Solothurner LIteraturtage
Die meisten Veranstaltungen finden ohne Publikum statt – es gibt aber Ausnahmen: Ein Einblick

Am Freitagnachmittag trat die Spokenwordpoetin Josefine Berkheim im Stadttheater vor Publikum auf. Wenn auch coronabedingt nur vor wenigen. Das Parterre blieb somit leer.

Fabio Vonarburg
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Die Literaturtage werden gefilmt.

Die Literaturtage werden gefilmt.

Tom Ulrichtina Ulrich

«Platz 338» steht auf dem Eintrittsticket geschrieben und erinnert damit an «normale» Solothurner Literaturtage, wie man sie zuletzt 2019 erlebte. Ungefähr 17'800 Besucherinnen und Besucher sassen dazumal in den rund 200 Veranstaltungen vor Ort. Im letzten Jahr war das Festival coronabedingt nur online. Auch die diesjährige Ausgabe ist in erster Linie eine virtuelle, wobei zehn Veranstaltungen mit Publikum vor Ort stattfinden können. Wenn auch mit nicht einmal 50 Tickets pro Anlass weit weniger im Saal sein können, als dies ohne Coronamassnahmen der Fall wäre.

«Es ist mir fast ein wenig peinlich»

Das erwähnte Ticket mit der Platznummer 338 galt für das Stadttheater, für die Spoken-Word-Performance von Josefine Berkholz am Freitagnachmittag. Bevor Berkholz loslegte, bat Moderatorin Fatima Moumouni um einen grossen Applaus für die Spokenwordpoetin, die aus Berlin angereist ist. «Es klingt nach viel mehr Menschen, als hier sind», sagte Moumouni vermittelnd für die Mehrheit, die die Veranstaltung von Zuhause aus über ihren Computer oder Fernseher mitverfolgte.

Josefine Berkholz.

Josefine Berkholz.

Zvg

Und jene, der der Applaus galt, sagte:

«Es ist mir fast ein wenig peinlich, aber ich habe dieses Geräusch so sehr vermisst»,

so Josefine Berkholz, die später im Gespräch mit der Moderatorin erzählte, wie aufgeregt sie vor dem Auftritt war. «Ich war schon lange nicht mehr auf einer Bühne.» Dann sah sie in den Saal und sagte, dass sie das Publikum zwar nicht so gut sehe, wegen den blendenden Scheinwerfern, «aber die Präsenz zu spüren während man redet, ist unfassbar.»

Im letzten Jahr habe sie nur wenige Stücke für die Bühne geschrieben, erzählte Josefine Berkholz. Deswegen hatte sie das Bedürfnis, eines extra für die Solothurner Literaturtage zu schreiben. Zum ersten Mal trat sie auch mit ihrem neuen «Spielzeug» auf: Die Poetin setzte eine Loop-Station ein, da das Gedicht etwas gemacht habe, wofür eine Stimme nicht ausreiche, «aber da ich nur einen Mund habe...», sagte Berkholz und Moderatorin Fatima Moumouni scherzte: «Und einen Chor kann man derzeit nicht auf die Bühne stellen.»

Das Stück fing als «gewöhnlicher» Monolog an, wurde später zu einer Art Dialog zwischen der Poetin und ihrer Loop-Station und endete gegen den Schluss des Stücks in einem einzigen Durcheinanderreden. Beim Zuhören kam einem in den Sinn, was die Poetin zuvor im Gespräch berichtete, dass es teils ein Mittel sein kann, die Zuhörerinnen und Zuhörer zu überfordern. So vielschichtig das Stück war, so schwirrten einzelne Fragmente des Auftritts auch danach noch im Kopf herum, der Loop-Station des Menschen.

Und die Spokenwordpoetin, die nimmt ein Souvenir zurück nach Hause: Das Geräusch von klatschenden Menschen.

Zum reinhören: Josefine Berkholz bei einem anderen Auftritt

Youtube: Poetry Slam TV