Solothurn
Solothurner Filmtage: In zwei Wochen 700 Filme schauen

Der Visionierungsmarathon, den es nur in Solothurn gibt, hat begonnen. Seraina Rohrer schaut derzeit fast rund um die Uhr Filme, welche an den kommenden Solothurner Filmtagen gezeigt werden. Sie sagt, wie es ihr dabei geht.

Fränzi Rütti-Saner
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Ein Teil der Kommission, welche die Filme der kommenden Filmtage auswählt. (v. l.) Heinz Urben, Expert-Filmvermittlung; Seraina Rohrer, Direktorin Filmtage; Jasmin Basic, Filmkuratorin; Karin Koch, Produzentin; Küde Meier, Filmökonom. Hansjörg Sahli

Ein Teil der Kommission, welche die Filme der kommenden Filmtage auswählt. (v. l.) Heinz Urben, Expert-Filmvermittlung; Seraina Rohrer, Direktorin Filmtage; Jasmin Basic, Filmkuratorin; Karin Koch, Produzentin; Küde Meier, Filmökonom. Hansjörg Sahli

Solothurner Zeitung

Seraina Rohrer, Sie schauen derzeit fast rund um die Uhr die Filme, welche an den kommenden Solothurner Filmtagen gezeigt werden. Wie geht es Ihnen?Seraina Rohrer: Ich finde es sehr schön, dieses Abtauchen in die Filme. Ich geniesse es richtig! Vor allem freue ich mich jetzt noch mehr auf die kommenden Filmtage. Es wird alles greifbarer.

Filme im Voraus tagelang zu visionieren, wie das in Solothurn noch gemacht wird, wäre doch mit den heutigen technischen Möglichkeiten nicht mehr nötig.
Ja. Ich kenne auch kein anderes Festival, das noch so sichtet. Heute bestellen sich die Mitglieder der Auswahlgremien die DVDs nach Hause und entscheiden dann in Sitzungen, was in ihr Programm kommt. In Solothurn funktioniert das anders. Hier schaut man sich während zweier Wochen alle Filme auf der Grossleinwand an. Mit grosser Disziplin und nach strengem Programmablauf. Erst nachdem alle Filme geschaut wurden, wird jeweils diskutiert und entschieden. Ich finde, es ist schon fast ein Ritual. Und dieses Vorgehen wird von allen geschätzt.

Zwei Wochen ununterbrochen Filme sehen, das geht doch auch physisch an die Substanz.
Tatsächlich hatte ich im Vorfeld schon auch Bedenken diesbezüglich. Doch ich bin positiv überrascht, bis jetzt läuft es gut. Das deshalb, weil alles so gut organisiert ist. Die Diskussionen unter den Mitgliedern der Auswahlkommission sind sehr inspirierend, auch wenn manchmal hart verhandelt wird. Da muss man auch mal richtig für einen Film «kämpfen».

Wie muss ich mir derzeit Ihren Tagesablauf vorstellen?
Ich lebe momentan ganz in Solothurn und gehe schon früh am Morgen auf meine Jogging-Runde. Dann gehts in den Kulturraum im Uferbau, wo die Filme gezeigt werden. Wir beginnen mit dem Sichten um 9 Uhr morgens und machen eine Pause von einer Stunde um die Mittagszeit. Dann gehts weiter bis elf Uhr abends, unterbrochen mit einer Pause von 11⁄2Stunden. Wir wissen im Voraus, an welchem Tag wir in welchem Restaurant zu Abend essen.

Wie viele Filme schauen sie sich denn in den zwei Wochen an?
Es sind rund 700 Filme, dabei auch die Kurz- und Trickfilme. Ins Programm aufgenommen werden dann schliesslich zwischen 200 und 300 Filme, die dann in den verschiedenen Kategorien gezeigt werden.

Können Sie schon erahnen, wie der Film-Jahrgang 2011 wird?
Nein, das ist noch zu früh. Wir sind ja noch mitten im Sichten. Wir haben uns aber vorgenommen, dass wir – so wie im letzten Jahr bereits durchgeführt – strenger selektionieren wollen. Im Übrigen bin ich erstaunt, wie viele professionelle Filme wir zu sehen bekommen. Nur ein ganz kleiner Teil stammt von Amateuren. Und: es sind mehr Dokumentarfilme und weniger Spielfilme.

Wie wird eigentlich die Auswahlkommission zusammengesetzt?
Wir achten darauf, dass die Gruppe durchmischt ist. Arbeitsbereiche in der Filmbranche, Hintergrund und Sprachregion spielen eine Rolle. Die Personen nehmen in der Regel für zwei Jahre Einsitz. Dann sind aber auch noch Personen aus der Geschäftsleitung der Solothurner Filmtage mit dabei. Die sind sehr wichtig, denn sie sind sozusagen das «Gedächtnis» der Filmtage.

Steigt mit der Visionierung ihre ganz persönliche Nervosität auf die kommenden Filmtage nicht enorm an?
Im Gegenteil. Ich werde mit jedem Visionierungstag ruhiger, denn ich weiss immer besser, wie die kommenden Filmtage aussehen werden. Ich habe immer mehr «Fleisch am Knochen» und sehe, dass es reizvolle und facettenreiche Filmtage werden.

Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.
Ja, ich freue mich riesig auf die Filmtage, die ja auch immer Gradmesser und Motor für die gesellschaftlichen Diskussionen sind. Ein Spiegelbild unserer Identität.