Volksmusik
Solothurner Hoffnung für Volksmusik-Show

Die 19-jährige Michelle Ryser aus Lohn-Ammannsegg wird nächsten Samstag in der Schweizer Volksmusik-Show «Alpenrose» auftreten. Sie wird gegen sechs Konkurrenten aus verschiedenen Sparten antreten.

Christoph Neuenschwander
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Michelle Ryser sang bereits im «Musikantenstadl» und gewann 2009 den Kleinen Prix Walo.

Michelle Ryser sang bereits im «Musikantenstadl» und gewann 2009 den Kleinen Prix Walo.

Felix Gerber

Im Wohnzimmer der Familie Ryser steht ein Keyboard. Auf der Klaviatur liegt ein Blatt Papier, bedruckt mit einem Lied-Text. Es ist das Stück, mit dem die 19-jährige Michelle am kommenden Samstag in der Sendung Alpenrose des Schweizer Fernsehens auftreten wird, so viel sei verraten. Ein Stück, das die Sängerin aus Lohn-Ammannsegg zwar weder selbst geschrieben, noch ausgewählt hat, das ihr aber trotzdem auf den Leib geschneidert scheint - nicht zuletzt deshalb, weil sie ihm mit einigen Anpassungen eine persönliche Note verliehen hat. Auch dies sei verraten. Doch nun alles der Reihe nach.

Michelle Ryser hat eine grosse Leidenschaft: die Musik. Seit ihrem achten Lebensjahr tanzt sie. Mit der Street- und der Rock'n'Roll-Showgruppe der Tanzschule Tschui hat sie regelmässig Auftritte. Seit sie vor fünf Jahren aber zum ersten Mal nicht als Tänzerin, sondern als Sängerin auf einer Bühne stand, hat sie sich zunehmend mittels ihrer Stimme musikalisch verwirklicht - und sich dabei Gehör verschafft.

Zeitintensive Tätigkeit

2008 sang sie im «Musikantenstadl», noch im selben Jahr gewann sie den Kleinen Prix Walo, und Anfang 2009 wirkte sie als Musical-Darstellerin in «Linie 1» mit. «Das war ein tolles Erlebnis», erinnert sie sich. «Wir haben uns damals richtig in unsere Rollen hineingelebt. So etwas würde ich auf jeden Fall wieder machen.»

Heute ist das Musizieren, auch wenn Ryser es noch immer als Hobby sieht, zu einer zeitintensiven Tätigkeit geworden. Sie übt viel, nimmt Gesangsunterricht und hat im Schnitt jede zweite Woche einen Auftritt. Trotz ihres Erfolgs ist die Fachmittelschülerin realistisch geblieben: «Ich will Lehrerin werden. Und nicht nur nebenberuflich.» Natürlich träume sie manchmal davon, von der Musik leben zu können, aber ihr sei auch bewusst, wie schwierig das ist. Lieber wäre es ihr, Unterrichten und Singen nebeneinander auszuüben. «Das lässt sich gut vereinbaren», sagt sie zuversichtlich. «Und das Selbstvertrauen, das ich auf der Bühne gewinne, kommt mir sicher auch im Klassenzimmer einmal zugute.»

Ryser ist beliebt, hat einen Fanclub, kriegt Fanpost - «gelegentlich auch Liebesbriefe», schmunzelt sie. Sogar einen Heiratsantrag habe sie schon erhalten. Die Schulkolleginnen unterstützen sie ebenfalls, die Feedbacks sind durchwegs positiv. Schlager und Volksmusik haben in den vergangenen Jahren auch unter Jugendlichen laufend an Beliebtheit zurückgewonnen. Und in Rysers Fasnachtstruppe höre man diese Musikrichtungen ohnehin oft.

Mag Country

Daneben begeistert sie sich aber auch für Country. Sie interpretiere häufig Songs von Shania Twain, und dieser Stil fliesse in ihre Lieder ein. Jene komponiert sie zwar noch nicht selbst, aber sie nehme immer mehr auf die Texte und natürlich die Gesangslinie Einfluss. «Es ist sicher ein Ziel, irgendwann meine Stücke selbst zu komponieren. Toll wäre es auch, eine Band zu haben. Das wäre beim Country ja üblich, bei der Volksmusik halt eher nicht.» So kommt denn bei ihren Konzerten die Musik (noch) aus der Büchse, gesungen wird aber live.

Als Newcomerin bewarb sich Michelle Ryser schliesslich bei der Sendung Alpenrose 2011, in der insgesamt sieben Einzelkünstler und Gruppen aus sieben verschiedenen Sparten der Volksmusik unter der Leitung eines prominenten Paten gegeneinander antreten. Nachdem sie sich im Casting in der Kategorie Volkstümlicher Schlager behaupten konnte, hat ihre Patin, Sängerin Monique, aus 15 vom Sender vorgegebenen Liedern eines für sie ausgesucht. «Die Schützlinge konnten nicht mitbestimmen, aber Monique hat eine sehr gute Wahl getroffen.» Um welchen Song es sich handelt, ist Geheimsache - das SF will seine Zuschauer überraschen. «Es ist ein deutsches Lied», verrät Ryser. «Das kann ich ja sagen. Ich habe es auf Berndeutsch umgeschrieben und noch einige Country-Elemente eingebaut, damit es ein richtiges Michelle-Lied ist.»

Jetzt ist sie gespannt auf den «Alpenrose»-Auftritt. «Es ist schon ein Gewinn dort dabei zu sein. Das Tüpfli auf dem i wäre natürlich, wenn ich gewinnen würde.» Gut sei, dass wirklich live gesungen werde. «Es geht nicht darum, dass jemand ein telegenes Gesicht hat, sondern dass man musikalisch was drauf hat.» Trotzdem werden wohl allein die Talente der Künstler die Entscheidung nicht ausmachen. Denn eigentlich werden Äpfel mit Birnen verglichen. Michelle Rysers Konkurrenten reichen von einem Liedermacher über Jodler bis zu einer Instrumentalband. «Wenn du gewinnst, dann gewinnst du mit Sparte und Pate», sagt sie. So oder so, sie wird ihr Bestes geben, denn «Ob Gugge, Tanzen oder Singen: Musik ist mein Leben.»