«Erstmals dabei ist Martin Klotz aus Nuglar mit seinem Schwarzbuebe Bier», erklärt Alex Künzle, mit seiner Öufi-Brauerei Organisator des beliebten Anlasses, der wiederum 5000 Bierfans aus der ganzen Schweiz anlocken dürfte.

Unter den 24 Brauereien fehlen eigentlich nur die früher gern gesehenen Tessiner Brauer, dafür ist nach einjähriger Pause die Birraria Engiadinaisa aus dem fernen Tschlin im Engadin wieder dabei. Aber auch die Rorschacher Kornhausbräu AG oder das fribourgische Seislerbier beweisen, dass sich in Solothurn eine Brauerszene aus der ganzen Schweiz trifft.

Region ist stark vertreten

Natürlich hat die Öufi-Brauerei, deren Fanclub in der Turnhalle einen eigenen Ausschank betreibt, mit den Sorten helles Lager, dunkles Orbi, dem Stout, Weizen und einem Bockbier ein eigentliches Heimspiel. Doch die Braukunst in der Region zeigt ebenfalls Flagge: Die Brüder Kipfer mit ihrem Buechibärger Bier sind ebenso vor Ort wie das Häxli Bier Wolfwil, vertreten durch Matthias Ackermann, auf dessen Hof ein echtes Kamel grast.

Nur noch ein Bier aus Grenchen, das «Granicum» von Toni Lötscher, kann man dagegen degustieren, «die andere Grenchner Kleinbrauerei, ‹Gränche bi Gott›, gibt es nicht mehr», weiss Alex Künzle. Umso stärker sind dagegen die Berner Brauer vertreten: die Kleinbrauerei Knüxx aus Lengnau beispielsweise, «Sam’s Bier» aus Biel mit Ex-«Öufi»-Beizer Samuel Meyer, oder die Berner Musts wie das Hasli Bier Langenthal, die Gasthaus Brauerei Burgdorf oder das Alte Tramdepot Bern.

Exoten und «Kamikaze-Brauer»

Spannend sind in Solothurn für alle Biertrinker – zunehmend übrigens durchmischt mit Biertrinkerinnen – die Exoten. Da wäre einmal ein Dauergast, der Neuseeländer Stephen Hart mit seiner «Rappi Bierfactory» zu nennen. Aber auch der Fernsehkoch Raffael Mettler mit der Brasserie trois dames.

Oder Jerome Rebetez von der BFM in Saignelégier, auch als «Kamikaze-Brauer» tituliert. «Er braut mit fast allem, was es gibt. Mit Salz, Ingwer, Grüntee oder Waldkräutern», erzählt Alex Künzle. Und fügt augenzwinkernd an: «Inzwischen verkauft er seine Biere für teures Geld in New York besser als im heimischen Jura.» Denn nicht nur in der Schweiz boomt die Kleinbrauerszene mit ständigen Neugründungen, auch in den USA sei ein richtiger Hype entstanden – «aktuell sind sie dort daran, die Zahl von 2000 Kleinbrauereien zu knacken.»

VIP-Zelt statt Rangliste

Eröffnet werden die Biertage diesmal – nomen est omen – durch den «Öufi»-Stammgast und Schauspieler Werner Biermeyer aus Solothurn. Neu betreibt Alex Künzle hinter der Reithalle ein 100-plätziges VIP-Zelt, wo der Langendörfer «Chutz»-Wirt Urs Witmer Haxn auftischen will, die das bayrische Original zumindest erreichen sollen.

«Am Donnerstag sind allerdings schon alle Plätze reserviert», verrät Künzle, der auch am Freitag- und Samstagabend für die Reithalle die obligate «Sturmwarnung» herausgibt: «Am späteren Abend ist jeweils damit zu rechnen, dass der Security-Dienst mangels Platz keinen Einlass mehr gewähren kann.» Der Ausschank von einheitlich 3 dl Bier erfolgt an den Ständen in Plastikbechern, einzelne Brauereien geben gegen ein Depot von 5 Franken auch im Glas Bier ab.

Welches am besten schmeckt, dafür gibts dieses Jahr jedoch keinen Leitfaden. Denn die sonst an auf die Biertage hin übliche Prämierung von rund 100 Biersorten in verschiedenen Kategorien unter der Leitung von Peter Dürr (Wädenswil) wurde von Alex Künzle aufgegeben.

«Der Aufwand war riesig und die Resultate interessierten nur eine Minderheit», stellt der Solothurner Pionier etwas ernüchtert fest. Damit wird der einzige relevante Kleinbrauer-Contest Geschichte sein – der Gaumen der Biertage-Fans kann sich dagegen unvoreingenommen an die breite Palette von Gerstensaft herantasten.