde. «Wir hatten sehr viele positive Rückmeldungen» , so Aebi.
Doch zuerst hiess dies für das siebenköpfige OK, darunter fünf Mitglieder der Unternehmerinitiative, einmal viel Arbeit. «Unser ganzes Jahresprogramm wurde damit hinfällig» Und weil der Job erst anfang Jahr»gefasst» wurde, war die Sponsorensuche nicht mehr ganz einfach. Am Ende sei man aber mit einer «roten Null» herausgekommen, bilanziert Aebi.

«Klimawandel im Kopf»

Aebi ist diplomierter Gärtnermeister und leitet die Firma Creaplant AG mit acht Angestellten in Gerlafingen. Wie kommt er dazu, sich für die Energiewende einzusetzen? «Im Kopf hat bei mir die Energiewende schon vor einiger Zeit stattgefunden», berichtet Aebi, der in der Solarsiedlung Riedholz wohnt. Als Gärtner ist er mit Phänomenen wie dem Klimawandel bestens vertraut - und bisweilen auch davon betroffen.
Die väterliche Gärtnerei in Obergerlafingen betrieb noch Gewächshäuser, die auch im Winter auf Zimmertemperatur geheizt wurden. «Heute wird dort nur noch zur Frostverhinderung geheizt», erläutert er den Paradigmenwechsel. Sein eigenes Geschäft im Bolacker hat sich auf Innenbegrünung spezialisiert und befindet sich in einem MietGebäude nach Minergie-Standard.

«Es sind nicht nur energieintensive Betriebe, die ihren Verbrauch senken können», betont Aebi. «Betriebe wie Stahl Gerlafingen machen das aus Kostengründen schon lange.» Wichtig sei es aber, KMU, Gewerbebetrieben und Privathaushalten das mögliche Sparpotenzial aufzuzeigen. «Zusammengenommen machen sie das Gros des Energieverbrauchs aus». Selbst in Büros lasse sich noch viel Energie einsparen. «Praxisbeispiele beweisen dass alleine bei der Heizungs- Lüftungs & Klimaanlage und der IT & Bürogeräteinfrastruktur mit einfachen Massnahmen bis zu 30 Prozent eingespart werden kann.» (an einem HESO-Anlass wurde diesbezüglich das Beispiel der Raiffeisenbank Derendingen vorgestellt).

Energieversorger sind dabei

Aebi betont deshalb, dass jegliche Firmen, welche das Ziel des Energie sparens teilen, in der Unternehmerinitiative willkommen sind. Es gebe keinen formellen Kodex, der zu erfüllen wäre. Inzwischen machen 22 Firmen mit (vgl. Kasten). «Ich bin froh, dass auch die Energieversorger mit im Boot sind. Mit ihren neuen Tarifmodellen zeigen Sie, dass die Energiewende bereits Realität ist.»
Aebi macht sich keine Illusionen. Ohne Energie sparen gibts keine Energiewende. Doch erneuerbare Energie werde laufend günstiger während sich die Preise für Erdöl seit 2000 verfünfacht haben. Auch der Strom aus AKW werde als Folge erhöhter Sicherheitsvorschriften und der teuren Entsorgung von Abfällen sowie dem Rückbau der alten AKW stetig teurer.
Es brauche Investitionenin neue Technologien «Die Schweiz ist ein Land von Tüftlern und Erfindern und sei deshalb in der Lage , bei deren Entwicklung eine führende Rolle zu spielen», betont Aebi, der aus diesem Grund auch Mitglied bei der Vereinigung Swiss CleanTech ist. So gelte es insbesondere Technologien für die Speicherung des Solarstroms weiter zu entwickeln. Dass die Schweizer Stauseen dafür nicht genügen, wird von Skeptikern immer wieder ins Feld geführt. «Die ersten Atomkraftwerke wurden vor rund 30 Jahren gebaut. Die Abfallproblematik ist bis heute nicht gelöst», hält Aebi dagegen. Er sei im Übrigen nicht für eine sofortige Abschaltung der AKW, sondern für einen sanften Übergang wie sie in der Energiestrategie 2050 des Bundes vorgesehen ist.

Abhängig von fossiler Energie

Insbesondere gelte es, mittelfristig von der importierten fossilen Energie unabhängig zu werden. «Diese deckt 80 Prozent unseres Bedarfs und ist verantwortlich für den CO2-Ausstoss. Hier liegt auch das gewaltige Potential für die einheimische Wirtschaft.» Die Schweiz importier jährlich für viele Milliarden fossile Brennstoffe. «Viel klüger wäre diese Wertschöpfung im Eigenen Land zu erzeugen» Aebi will, dass die im Jahr 2011 gegründete Vereinigung auch im kommenden Jahr weiterwächst. Dazu soll aus der Gruppe auch ein statutarischer Verein werden, der beispielsweise auch in kantonalen Vernehmlassungen begrüsst wird. «In der nächsten Phase geht es darum, dass wir auch politisch wahrgenommen werden», erklärt Aeb. Die Gründungsversammlung des Vereins ist für den 29. Januar geplant.
«Die Unternehmerinitiativeneue Energie ist politisch neutral», betont Aebi. Er selber ist Mitglied der FDP. Es gehe darum, Sachfragen im Lichte der Energiewende anzugehen. «Wenn beispielsweise der Gewerbeverband das Referendum gegen das Raumplanungsgesetz ergreift, heisst das nicht, dass alle Gewerbler das unterstützen - im Gegenteil. Das neue Gesetz würde beim Energiesparen helfen.»
Man erwäge sogar, eine Wahlempfehlung für die Regierungsratswahlen 2013 abzugeben. «Wir unterstützen jene Politiker, das das Potenzial der Energiewende für unsere Wirtschaft sehen und aktiv unterstützen.»

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