Solothurn
Kleine Scherben schreiben Stadtgeschichte

Anlässlich des Jubiläums «2000 Jahre Solothurn» zeigt das Museum Pächterhaus archäologische Funde, die wichtige Daten zur frühen Stadtgeschichte lieferten. Die kleine Sonderausstellung wird am Internationalen Museumstag vom 16. Mai im Rahmen eines Tages der offenen Tür eröffnet.

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Das Pächterhaus beim Museum Blumenstein.

Das Pächterhaus beim Museum Blumenstein.

Wolfgang Wagmann

Zur Zeit des Kaisers Tiberius legten die Römer den Grundstein der Stadt Solothurn. Mit dem Ausbau des Strassennetzes durch das Schweizer Mittelland errichtete das Militär bei Solothurn auch eine Brücke über die Aare. Die Brücke und die ersten Häuser entstanden zwischen 15 und 25 nach Christus.

Die Datierung beruht vorwiegend auf kleinen, rotbraun glänzenden Tonscherben, die sich in den ältesten Schichten der römischen Siedlung fanden. Dieses hochwertige Tafelgeschirr, die sogenannte Terra Sigillata, wurde zunächst in Italien hergestellt, später dann in Südgallien, dem heutigen Südfrankreich. Stets brachten die Töpfereien neue Gefässformen auf den Markt. Aus diesem Grund lässt sich das Terra-Sigillata-Geschirr zeitlich aufs Jahrzehnt genau einordnen.

Anhand dieser Geschirrscherben lässt sich die älteste römische Siedlung von Solothurn in die Zeit zwischen 15 und 25 n. Chr. datieren

Anhand dieser Geschirrscherben lässt sich die älteste römische Siedlung von Solothurn in die Zeit zwischen 15 und 25 n. Chr. datieren

Kantonsarchäologie Solothurn

Ein anderer wichtiger Fund für die Stadtgeschichte ist ein Altarstein für die Göttin Epona aus dem Jahr 219. Die Inschrift darauf liefert den ältesten bekannten Nachweis des Ortsnamens Salodurum. Als der Stein geweiht wurde, existierte das antike Solothurn bereits seit 200 Jahren. Der Stifter des Altars, Marcus Aurelius Aprilius Restio, war Soldat der 22. Legion.

Als Vorsteher des Solothurner Strassenpostens war er für die Überwachung der Strasse verantwortlich. Die keltische Göttin Epona wachte als Schutzherrin der Pferde, Esel und Maultiere auch über den Reiseverkehr. Im Pächterhaus ist eine Kopie des Inschriftensteins im Kleinformat zu bewundern – das Original ist im Steinmuseum neben der Jesuitenkirche in Solothurn ausgestellt. (mgt)

Kopie des Eponasteins im Kleinformat, zu sehen im Pächterhaus Museum Blumenstein.

Kopie des Eponasteins im Kleinformat, zu sehen im Pächterhaus Museum Blumenstein.

Kantonsarchäologie Solothurn

Sonntag, 16. Mai 2021, 10 bis 17 Uhr, Pächterhaus Museum Blumenstein, Blumensteinweg 12, 4500 Solothurn, museumpaechterhaus.ch; Pierre Harb, Kantonsarchäologe und Mirjam Wullschleger, Kuratorin, erzählen mehr zur Stadtentwicklung von Solothurn.