Energieholz
Solothurner beliefern Berner mit Holzschnitzeln

Die Waldbesitzer in unserer Region können von der höheren Nachfrage nach Energieholz profitieren. Ihre Vermarktungsorganisation Aareholz AG schliesst einen Liefervertrag für Holzschnitzel ins Holzheizkraftwerk Bern-Forsthaus ab.

Franz Schaible
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Nadelholz ist gefragt, das Angebot bleibt knapp.

Nadelholz ist gefragt, das Angebot bleibt knapp.

Schweiz am Sonntag

Einen grossen Schritt vorwärts im Bereich Energieholz macht die Aareholz AG: Die Vermarkterin von Holz aus Solothurner und Berner Wäldern wird ab 2012 Holzschnitzel an das im Bau befindliche Holzheizkraftwerk in Bern-Forsthaus liefern.

«Der entsprechende Vertrag mit der Lignocalor Seeland AG in Aarberg - sie ist zuständig für die Holzbeschaffung für das Heizwerk - wird Ende März 2011 unterschrieben», erklärt auf Anfrage Aareholz-Geschäftsführer Hannes Aeberhard. Geplant sei die jährliche Lieferung von 10000 bis 15000 Schüttraum-Kubikmeter (sm) Holzschnitzel (1m Holz entspricht 2,8 sm).

Stadtberner grösster Einzelkunde

Damit werden die Stadtberner zum grössten Einzelkunden für Energieholz der Aareholz AG, wie Aeberhard weiter ausführt. Aktuell setzten die Vermarktungsorganisation und die angeschlossenen Waldbesitzer rund 25000 Kubikmeter ab. Abnehmer seien vielfach kleinere Feuerungsanlagen in Gemeinden oder grosse Anlagen wie etwa im Altersheim in Lüterswil oder in der psychiatrischen Klinik in Langendorf.

Das Potenzial an Holzschnitzeln werde aber auch mit dem Kraftwerk Forsthaus noch nicht ausgeschöpft sein. «Mehrere Gemeinden in unserer Region wie Grenchen, Arch oder Leuzigen planen weitere Schnitzelanlagen.» Dort sieht er zusätzliches Volumen.

Weniger erfolgreich verläuft das Projekt einer zentralen Halle als Schnitzellager. «Wegen Problemen mit der Zonenkonformität und der Landbeschaffung in geeigneten Industriegebieten wurde das Projekt auf Eis gelegt», bedauert der Geschäftsführer und gelernte Förster. Eine Halle würde nämlich grosse logistische Vorteile bringen. Das Holz würde von Forstbetrieben vom Wald direkt in die Halle geliefert, wo es gehackt und gelagert würde.

Damit wäre auch die Versorgungssicherheit besser gewährleistet. Um diese ohne Halle zu garantieren, müssten die Waldeigentümer Schnitzelhaufen an schneesicheren Lagerplätzen am Waldrand anlegen. Er erinnert an den schneereichen Winter 2008, als der Transport von den verschiedenen Depots in den Wäldern zu den Kunden nicht immer klappte.

Die Forcierung des Geschäftes mit Energieholz steht auch im Zusammenhang mit dem Verlauf der «normalen» Holzverwertung. 2010 wurden über die Aareholz AG 53500 Kubikmeter Holz verkauft, fünf Prozent weniger als im Vorjahr, wie Aeberhard meldet. Zum Vergleich: 2007 wurden noch insgesamt 88600 Kubikmeter verkauft.

Bewusst weniger Holz geerntet

Zwei Hauptgründe sieht der Aareholz-Chef für den Rückgang. Mit der Schliessung der Zellulosefabrik Borregaard fielen rund 20000 Kubikmeter weg. Zudem werde in den Forstbetrieben im Mittelland nach dem Jahrhundertsturm «Lothar» der Hiebsatz weiterhin nach unten angepasst. Das heisst, es wird bewusst weniger Holz geerntet. Um die Sturmschäden zu beheben, sei in den Jahren nach der Katastrophe zu viel Holz genutzt worden.

Deshalb müsse im Sinne einer ausgeglichenen Wiederaufforstung die genutzte Menge auch in den kommenden vier Jahren reduziert werden. Weniger Bauchweh bereitet die kürzliche Schliessung der Grosssägerei Mayr-Melnhof in Domat/Ems. Bis Mitte 2010 seien über die Aareholz AG jährlich rund 5000 Kubikmeter Holz ins Bündnerland verkauft worden. Dafür werde nicht zwingend Ersatz gesucht, denn der Ausfall decke sich in etwa mit der erwähnten «Lothar»-bedingten Reduktion der Nutzung.

Die Handelsmenge werde also auch 2011 rückläufig sein, blickt Aeberhard nach vorne. Dabei sollten die Waldbesitzer nach Marktgesetz die Holznutzung eigentlich erhöhen. «Denn die Nachfrage nach Nadelholz ist so hoch, dass spätestens im Sommer Engpässe entstehen.» Dies betreffe alle drei von der Aareholz belieferten Abnehmerkategorien: Industriewerke, Grosssägereien und kleinere Sägereien. «Aber uns sind die Hände gebunden. Wir dürfen vorerst nicht mehr Holz schlagen, bis die Übernutzung nach ‹Lothar› ausgeglichen ist.»

Gerade gegenteilig entwickelt sich der Markt für Laubhölzer. «Diese ‹Abteilung› ist unser grosses Sorgenkind.» Sein Anteil an der gesamten über die Vermarktungsorganisation verkauften Holzmenge liege bei rund zehn Prozent. Die Nachfrage nach Laubholz sei sehr tief, weil es landesweit dafür keine Verarbeitung im grossen Stil gebe. Das führe dazu, dass ein Grossteil als Energieholz genutzt oder ins Ausland verkauft werde. Sein Fazit: «Es ist wenig sinnvoll, wenn das Laubholz einfach im Ofen landet.» Er würde deshalb den Aufbau eines Grosssägereiwerkes für Laubholz begrüssen.

Unterstützung erhält er von Geri Kaufmann, Geschäftsführer des Bürgergemeinden und Waldeigentümer Verbandes Kanton Solothurn. «Das Beste, was passieren könnte, wäre die Realisierung eines Sägewerkes für Laubhölzer», sagte er kürzlich in einem Interview mit der az Solothurner Zeitung. Ihre Wünsche könnten in absehbarer Zeit in Erfüllung gehen. Unter dem Projektnamen «AvantiBois» ist im Raum Moudon und Grandson ein Laubholzverarbeitungszentrum geplant. Das Holzbeschaffungsperimeter von «AvantiBois» umfasst auch die Kantone Bern und Solothurn.

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