Solothurn schreibt Geschichte

«Solothurn spielt verrückt»

In der Goldgasse trat Wasser aus den Bsetzisteinen.

In der Goldgasse trat Wasser aus den Bsetzisteinen.

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt.Teil 7.

Autorin: Simone Leitner

Mitwirkende: Isabel Hunziker, Zuchwil | Hans Fischer, Lüterkofen | Susanne Im Hof, Grenchen | Mathieu Im Hof, Grenchen | Joelle Harms, Selzach | Christine Künzler, Schüpfen

Alma ist erschöpft und ratlos. Sie lässt den Tag Revue passieren, kann aber mit dem besten Willen weder den geschichtsträchtigen Fund des Gewölbes einordnen, noch einen Zusammenhang zwischen den verschwundenen Gegenständen konstruieren. Umso mehr spürt sie die grosse Verbindung zu Jeffrey Affolter und Kuno Studer. Ist es die tiefe Passion zur Solothurner Geschichte? Sind es die gedanklichen Zeitreisen, die sie in alten Gemäuern und in der Nähe von Sehenswürdigkeiten mit Studer teilt? Oder die gut gehüteten Geheimnisse, die alle drei mit sich herumtragen? Alma ist erst in den frühen Morgenstunden eingeschlafen und entsprechend spät und gerädert aufgewacht. Sie greift zum Handy, ist hellwach als sie den verpassten Anruf von Jeffrey sieht. Schon um Viertel nach sechs hat er eine Sprachnachricht hinterlassen: «Halt dich fest, in einem Facebook Post schreibt «derunbekannteberner», dass der Füdlistein ihr neuer Unspunnenstein sei! Und in einem anderen Eintrag ruft eine Gruppe von Solothurnern auf, den Füdlistein zu suchen.» Den Rest hört Alma nicht mehr. Ihr ist schwindelig und bewusst, dass der Verlust des Füdlisteins nun öffentlich bekannt ist. Unter der Dusche legt sie sich einen ausgefeilten Plan zurecht. Zuversicht keimt auf. Jetzt noch schnell die passenden Schuhe und dann schnurstracks raus. Noch bevor die Tür ins Schloss fällt, vibriert ihr Smartphone und ihr Puls schnellt in die Höhe. Tourismusdirektor Tom Seiffert! Seiffert, der gestern noch hilfsbereit und entspannt war, ist nun ausser sich. «Der Füdlistein ist weg, die Stadt voller Touristen und mein Team nonstop am Telefon. Da bist du doch involviert!» Alle würden durch die Stadt irren, um diesen unmöglichen Solothurner Füdlistein zu suchen. Die Touristen, vor allem aus Bern, würden sogar nach Spielregeln für diese «geile Schnitzeljagd» fragen. «Alma! Was ist los? Ich will Antworten, Transparenz und Lösungen!». Alma versichert ihrem Chef, sofort ins Büro zu kommen. Mit Lösungen.

Auf dem Weg dorthin informiert sie Jeffrey und Studer. Sie einigen sich, dass das Fehlen des Steins, der Statue und der Scherbe bekannt gemacht wird und kreieren diese clevere Idee: «Solothurn spielt verrückt», soll ein neuer «Krimi-Trail» heissen, den die schönste Barockstadt der Schweiz zu bieten hat. Mit dieser Ablenkung würden sie genügend Zeit haben, das wahre Geheimnis hinter dem schwerwiegenden Fall aufzudecken und vor allem den unfassbar wertvollen Fund dieses unterirdischen Raums zu verbergen. Man würde den Leuten einfach sagen, die gestohlenen Teile seien bei Experten zur Restaurierung und daraus hätte Solothurn Tourismus diesen coolen Trail erarbeitet. Quasi ein historisches Pop-up. Alma findet die Idee brillant, fragt aber dennoch verunsichert: «Glaubt ihr wirklich, Tom Seiffert lässt sich damit abspeisen?» Es müsse noch eine Geschichte hinter der Geschichte her. Auch da sind Studer und Jeffrey nicht verlegen. Studer erzählt zehn Minuten später im Büro von Seiffert folgende Story: «Vorgestern in der Nacht meldete ein Passant bei der Polizei, dass an der Goldgasse Wasser aus den Bsetzisteinen tritt. Diese meldet den Vorfall beim Werkhof. Die Jungs rücken unverzüglich aus. Vor Ort stellen sie fest, dass es sich um den unterirdischen Stadtbach handelt. Es wird tief gegraben und siehe da, ein grosses Loch kommt zum Vorschein. Wie sollen wir vorgehen, fragen sich die Werkhof-Mitarbeitenden? Auf dem Fahrzeug befindet sich ein Hebekran. Sie entdecken den Füdlistein und entschliessen sich, das Loch mit diesem Stein zu schliessen. Dann wird es kurzerhand mit den Bsetzisteinen wieder abgedeckt. Der Schaden ist behoben. Da es sich um einen Noteinsatz handelte, wurde der Rapport direkt bei mir hinterlegt.»

Die Geschichte wirkt so glaubwürdig, dass die Flyer-Vorlage für den neuen Pop-up Krimi-Trail Minuten später in der Druckerei liegt. Nur Alma zweifelt.

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