Der Literatur geht es oft so, wie manch anderer Kunst. Sie kann in Vergessenheit geraten und nur dank Denkmalpflegern, Forschern oder Archäologen wiederentdeckt werden. Der Winznauer Hans Brunner, früherer Lehrer und Kurator des Historischen Museums Olten, ist ein solcher Forscher – auf vielen Gebieten, und auch auf dem Feld der Literatur. Und so entdeckte er im Laufe seiner Forschertätigkeit viel Geschichtliches, aber auch viel Literarisches, was ihn erstaunte und ihm wichtig erschien. Und er machte sich Gedanken darüber, wie das der Nachwelt erhalten bleiben sollte. An der Buchvernissage in der Zentralbibliothek Solothurn berichtete er davon. «Viele vergessene Autoren haben in Jahrbüchern, Kalendern, Festschriften und Ähnlichem veröffentlicht. Von vielen sind auch Bücher erschienen, die aber heute meist vergriffen sind, und doch sind es diese literarischen Erzeugnisse wert, dass sie eine neue Leserschaft finden.»

Schliesslich hat Brunner 40 Manuskripte zusammengetragen, und diese dem Oltner Verleger Thomas Knapp unterbreitet. Knapp war sofort klar: Das gibt die Reihe «Solothurner Klassiker». Es sollen schöne, von Bruno Castellani gestaltete Ausgaben mit Erzählungen oder Lyrik werden, die sich gut als Geschenke eignen.

Bekannte Namen zum Auftakt

Gleich vier Bände sind jetzt zum Auftakt erschienen. Je ein Bändchen mit Schriften von Hans Derendinger, Carl Robert Enzmann, Olga Brand und Fritz Grob. Im zweiten Halbjahr folgen Ausgaben mit Werken von Clara Büttiker, Alfred Hartmann, Oscar Schenker und Bernhard Wyss. Insgesamt sind 40 Bücher geplant. Pro Jahr sollen vier bis acht Bände erscheinen, sagt Knapp. Die Auswahl der Autorinnen und Autoren und deren Texte hat Hans Brunner ganz persönlich – in Absprache mit Verleger Thomas Knapp – getroffen. «Es sind Autoren von Ende des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie erhebt keinen Anspruch aus Wissenschaftlichkeit», sagten beide. Ganz bewusst habe man auch keine kommentierten Ausgaben herausgeben wollen. Dies vorwiegend aus Zeitgründen. Genau diese Tatsache könnte die Freude an dieser Reihe etwas trüben, denn so fehlt doch die literaturwissenschaftliche Einordnung.

Verena Bider, Co-Direktorin der Zentralbibliothek Solothurn, hat das Projekt von Anfang an unterstützt. Mit einem Förderbeitrag tat das auch das Kantonale Kuratorium für Kulturförderung, Fachkommission Literatur. «Wir sind überzeugt, mit dieser Volksausgabe dem Kanton Solothurn ein wichtiges Stück Literaturgeschichte zu übergeben», sagt Herausgeber Hans Brunner.

Solothurner Klassiker (Verschiedene Autoren), Olten, Knapp-Verlag, geb. Halbleinen. Pro Band Fr. 34.–. Im Buchhandel erhältlich.